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Trauen dem TV Pforzheim die Titelverteidigung zu: TVP-Coach John Willis (links) und Teammanager Jens Poff hoffen im Endspiel der deutschen Rugbymeisterschaft in Berlin auf einen Sieg gegen Dauer-Finalgegner Heidelberger RK. Foto: Kurtz
19.06.2017

Rugbymeister TV Pforzheim vor dem DM-Finale: „Noch einen Zahn zulegen“

Erstmals in der 95-jährigen Pforzheimer Rugby-Geschichte konnte der TV Pforzheim nach langem Anlauf im Vorjahr den Titel eines Deutschen Meisters im 15er-Rugby feiern. Jetzt stehen die Pforzheimer „Rhinos“ wieder im DM-Finale – zum fünften Mal in sechs Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit. Teammanager Jens Poff und Coach John Willis sprachen mit PZ-Redakteur Thomas Kurtz über Siegchancen und die Zukunft des Vereins in der deutschen Rugbyspitze.

PZ: Wie sieht es beim amtierenden deutschen Rugbymeister aktuell mit der Mission Titelverteidigung aus?

Jens Poff: Wir haben unser Ziel erreicht. Wir wollten wieder ins Finale kommen und da spielen wir jetzt auch am kommenden Samstag in Berlin. Gegner ist mal wieder der Serienmeister der letzten Jahre, der Heidelberger RK.

John Willis: Das wird hart. Härter als in den Endspielen zuvor. Es ist leichter, einen Titel zu holen als ihn zu verteidigen. 2016 konnten wir den siegesbewussten HRK überraschen. Sie hatten ja schon in den Jahren zuvor in drei Finalmatches gegen uns gewonnen. Die Heidelberger sind jetzt aber vorgewarnt und werden noch fokussierter als sonst antreten.

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PZ: In dieser Saison gab es gegen den HRK einen 37:24-Heimsieg und eine deftige 16:47-Rückspielklatsche. Welchen TVP wird man in Berlin sehen?

Jens Poff: Ich hoffe, dass wir an die Form anknüpfen, die wir im Halbfinale beim RK 03 Berlin gezeigt haben. Da haben wir uns stark verbessert. Jetzt noch einen Zahn zulegen und die Chancen gehen in Richtung 50:50, wobei die Heidelberger an einem guten Tag immer favorisiert sind.

John Willis: Ja, die Formkurve ist im Halbfinale deutlich nach oben gestiegen. Zum Glück. Wir hatten eine Superserie in der ersten Saisonhälfte. Alle Spiele mit Bonuspunkt gewonnen. Das ist vielleicht manchen Spielern zu Kopf gestiegen. Die Einstellung hat in der Rückrunde nicht mehr gestimmt. Da war zu viel Überheblichkeit im Spiel. Nach drei unnötigen Auswärtsniederlagen hat die Krise auch etwas am Selbstbewusstsein genagt. Der Sieg im Halbfinale war aber hoffentlich die Wende.

 

Im Fanbus nach Berlin
Der TV Pforzheim hat für alle interessierten Rugby-Fans einen Bus zum DM-Finale in Berlin organisiert. Abfahrt ist am Samstag, 24. Juni, um 4 Uhr. Rückfahrt ist am gleichen Tag nach Spielende. Preis: 49 Euro.

Infos und Anmeldung: pdapaine@gmail.com

 

PZ: Was macht den Heidelberger RK so stark?

Jens Poff: In Deutschland gibt es nur einen in allen Bereichen professionell geführten Rugbyverein – das ist der HRK. In Verbindung mit der dortigen Rugbystiftung, die der Förderung der deutschen Nationalmannschaft dient, wird dort doppelt so oft trainiert wie in anderen Vereinen. Der HRK ist der einzige Verein mit einem Kunstrasenplatz mit Rasenheizung. Das sind ganz andere Möglichkeiten. Mit dem Aufbau einer neuen, semi-professionellen Struktur versuchen wir, in die Nähe des Serienmeisters zu kommen, was jedoch immer ein großer Kraftakt ist. Dann gibt es noch eine Hand voll Rugbyclubs in Deutschland, die gut aufgestellt sind, die aber auch nur von der Vereinssituation beim HRK träumen können.

