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Augen zu und durch: Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny. Foto: dpa
Augen zu und durch: Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny. Foto: dpa
03.05.2016

Schicken Sie uns Ihre Meinung: Wie ist der VfB Stuttgart noch zu retten?

Die Verlierer wählten den Hinterausgang des Weserstadions, sie huschten, geschützt vom Dunkel der Montagnacht, hinaus in den Mannschaftsbus. Es war ja auch alles gesagt, von jenen zwei Stuttgarter Spielern, die über diesen 2:6-Horrorfilm des VfB sprechen sollten, konnten und wollten. „Eine Frechheit“, bilanzierte Daniel Schwaab. „Eine Schande“, nannte Daniel Didavi die schwäbische Darbietung im Schlüsselspiel des Bundesliga-Abstiegskampfes in Bremen: „Nach so einem Spiel hat man keine Argumente.“ Absolut korrekt. An Selbsterkenntnis mangelte es nicht: „Unser Zweikampfverhalten war ein Witz.“

Kein Widerspruch, Herr Didavi. Aber wie kann sich der VfB jetzt noch retten? Schicken Sie Ihre Meinung an internet@pz-news.de

Zwei Spieltage vor Saisonultimo ist der VfB Tabellensiebzehnter, der erste Bundesliga-Abstieg seit 1975 nimmt immer mehr Kontur an. Der aktuelle Trend ist kein VfB-Freund, nur zwei Punkte aus sieben Spielen, das ist einfach zu wenig.

Der Trend spricht klar gegen ihn. Oder, Herr Dutt? „Da haben Sie recht“, antwortete der Sportvorstand trotzig: „Aber es steht nirgends geschrieben, dass wir ihn nicht durchbrechen können.“ Nur wie? „Ich kann Ihnen direkt nach dem Spiel keine Lösung in die Blöcke diktieren“, sagte Robin Dutt und wirkte wie Robin Ratlos.

Dafür hat dieses 2:6 bei der direkten Konkurrenz aus Bremen einfach zu sehr geschmerzt und tiefe Spuren hinterlassen.

Das sind die körperlichen Spuren: Natürlich darf Robin Dutt als Sportvorstand darauf hinweisen, dass seit Wochen Leistungsträger wie Daniel Ginczek, Kevin Großkreutz, Serey Dié fehlen. „Als es zu Beginn der Rückrunde gut lief, haben wir immer mit der gleichen Anfangsformation gespielt“, sagte Dutt. Wenn dann wie in Bremen noch weitere Stammkräfte wie Christian Gentner (Oberschenkelzerrung) und Daniel Didavi (Pferdekuss) ausfallen, dann ist das für den VfB Stuttgart offensichtlich nicht zu kompensieren. Im Heimspiel gegen Mainz am Samstag fehlt zudem auch noch der gelbgesperrte Emiliano Insua. Auch Federico Barba hat sich in Bremen verletzt (Muskelfaserriss).

Das große Aber: Auf dem Rasen des Weserstadions trugen keine Hobbyspieler die VfB-Trikots. Es steht ein EM-erfahrener polnischer Torwart zwischen den Pfosten, Alexandru Maxim, Martin Harnik, Florian Klein und Artem Kravets werden mit ihren Nationalmannschaften an der EM in Frankreich teilnehmen.

Das sind die psychischen Folgen: Die Stuttgarter haben in den vergangenen Wochen kein Duell gegen die Kellerkonkurrenz gewonnen. Gegen Hannover hieß es 1:2. In Darmstadt gab es ein schmeichelhaftes 2:2, in Augsburg ein verdientes 0:1, nun das 2:6-Debakel an der Weser. Draufhauen bringe jetzt nichts, findet der Sportvorstand: „Es ist wichtig, dass wir die letzten Spieler, die wir noch haben, starkreden“, so Dutt.

Das kurzfristige Trainingslager auf Mallorca hat zwar beim Trainer Jürgen Kramny für eine schöne Gesichtstönung gesorgt, sonst aber wohl wenig bewirkt. „Der, der verliert, hat alles falsch gemacht“, sagte Jürgen Kramny zum Balearen-Trip. Der Trainer ist nun gefordert, „damit die Mannschaft die Chance gegen Mainz am Samstag überhaupt noch sieht“, wie er es formulierte und mit diesem Satz tief blicken ließ. „Jetzt stehen wir mit dem Rücken zur Wand, vielleicht hilft uns das ja“, sagte Daniel Didavi dann noch, als er erfolglos versuchte, gegen den lautstarken Bremer Jubel und Trubel im Bremer Weserstadion anzureden. „Jetzt“, glaubt Robin Dutt, „sind wir in einer Position, in der wir nur noch gewinnen können.“ Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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