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Drei Viertel des Europameisterschaftsspiels Deutschland gegen Russland war das deutsche Nationalteam (dunkle Trikots) oben auf. Im letzten Viertel konnten die Russen überraschend deutlich das Spiel drehen.
Drei Viertel des Europameisterschaftsspiels Deutschland gegen Russland war das deutsche Nationalteam (dunkle Trikots) oben auf. Im letzten Viertel konnten die Russen überraschend deutlich das Spiel drehen. © Bijay
14.02.2015

Rugby-EM in Pforzheim: Deutschland spielt lange stark, Russland siegt doch

Dieses Rugbymatch am Faschingssamstag im SüdwestEnergie-Stadion ist nichts für schwache Nerven. Das Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen Russland – das erste reguläre Länderspiel in der 88-jährigen Pforzheimer Rugbygeschichte – entpuppt sich als Achterbahnfahrt. Die sorgt bis zum Schluss für Hochspannung, nährt über drei Viertel des Spiels Hoffnungen auf den ersten deutschen Sieg im zweiten EM-Spiel und endet dann doch in einem unerwarteten Absturz.

Nach einem furiosen Endspurt siegen die Russen mit 46:22. Dabei führt die deutsche Nationalmannschaft nach 60 Minuten noch mit 22:12 und mutet bis dahin auch recht sattelfest an. Die 1232 Zuschauer auf dem Platz des TV Pforzheim wittern bereits die Sensation. Doch plötzlich kippt das Spiel. Nichts läuft mehr bei den Deutschen zusammen und die Russen bestrafen jeden individuellen Fehler umgehend.

Dabei spielt die Auswahl des Deutschen Rugbyverbands (DRV) in der ersten Halbzeit groß auf. Brian Garner, Sänger im Chor des Theaters Pforzheim, hat gerade die deutsche Nationalhymne auf dem weichen, aber gut bespielbaren Platz live zu Ende gesungen und der Schiedsrichter die ersten 40 Minuten angepfiffen, da verwandelt Chris Hilsenbeck (US Colomiers) einen Straftritt zur 3:0-Führung. Das Signal für Vollgas-Rugby in Richtung russisches Malfeld. In der 6. Minute schieben die Deutschen ein Paket über die Mallinie und Kehoma Brenner (Heidelberger RK) legt den ersten Versuch zum 8:0.

Wer bei den Nationalhymnen die Spielerreihen vergleicht, stellt auch ohne Maßstab fest, dass die Russen im Schnitt etwas größer und vielleicht auch eine Spur athletischer sind. Umso mehr staunen die begeisterten Zuschauer, dass Potgieters Team nicht nur im Gedränge die Russen immer wieder vor Probleme stellt.

Dann der Bruch in der 21. Minute: Paul Bosch (Uson Rugby Plus SASP) erhält die Gelbe Karte (zehnminütige Zeitstrafe). Die Russen brauchen nur zwei Minuten, um die Überzahl auszunützen und mit einem Versuch auf 8:5 zu verkürzen. Weitere sechs Minuten später gehen sie mit einem weiteren Versuch 12:8 in Führung. Doch das deutsche Team will nicht aufgeben, kämpft sich nach der Rückkehr von Bosch wieder heran und schiebt erneut in der 32. Minute ein Paket mit Brenner am Leder-Ei ins gegnerische Malfeld. Mit einer 15:12-Führung geht das Potgieter-Team in die Halbzeit.

Und es kommt noch besser: Nachdem Hilsenbeck bei einem Strafkick nur den Pfosten trifft, bauen die Deutschen ihren Vorsprung durch einen Brenner-Versuch aus. 22:12 ist in der 59. Minute auf der Anzeigentafel zu lesen. Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf. In den letzten zwanzig Minuten der Partie stürmen nur noch die russischen Bären in Richtung gegnerisches Malfeld.

„Wir haben nach der Zehn-Punkte-Führung an unseren Sieg geglaubt, Doch danach haben wir uns alle fünf Minuten nach den Versuchen der Russen nur noch in unserem Malfeld versammelt. Das ist sehr frustrierend“, zeichnet Kapitän Clemens von Grumbkow (RK Heidelberg) nach dem Spiel die Gemütslage seiner Mannschaft nach. „Unser Ziel war es, die Fehler aus dem Auftaktspiel gegen Georgien abzustellen und gegen Russland einen Schritt nach vorne zu machen. Das hat bis zur 60. Minute auch wunderbar geklappt. Doch das reicht im Rugby leider nicht. Wir müssen im nächsten Spiel diese Leistung über die vollen 80 Minuten abrufen“, erklärt DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter nach der Partie.

Den dritten TVP-Spieler im Nationalkader, Carlos Soteras-Merz, hat Potgieter überraschend nicht für das Spiel aufgeboten, obwohl er zuletzt in der Rugby-Bundesliga für den TVP glänzte. Für te Huia machen am Ende individuelle Fehler in den Mann-gegen-Mann-Situationen aus.

Ganze fünf Versuche und 34 Punkte erzielen die Russen von der 63. Minute an. Deutsche Punkte? Fehlanzeige. Mit geschickten Kicks sowie kraftvollen und schnellen Einzelaktionen vor allem über ihre linke Seite, so Hans-Joachim Wallenwein, Vizepräsident des Deutschen Rugby-Verbands (DRV), bereitet das russische Team seine Versuche vor. Die Deutschen wirken müde und lange nicht so frisch und wach wie in der ersten Hälfte.

Was bewirkt den Wandel? Der neue russische Trainer Alexander Pervukhin, der sein Team gerade in einen Umbruch führt, lobt in der Pressekonferenz nach dem Spiel seine neu ins Team gebrachten Spieler, die im letzten Viertel dem EM-Rugbymatch eine Wendung gegeben hätten. Für Potgieter ist das ein Traum. Er kämpft mit dem Verletzungspech mehrerer Stammspieler und mit der dünnen Decke an deutschen Topspielern.

So belegt Deutschland nach der zweiten Heimniederlage punktlos den letzten Tabellenplatz in der Rugby Europe Championship. Nun geht es am 28. Februar zum Kellerduell nach Portugal. Doch die Portugiesen sind nach zwei knappen Niederlagen gegen die WM-Teilnehmer und Topfavoriten Georgien und Rumänien in der Favoritenrolle. Es wird schwer für Deutschland, die Klasse im EM-Wettbewerb zu halten. 

2. Spieltag European Nations Cup

Georgien         20:15    Portugal

Rumänien        29:8      Spanien

Deutschland  22:46    Russland

 

 

 

Punkte

+/-

1

Rumänien

10

+48

2

Georgien

9

+61

3

Spanien

5

+2

4

Russland

5

+1

5

Portugal

1

-32

6

Deutschland

0

-80

Die nächsten Spiele Deutschlands in der Division 1A des European Nations Cup

Sa.28. Februar: Portugal – Deutschland

Sa.14. März: Deutschland – Rumänien

Sa.21. März: Spanien – Deutschland