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Olympia im Visier: Kleinkaliber-Schütze Andre Link.   Seibel
Olympia im Visier: Kleinkaliber-Schütze Andre Link. Seibel
03.05.2016

Schlimme Zustände in Rio: Pforzheimer Sportschütze war zum olympischen Test in Brasilien

Rio de Janeiro ist für Andre Link ein Sehnsuchtsort. Einerseits. Andererseits aber auch nicht. „Ich will wieder dahin, wegen Olympia. Aber nicht wegen der Stadt“, sagt der 21-Jährige aus Pforzheim. Die brasilianische Metropole hat der Kleinkaliberschütze beim vorolympischen Testwettkampf gerade kennengelernt.

Und sein Urteil fällt alles andere als schmeichelhaft aus. Dabei sind die Schießstände im Sportpark Deodoro im Nordwesten der Millionenmetropole fast fertig. „Das sieht schon ganz gut aus“, sagt André Link. Zugleich ist er aber überzeugt: „Das Drumherum wird eine Katastrophe.“

Anschauungsunterricht hatten die deutschen Schützen jüngst bei ihrem 14-tägigen Aufenthalt in Rio. Täglich konnten sie nur eine Stunde auf dem olympischen Schießstand trainieren. Weil aber der Bus für die 30 Kilometer vom Stadtzentrum zur Schießanlage pro Strecke zwei Stunden brauchte und die Transportmittel nicht gerade pünktlich waren, blieb vom Tag meist wenig übrig. „Die Logistik“, so der 21-Jährige, „hat nicht wirklich funktioniert.“

Einen großen Drang, die Stadt am Fuße des Zuckerhuts zu erkunden, verspürte Andre Link nicht. „Ich hätte mich außerhalb des Hotels nicht sicher gefühlt“, sagt er und berichtet, dass eines Nachts – er schlief bei offenem Fenster, weil die Klimaanlage mal wieder ausgefallen war – in der Nähe des Hotels laut und deutlich eine Schießerei zu hören war. Auf den Sportstätten hingegen könne man sich sicher fühlen. An der Zufahrt zum Schießzentrum standen rund um die Uhr zwei Panzerfahrzeuge und 20 Polizisten.

Zum Traum von Olympia und zum Alptraum der Stadt gehört auch die Hitze. 35 Grad im Schatten, hohe Luftfeuchtigkeit. Das trifft die Schützen hart, weil ihre Schießkleidung mit der dichten Jacke eigentlich nicht für diese klimatischen Bedingungen gemacht ist. „Man schwitzt, man hat eine ganz andere Körperwahrnehmung. Bei dieser Hitze fühlt man sich in der Birne richtig platt“, stöhnt Link. Am Ende der 14 Testtage in Rio „hatte niemand mehr Lust. Alle wollten nur noch heim“, berichtet der Pforzheimer.

Aber wenn er zu den Olympischen Spielen will, wird er sich mit diesen Bedingungen arrangieren müssen. Im August in Brasilien ist zwar kalendarischer Winter, die Temperaturen und das Klima aber sind kaum angenehmer als im April. Link weiß, worauf es ankommt: „Man muss sich im entscheidenden Moment an die Bedingungen anpassen.“

Die drei deutschen Konkurrenten von Link kommen aus Bayern: Daniel Brodmeier, Michael Janker und Nicolas Schallenberger. Beim Grand Prix in Pilsen und beim ISCH in Hannover hat das Quartett die ersten Möglichkeiten, sich zu empfehlen. Spätestens beim Weltcup Ende Mai in München fällt die Entscheidung, welche beiden Sportler den Deutschen Schützenbund bei Olympia im Dreistellungskampf vertreten.

Vielleicht ist München als Ort der Entscheidung für Andre Link ein gutes Omen. Dort hat er sich 2015 mit seinem bislang einzigen Weltcup-Sieg schon einmal einen Traum erfüllt.