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Sichtbare Enttäuschung: Die Pforzheimer Rugby-Spieler. Foto: J. Keller/PZ-Archiv
Sichtbare Enttäuschung: Die Pforzheimer Rugby-Spieler. Foto: J. Keller/PZ-Archiv
13.06.2013

Rugby-DM: Im Titelrennen ist für TV Pforzheim das Halbfinale Endstation

Mit hängenden Köpfen haben die Pforzheimer Rugbyspieler am Mittwochabend den Platz des Heidelberger RK verlassen. Obwohl sie anfangs gut gespielt haben und zweimal in Führung gegangen sind, konnten sie dem Topfavoriten HRK vor allem in der zweiten Halbzeit nicht mehr entscheidend Widerstand leisten. Mit einer zu deutlich ausgefallenen 9:51-Niederlage im Halbfinale um die deutsche Rugby-Meisterschaft verabschiedete sich der noch amtierende Vizemeister aus dem Titelrennen.

Das Aus im Halbfinale kam nicht ganz unerwartet. Der in dieser Saison noch ungeschlagene HRK hatte schon die beiden Rundenspiele gegen die Pforzheimer deutlich gewonnen. Doch vor fast genau einem Jahr trafen auf diesem Platz beide Teams im Meisterschaftsfinale schon einmal aufeinander – und damals schrammte der TVP mit einer knappen 16:20-Niederlage ganz knapp an der Titelsensation vorbei.

Im diesjährigen Halbfinale lag der TVP durch zwei verwandelte Straftritte von Jeremy te Huia jeweils mit 3:0 und 6:3 in Führung. In der ersten Viertelstunde des Spiels war es ein Kampf auf Augenhöhe. Dann aber schlichen sich bei den Pforzheimern kleine Fehler und Undiszipliniertheiten ein. Nervosität? Unsicherheit? Angst vor dem Favoriten? Bälle wurden nach vorne geworfen, Einwürfe in die Gasse gingen verloren, Gedränge hielten dem Druck nicht stand, unsaubere Tacklings missfielen dem Schiedsrichter und nach rund 20 Minuten erhielt Ionel Oprea die mit einem zehnminütigen Feldverweis verbundene Gelbe Karte.

Der HRK nutzte diese Fehler gnadenlos. Eine Serie von Versuchen, nur unterbrochen durch einen weiteren erfolgreichen Straftritt von te Huia, brachte die Heidelberger zur Halbzeit mit 27:9 in Front. Zwei Gelbe Karten für den HRK in der zweiten Halbzeit konnten die zunächst tapfer anrennenden Pforzheimer nicht nutzen. Das Glück war an diesem Tag nicht auf Seiten des TVP, der mit dem 9:51-Endstand dennoch zu deutlich abgestraft wurde.

Die spielentscheidenden Momente waren jene Szenen in beiden Halbzeiten, in denen der Topverein aus der Goldstadt kurz vor dem gegnerischen Malfeld stand und die fünf Punkte aus dem zu erwartenden Versuch schon vor Augen hatte. Doch gleich mehrmals gelang es Heidelbergern, einen schlecht geworfenen Pass in der eigenen Gefahrenzone abzufangen und allein übers ganze Feld zu spurten und abzulegen. Solche Konter dürften die Moral der gegen Ende des Spiels durch zahlreiche Verletzungen geschwächten Pforzheimer gebrochen haben.

Betrachtet man die gesamte Saison, dürfte das Aus im Halbfinale nicht mehr ganz so schmerzlich sein. Der TVP hatte nach einem sensationellen Durchmarsch durch alle Ligen in der vergangenen Saison erstmals in der Rugby-Bundesliga gespielt und sich gleich im ersten Jahr den Vizetitel geholt. Im demnächst olympischen 7er-Rugby wurden sie sogar Deutscher Meister. Das zweite Jahr in der Bundesliga war geprägt durch einen großen Aderlass an wichtigen Spielern. Im Grunde musste Spielertrainer John Willis zu Saisonbeginn aus einer völlig neu zusammengewürfelten Mannschaft ein Team formen.

Das hat dann auch bis zum Halbfinale funktioniert. Was noch nicht so klappt, wie es sich der Deutsche Rugby-Verband vorstellt, ist die Jugendarbeit der Pforzheim. Die befindet sich gerade erst im Aufbau, wird aber mit großem Nachdruck durch soziale Projekte und Schulkooperationen vorangetrieben und zeigt bereits erste Früchte. Trotzdem verdonnerte der Verband den TVP in der Saison zu einem Abzug von vier Punkten in der Meisterrunde. Die Pforzheimer wären ohne diese Verbandsstrafe sonst erst im Finale auf den HRK getroffen.

Schwierig wird es auch, den Titel des Deutschen Meisters im 7er-Rugby zu verteidigen. An diesem Wochenende spielen der HRK und der SC Neuenheim den Meister im 15er-Rugby aus. Eine Woche darauf findet in Heusenstamm das zweitägige Turnier um die deutsche 7er-Meisterschaft statt. Da bleibt für den TVP nur wenig Zeit, sich auf die Titelverteidigung vorzubereiten. Einige 7er-Spieler wurden im Halbfinale verletzt. Das Erfolgsmärchen im Pforzheimer Rugby ist noch nicht zu Ende erzählt.