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PZ: Wie etabliert sich der TVP dauerhaft in der Rugbyspitze?

Jens Poff: Wir sind gerade gleich in mehrfacher Sicht im Aufbruch. Seit Rugbyspiele immer öfter im Fernsehen gezeigt werden, werden die Menschen auf den Sport aufmerksam. Seit unserem Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2011 wird auch in der Region mehr über Rugby gesprochen. Da müssen wir am Ball bleiben. Gleichzeitig ist es uns gelungen, unser Fundament zu stärken. Mit unseren Rugbykursen in Pforzheimer Schulen erreichen wir viele Jugendliche. Mit Jugendkoordinator Phil Paine haben wir jetzt eine ordentliche Trainingsstruktur aufgebaut und zwei Jugendmannschaften geformt. Was wir anfangs nie geglaubt hätten, ist jetzt plötzlich Realität. Wir werden in der nächsten Saison sogar ein Pforzheimer Frauenteam im Ligaspielbetrieb sehen. Diese breite Basis wird uns in Zukunft noch stärker machen.

John Willis: Es macht Spaß zu sehen, wie sich das alles hier entwickelt. Für viele Spieler aus dem Rugby-Ausland war der TVP früher so etwas wie ein Karrieresprungbrett für ein Engagement bei anderen europäischen Clubs. In jeder Saison mussten wir eine neue Mannschaft einspielen. Zuletzt konnte ich einigen viel versprechenden Talenten aus der TVP-Jugend Spielpraxis in der Bundesliga geben. Wenn die jungen Kerle dabei bleiben, wächst hier eine neue Spielergeneration heran, die dann dauerhaft das Pforzheimer Rugby prägen könnte.

Jens Poff: Deshalb sind wir auch die Jugendkooperation mit dem 1. CfR Pforzheim eingegangen. Hier profitieren wir von den CfR-Kenntnissen im Bereich Sozialarbeit im Sport. Nicht zuletzt macht uns das vielleicht auch noch populärer.

Bildergalerie: TVP-Fans sehen Finale-Sieg der Pforzheimer Rugbyspieler

PZ: Was ist aus den Plänen geworden, im CfR-Stadion im Brötzinger Tal Rugby zu spielen?

Jens Poff: Wir warten auf die Fertigstellung des Stadions. Wir sind in unserem SüdwestEnergie-Stadion am Rattachweg in Eutingen mit Umweltauflagen belegt. Große Spiele, wie jetzt das kommende DM-Endspiel oder Länderspiele, werden wir dann im Brötzinger Tal sehen. Aber das dürfte frühestens 2018 der Fall sein. Die normalen Bundesliga-Spiele aber laufen weiter in Eutingen, wo wir uns heimisch fühlen und auch guten Zuspruch aus der Bevölkerung genießen.

PZ: Gibt es ein Geheimrezept für den Endspielsieg?

John Willis: Nein. Wir wollen ganz ruhig bleiben und trainieren wie immer. Keine große Aufregung. Es gilt einfach nur, die simplen Dinge des Rugbyspiels richtig zu machen. Wenn wir keine Fehler machen und diszipliniert auftreten, verschenken wir keine Chancen an den HRK. Wir müssen sehr mannschaftsdienlich spielen, leidenschaftlich kämpfen und am Ende findet dann unsere Kreativabteilung mal wieder den freien Raum für einen Sprint ins Heidelberger Malfeld. So lief es 2016. Ich hätte nichts gegen eine Kopie dieses legendären Spiels.

Info: Das deutsche Rugby-Finale wird am Samstag, 24. Juni, 15 Uhr im Stadion Buschallee des RK 03 Berlin angepfiffen.

Mehr zum Thema Rugby in Pforzheim: www.pz-news.de/rugby

 

Im Fanbus nach Berlin
Der TV Pforzheim hat für alle interessierten Rugby-Fans einen Bus zum DM-Finale in Berlin organisiert. Abfahrt ist am Samstag, 24. Juni, um 4 Uhr. Rückfahrt ist am gleichen Tag nach Spielende. Preis: 49 Euro.

Infos und Anmeldung: pdapaine@gmail.com