nach oben
Medaillenjägerin: Silke Lippok (rechts) posiert mit ihrer Silbermedaille, geholt am Samstag über 200 Meter Freistil, mit Siegerin Federica Pelligrini.
Medaillenjägerin: Silke Lippok (rechts) posiert mit ihrer Silbermedaille, geholt am Samstag über 200 Meter Freistil, mit Siegerin Federica Pelligrini. © dpa
15.08.2010

Schwimm-EM: Und nochmal Bronze für Silke Lippok

BUDAPEST.Was für ein EM-Debüt für Silke Lippok: Staffel-Gold zum Auftakt, sensationell Silber über ihre Lieblingsdisziplin, die 200 Meter Freistil und zum Abschluss noch eine späte Bronze-Medaille in der 4x100-Lagen-Staffel, weil eine der siegreichen Russinnen zu früh gestartet war. Dass sie bei ihren ersten internationalen Titelkämpfe so auftrumpfen würde, davon hätte die 16-Jährige nie zu träumen gewagt.

Zwar haben Silke Lippok und ihre Quartett-Kolleginnen Jenny Mensing, Caroline Ruhnau und Daniela Samulski die Bronze-Medaille lediglich am „grünen Tisch“ errungen. Doch in den Augen der Pforzheimerin schmälert das ihren dritten Erfolg nicht. „Es ist glücklich, ja. Aber wenn die Russin zu früh gestartet ist, dann ist das nur gerecht.“

Schon am Tag zuvor hatte das Freistil-Ass mit ihrem sensationellen Silber über ihre Lieblingsstrecke allen die Show gestohlen. Weder das deutsche Herren-Quartett, dass kurz nach ihr ebenfalls zu Silber kraulte, noch Superstar Paul Biedermann, der als Startschwimmer der Staffel Frankreichs Wunderkind Yannick Agnel schlug und sich zudem die Führung in der Weltjahresbestenliste zurückeroberte, konnten die Journalisten von der sympathischen Gymnasiastin ablenken, die gerade das Rennen ihres noch so jungen Lebens geschwommen hatte. „Mega-genial“, rief die frisch gebackene Vize-Europameisterin in die TV-Kameras, als sie endlich wieder aufrecht stehen konnte.

Denn das zuvor geschwommene Finale hatte sie ganz schön mitgenommen. Schnell angehen wollte sie das Rennen, „vielleicht so als Zweite oder Dritte“. So zumindest hatte sie es mit Trainer Rudi Schulz am Telefon besprochen. Doch nachdem das Startsignal im Alfred-Hajos-Bad ertönte, schwamm die unbekannte Wassernixe auf der Außenbahn den sieben schnellsten Damen Europas davon. Unter ihnen auch Weltrekordhalterin Federica Pelligrini. „Ich glaube, die habe ich schon ein wenig irritiert“, sagte Silke Lippok später kess. Dass sie allerdings nach den ersten hundert Metern mit 56.19 Sekunden eine halbe Sekunde unter der Zwischenzeit ihrer bisherigen Bestmarke lag, fand die frisch gebackene Vize-Europameisterin später „schon ziemlich krass. Hätte ich das im Wasser gewusst, ich hätte wohl einen Schock bekommen“.

Doch dem war nicht so, und so schwamm sie einfach weiter ihr schnelles Rennen.Selbst nach der dritten Wende lag sie noch vor Pelligrini, die danach jedoch an der tapferen Schülerin vorbeizog. Das war zu erwarten. Ganz und gar nicht zu erwarten war dagegen, dass Silke Lippok trotz der so hohen Anfangsgeschwindigkeit noch den zweiten Platz vor Lokalmatadorin Agnes Mutina (1:57,12) verteidigen konnte. Selbst Biedermann, als Weltrekordhalter und Weltmeister über die vier Bahnen Kraul eigentlich Experte für diese Strecke, sagte später: „Ich dachte, sie ertrinkt auf den ersten 100 Metern. Weltmeisterin Pelligrini kam nicht umhin, die sechs Jahre jüngere Lippok nun ebenfalls zu bemerken.

„Sie könnte in Zukunft eine meiner größten Konkurrentinnen werden“, so die italienische Legende. Als Silke Lippok dann später hörte, was Schwimm-Diva Pelligrini noch gesagt hatte, verschlug es auch der locker vor sich hin plaudernden Schülerin noch kurz die Sprache. „Ohne Silke hätte ich die Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minute nicht schwimmen können.

Leserkommentare (0)