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Ausgebremst wurde der TV 34 Pforzheim mit Luke Wakefield in der Bundesliga von der RG Heidelberg. Im Pokalfinale möchten die Rhinos nun den Spieß umdrehen und ihren Titel verteidigen. Foto: PZ-Archiv/J. Keller
Ausgebremst wurde der TV 34 Pforzheim mit Luke Wakefield in der Bundesliga von der RG Heidelberg. Im Pokalfinale möchten die Rhinos nun den Spieß umdrehen und ihren Titel verteidigen. Foto: PZ-Archiv/J. Keller
12.07.2018

Rugby-Team TV 34 Pforzheim will Pokaltriumph gegen Heidelberg wiederholen

Pforzheim. „Wir fahren mit dem letzten Aufgebot zum DRV-Pokalfinale. Aber wir wollen noch einmal alles geben, um unseren Pokaltitel zu verteidigen, auch wenn es gegen die RG Heidelberg so richtig schwer wird“, sagt Jens Poff, Teammanager des Rugby-Bundesligisten TV Pforzheim.

Vor einem Jahr konnte der TVP erstmals diesen nationalen Titel erringen. Damals schlug man als Favorit den SC Frankfurt 1880. Jetzt scheint die RG Heidelberg beim Heimspiel im Fritz-Grunebaum-Sportpark am kommenden Samstag, 18 Uhr, klar im Vorteil zu sein. Und: In der Bundesliga-Runde konnte der Drittplatzierte aus Pforzheim den aktuellen Vizemeister in Hin- und Rückspiel nicht besiegen.

„Wir haben uns nicht ins Finale gekämpft, um unseren Titel zu verschenken. Wir haben alles versucht, ein starkes Team aufzustellen, und werden daher um unsere Chance auf die Titelverteidigung kämpfen“, sagt Poff. Und TVP-Coach John Willis ergänzt: „Im Rugby ist immer alles möglich.“ Bislang konnte er sein Team im DRV-Pokal auch mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und der Jugend immer so aufstellen, dass es am Ende auch gegen unbequeme Gegner zum Sieg gereicht hat. Doch die Liste der Ausfälle fürs Pokalfinale ist dieses Mal besonders lang und mit prominenten Namen besetzt.

Im Halbfinale hatte sich Tim Kasten verletzt. Der starke Mann und Lückenreißer in der gegnerischen Abwehr wird ebenso schmerzlich vermisst werden, wie Tafadzwa Chitokwindo, der in die Nationalmannschaft von Simbabwe berufen wurde, um beim 7er-Rugby-World-Cup in San Francisco mitzuspielen. Er hatte mit der blitzschnellen und kreativen Hintermannschaft des TVP die jüngsten Pokalspiele zu Gunsten des Titelverteidigers entschieden. Und in eben diesem Mannschaftsteil wird auch der verletzte Oliver Paine fehlen, der zuletzt als Kicker fleißig Punkte sammelte. Diesen Part hatte er von Carlos Soteras-Merz übernommen, der fürs deutsche 7er-Nationalteam abgestellt wird. Und das sind noch lange nicht alle Stammspieler, die beim TVP fehlen werden.

Zurück im Team ist der kreative Kopf Ali Sürer, der seine lange Studienpause unterbricht, um dem TVP die Titelchance zu bewahren. Kämpferherz Alex Liddel könnte ebenso mit von der Partie sein wie der flinke Dani Manea oder Sven Kelemen von TVP II. Die Mannschaftsaufstellung wird einige Überraschungen bieten, aber an der Motivation dürfte es nicht scheitern. „Die Jungs sind heiß auf das Spiel, jeder weiß, um was es geht“, sagt Willis.

Sein Credo: Die einfachen Dinge richtig machen, geduldig und diszipliniert spielen, keine Straftritte hergeben und nicht überhastet Chancen verschenken. Kapitän Rob May wird seine ganze Erfahrung einbringen müssen, um das Team gegen die RGH erfolgreich ins Feld zu führen.

Bei den Heidelbergern fehlt ebenfalls rund ein halbes Dutzend Stammspieler, die für die 7er- und 15er-Rugby-Nationalteams antreten müssen. „Aber die RGH hat einen viel größeren, stärkeren Bundesliga-Kader, die können so einen Aderlass eher verkraften als wir“, erachtet TVP-Teammanager Poff den Finalgegner im Vorteil.

Das Spiel am Samstag sieht er mit gemischten Gefühlen. Um 16 Uhr spielt im Fritz-Grunebaum-Sportpark die deutsche Nationalmannschaft gegen Samoa um den Einzug in die Rugby-WM 2019 in Japan. Das Hinspiel beim Weltklasse-Gegner aus dem Rugby-verrückten pazifischen Raum wurde zwar mit 15:66 verloren, doch vielleicht kann ja ein Wunder den Deutschen Rugby-Verband erstmals zu einer Weltmeisterschaft führen. „Wir werden zwar durch das vorangehende Länderspiel mehr Zuschauer als normal bei einem Pokalfinale haben, aber dadurch sind auch die äußeren Umstände besonders schwierig“, erklärt Poff.

Der Zeitplan – das DRV-Pokalendspiel beginnt zwei Stunden nach dem Anpfiff des Länderspiels – ist eng gestrickt. Eine nahe Jugendherberge dient als Umkleide, Massagetische müssen die Pforzheimer selbst mitbringen. Es könnte etwas chaotisch werden, hört man aus Spielerkreisen. So richtig zufrieden ist Poff mit der Terminierung der Pokalfinalrunden ohnehin nicht. „Da ist bei den Mannschaften eigentlich die Luft raus. Die Bundesligasaison ist entschieden und für die meisten Teams schon lange gelaufen, da verkürzt so ein spät angesetztes Pokalfinale die wichtige Regenerationsphase für die Spieler“, sagt Poff. Mehr Spannung wäre geboten, wenn die Pokalrunden schon früher angesetzt und das Endspiel zum Beispiel eine Woche nach dem Bundesliga-Finale ausgetragen würden.

Daher hätten die Teams gerade auch mit Blick auf eine mögliche deutsche WM-Teilnahme beschlossen, den DRV-Pokal ein Jahr pausieren zu lassen. Dann würde die Trophäe bei einem TVP-Sieg noch weitere zwei Jahre den Pforzheimer gehören. 

DRV-Pokalfinale, 14. Juli, 18 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark in Heidelberg: RG Heidelberg – TV Pforzheim

Länderspiel zur Qualifikation für die Rugby-WM 2019 in Japan, 14. Juli, 16 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark in Heidelberg: Deutschland – Samoa