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Die Defensive als Prunkstück: Am SG-Abwehrriegel beißen sich die Gegner schon mal die Zähne aus. Foto: PZ-Archiv/Becker
Die Defensive als Prunkstück: Am SG-Abwehrriegel beißen sich die Gegner schon mal die Zähne aus. Foto: PZ-Archiv/Becker
04.01.2018

SG Pforzheim/Eutingen in Oberliga dank Abwehrbollwerk oben dabei

Pforzheim. Rundum zufrieden sind sie bei der SG Pforzheim/Eutingen mit der Vorrunde in der Handball-Oberliga wahrlich nicht. Dass das Team dennoch auf Tabellenplatz zwei – einem Aufstiegsrang – steht, verrät wenig über die wechselhaften Leistungen des Drittliga-Absteigers und viel über die Ausgeglichenheit der Spielklasse. Acht Tage vor dem Rückrundenstart mit einem Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten TV Willstätt (Samstag, 13. Januar, 20.00 Uhr) zieht die PZ eine Zwischenbilanz für den Oberligisten.

Wie fällt das Fazit von Trainer Alexander Lipps aus?

„Uns war klar, dass es nach einem Abstieg eine schwierige Saison gibt“, sagt Lipps. Das Team spielte bislang nicht konstant genug – vor allem auswärts. Mit 20:10 Punkten liegt die SG noch gut im Aufstiegsrennen. „Aber für unseren Anspruch“, sagt der SG-Coach, „sind das drei bis vier Minuspunkte zu viel.“

Wer sind für die härtesten Konkurrenten im Rennen um die Spitzenplätze?

Die SG liegt nur zwei Punkte hinter Tabellenführer TVS Baden-Baden (22:8/bislang firmierte der Club als TV Sandweier) – und nur zwei Zähler vor dem Tabellensiebten TV Plochingen (18:12). „Sandweier gewinnt vor allem die engen Spiele. Deshalb stehen sie zurecht vorne“, so Lipps. Vor der Saison hatte er neben Plochingen vor allem die SG H2Ku Herrenberg (19:11) und den TSV Weinsberg (18:12) auf der Rechnung. Als Senkrechtstarter der Liga entpuppten sich dann aber Baden-Baden und der TV Willstätt (19:11), der allerdings vor der Weihnachtspause schwächelte und nur drei Punkte aus den letzten fünf Spielen holte.

Wo liegen Schwächen und Stärken der SG Pforzheim/Eutingen?

Der Blick auf die Statistik und vor allem auf das Torverhältnis (407:365) macht es deutlich: Nur drei Teams der Oberliga haben weniger Tore geschossen, dafür sind die Pforzheimer in Sachen Gegentore einsame Spitze. In der Tordifferenz (+42) steht die SG aber – wie in der richtigen Tabelle – auf Rang zwei hinter Baden-Baden (+48).

Was zeichnet die Abwehr aus?

„Unsere Deckung ist unser Prunkstück“, sagt Alexander Lipps. Die offensive und unangenehm zu bespielende 3-2-1-Formation der SG macht den Gegnern das Leben schwer und vor allem die Bertha-Benz-Halle zur Festung. Akribisch stellt Lipps seine Mannschaft auf die gegnerischen Angreifer ein. Dass die dann oftmals auf Granit beißen, hat aber weniger mit der der körperlichen Präsenz der Pforzheimer Abwehrspieler zu tun – großgewachsene Spieler und Kraftpakete gibt es in der SG-Deckung nicht gerade im Übermaß – sondern mehr mit der enormen Laufbereitschaft und den schnellen Beinen, die eine 3-2-1-Abwehr erfordert. Hinter diesem Riegel tragen auch die Torhüter Mile Matijevic und Rico Petruzzi ihren Teil zum SG-Bollwerk bei.

Was kann die SG tun, um offensiv gefährlicher zu werden?

„Den leichtesten Schritt können wir machen, wenn wir besser in den Gegenstoß kommen“, analysiert Lipps. Zu selten komme sein Team zu diesen einfachen, leichten Toren, sei es bei einer Balleroberung oder bei Fehlwürfen des Gegners. Aber auch die Chancenverwertung der Pforzheimer ist längst nicht optimal, wie der Trainer bei der Spielanalyse immer wieder feststellt.

Wo liegen die Stärken der SG in der Offensive?

Am ehesten im breiten und ausgeglichen besetzten Kader. An Liga-Toptorschütze Philipp Frey vom TSV Blaustein (121 Tore/davon 40 Siebenmeter) reicht zwar kein Pforzheimer heran, aber mit Dominik Seganfreddo (Platz 10 in der Torjägerliste/86 Tore/davon 41 Siebenmeter), Julian Broschwitz (21/67/16) und Sandro Münch (43/50/-) hat man drei Spieler in den Top 50. Auch Max Lupus (68 Tore) und Nicolai Gerstner (33) sind zu beachten. Auf Gerstner hält sein Trainer große Stücke: „Sein Problem waren die vielen Verletzungen. Aber wenn er fit ist, ist er auch konstant stark.“

Wäre ein Aufstieg für die SG überhaupt machbar?

Abschenken wird der Verein nicht. „Wenn wir es sportlich schaffen, steigen wir auch auf“, sagt Lipps. Wie dann die Personalplanung aussieht, bleibt aber abzuwarten. Bislang setzt die SG ja fast ausschließlich auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Vom aktuellen Stammpersonal hat nur Torhüter Matijevic keinen SG-Stammbaum. Die Saison 2016/17, als es nach dem Aufstieg in die 3. Liga postwendend wieder nach unten ging, hat aber gezeigt, dass man eine Klasse höher ohne Verstärkungen von außen kaum bestehen kann. Deshalb schließt Lipps Neuzugänge von außerhalb nicht aus. Aus dem eigenen Nachwuchs sollen Sebastian Melcher und Nick Kusch zur ersten Mannschaft stoßen, auch bei Vincent Wohlfahrt sieht der Coach große Perspektiven, obwohl der Rückraumspieler noch zum jüngeren A-Jugend-Jahrgang zählt.