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Der junge Hansi Müller spielte für den VfB Stuttgart, später war er auch als Spendensammler für Armin Klümper aktiv. Foto: Baumann
Der junge Hansi Müller spielte für den VfB Stuttgart, später war er auch als Spendensammler für Armin Klümper aktiv. Foto: Baumann
26.10.2016

Schatten der Dopingvergangenheit bei VfB Stuttgart und SC Freiburg

Beratung und Anabolika-Lieferungen: VfB Stuttgart und SC Freiburg arbeiteten einst eng mit den Dopingärzten der Uni Freiburg zusammen

Eine Vizemeisterschaft und ein erfolgreicher Kampf gegen den Abstieg, beides mithilfe anaboler Steroide. Hunderte Tabletten eines harten Anabolikums bestellte allein der VfB Stuttgart. Ein neues Gutachten zeigt, wie Sportmediziner der Uni Freiburg dabei geholfen haben, Fußballer zu dopen. Die Uniklinik war offenbar jahrzehntelang das Zentrum westdeutschen Dopings.

Systematische Manipulation

Bereits im Frühjahr 2015 beschrieb der Dopingexperte Andreas Singler in einem Vorabbericht, wie der VfB Stuttgart und der SC Freiburg Anabolika für ihre Spieler gekauft hatten. Seitdem ist belegt, dass auch Fußballer über Doktor Klümper leistungssteigernde Mittel bekamen. In seinem neuen Gutachten beschreiben Singler und seine Mitarbeiterin Lisa Heitner die Details. Der Sportwissenschaftler Singler gehörte zur mittlerweile aufgelösten Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin. Auf 24 Seiten geht es nun ausschließlich um systemische Manipulationen im Fußball. Wieder stehen die Vereine VfB Stuttgart und SC Freiburg im Zentrum.

Das Jahr 1978 war ein wichtiges Jahr für den VfB Stuttgart. Zuvor spielten die Stuttgarter zwei Jahre nur zweite Liga. Nach dem Wiederaufstieg landete der VfB gleich auf Platz vier in der Bundesliga.

Im Jahr darauf wollten die Stuttgarter unbedingt um die Meisterschaft mitspielen. Helfen sollten dabei Karlheinz Förster, Hansi Müller und Dieter Hoeneß. Und Anabolika, besorgt bei Doktor Armin Klümper von der Uni Freiburg. Bekannt ist mittlerweile, dass Hansi Müller und Karlheinz Förster nach ihrer aktiven Zeit Geld für Armin Klümper sammelten. Sie gründeten einen Förderverein für Klümper. Mögliche Zusammenhänge erschließen sich erst jetzt.

Bereits in seinem ersten Gutachten schrieb Singler, dass Stuttgart und Freiburg damals Anabolika an der Uni Freiburg bestellten. Für den VfB Stuttgart war es eine erfolgreiche Saison. Am Ende fehlte nur ein Punkt auf Meister Hamburger SV. Dieter Hoeneß schoss 16 Tore.

Anabolika für den SC

Der SC Freiburg spielte zur gleichen Zeit eine Klasse tiefer. Prominentester Name damals im Kader: Joachim Löw. In der Saison 1979/80 ist Löw mit 14 Toren erfolgreichster Torschütze im Team.

Haben auch die Breisgauer mit Anabolika nachgeholfen? Das legen die Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg nahe. Für August 1979 gibt es einen Beleg für eine Anabolikalieferung von Armin Klümper an den SC Freiburg.

Joachim Löw hatte im Jahr 2015 im ZDF-Sportstudio zugegeben, dass er „das ein oder andere Mal“ die Dienste von Klümper genutzt habe. Löw will nicht immer genau gewusst haben, was er von Klümper verabreicht bekam. Er schloss allerdings aus, wissentlich gedopt zu haben.

Neben der Uniklinik hat correctiv.org auch den VfB Stuttgart und den SC Freiburg mit den im Gutachten beschriebenen Vorgängen konfrontiert. Der VfB Stuttgart beantwortete die Anfrage bis zum Ende der gesetzten Frist nicht. Der SC Freiburg verwies wie die Uni Freiburg auf die ausstehenden Gutachten.

Die Autoren sind Mitarbeiter des Recherchezentrums CORRECTIV. Die Redaktion, die mit unserer Zeitung kooperiert, finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Ihr Anspruch: In monatelanger Recherche Missstände aufzudecken und unvoreingenommen darüber zu berichten. Wenn Sie CORRECTIV unterstützen möchten, werden Sie Fördermitglied. Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter correctiv.org.

In aller Ausführlichkeit und mit Nennung weiterer Namen und der Distributionswege der Dopingmittel berichtet die „Pforzheimer Zeitung“ in ihrer Donnerstag-Ausgabe. Den ganzen Artikel von Daniel Drepper, Jonathan Sachse und Recherchezentrum correctiv.org  lesen Sie auch im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.