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24.07.2015

Schiri-Pfeife noch immer griffbereit

Pforzheim. Fit sieht er wieder aus, „und so fühle ich mich auch“, sagt Herbert Morlock, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert. Mit über 6000 Handballspielen, die er in seiner Laufbahn gepfiffen hat, ist er wohl der in seiner Laufbahn aktivste Schiedsrichter weit und breit. Manch gesundheitliches Problem der vergangenen Jahre ist Vergangenheit. „Heute gehe ich jeden Tag drei, dreieinhalb Stunden wandern“, merkt er im Gespräch mit der PZ an. „Zudem schwimmen wir zusammen zweimal in der Woche“, ergänzt seine Frau Annemarie, mit der der Jubilar seit über 50 Jahren verheiratet ist.

Im Kreise der Familie, mit den Töchtern Sabine und Elke, den Schwiegersöhnen sowie den Enkeln Alexandra und Dominik nebst vielen Freunden wird der „Runde“ am Sonntag gefeiert.

Bei der TGS heimisch geworden

Den ersten Kontakt zum Handballspiel hatte Herbert Morlock in Bretten, wo die Oma wohnte. Dann zog es den Zifferblattdrucker (Uhrmacherhandwerk) jedoch zur Turngesellschaft (TGS) auf den Wartberg. Er spielte dort nicht nur Handball auf dem Großfeld, er war auch als Boxer bei Blau-Weiß unter Trainer Heinz Weißhaar aktiv. Und dies recht erfolgreich, wie Urkunden als badischer Vizemeister und Mannschaftsmeister ausweisen. Aber die große Liebe galt dem kleinen runden Leder – ob als Aktiver oder als Schiedsrichter (seit 1956). Es waren Namen wie Paul Gremmelmayer und der international pfeifende Otto Falk aus Karlsruhe, zudem die Pforzheimer Hermann Fuchs und Erich Heinz, die seinen Weg prägten.

Der „Taucher“, wie Herbert Morlock liebevoll genannt wurde, weil er nach einem Strafwurf-Pfiff meist mit gesenktem Kopf durch die Spielerreihen zum 14- (Großfeld)- oder Siebenmeter-Strich durchtauchte, war ein geschätzter, ja von vielen sogar beliebter Referee, der in der Halle bis in die Regionalliga aufgestiegen war. Als er nach 47 Jahren die Pfeife offiziell beiseite legte, sollte dies nicht für immer sein. An seinem 70. Geburtstag leitete er noch ein Spiel der Knittlinger Traditionsmannschaft. Tags zuvor war er bei einem Turnier in Brötzingen im Einsatz. Für seine Verdienste um den Handball wurde ihm unter anderem die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg verliehen. Geblieben sind Herbert Morlock neben seinen Schiripfeifen (darunter eine vergoldete) viele unvergessliche Erinnerungen, wenn er zu Hause an der Heinrich-Wieland-Allee mit seiner Frau in alten Alben blättert. Zumal zu den Begegnungen, die er leitete, auch Freundschaftstreffen mit Nationalteams wie der Sowjetunion oder Ägypten zählten.

„Heute ist zu viel Geld im Spiel“

Die Spiele seiner TGS verfolgt Morlock nicht mehr in der Halle, „dafür habe ich ja meine Pforzheimer Zeitung, um informiert zu sein“ merkte er schmunzelnd an. Im Fernsehen schaue er sich aber schon mal die eine oder andere Länderspielübertragung an.

Und in der Bundesliga drückt er den Rhein Neckar Löwen die Daumen. Fußball interessiere ihn weniger, da gehe es ja nur um viel Geld. Dass das heute bei „seinem Handball“ aber ebenfalls der Fall ist, das stößt Herbert Morlock schon etwas bitter auf. Denn: „Ich habe mein früher bescheidenes Schiedsrichtergeld stets für die Jugendarbeit gespendet.“