nach oben
Der Stolz der Familie: Silke Lippok mit ihren Eltern Christine und Andreas und Bruder Nils im heimischen Garten. Um den Hals trägt die 15-jährige Schwimmerin die sechs Medaillen, die sie bei der Junioren-EM in Prag für Deutschland gewonnen hat.
Der Stolz der Familie: Silke Lippok mit ihren Eltern Christine und Andreas und Bruder Nils im heimischen Garten. Um den Hals trägt die 15-jährige Schwimmerin die sechs Medaillen, die sie bei der Junioren-EM in Prag für Deutschland gewonnen hat.
13.07.2009

Schwimmerin Silke Lippok hundemüde und überglücklich

PFORZHEIM. Ausnahme-Schwimmerin Silke Lippok ist nach einer anstrengenden Junioren-EM in Prag wieder in der Goldstadt angekommen. Vier Gold- und zwei Silbermedaillen hat sie im Gepäck. Sehr glücklich ist sie darüber - aber auch noch sehr müde.

Jerry blieb wie immer cool. Als gestern Nachmittag die Reporter von PZ und PZ-news bei Familie Lippok auf der Matte standen, wedelte der Mischlingshund kurz mit dem Schwanz, legte sich auf sein Plätzchen unter der Treppe und hielt ein Nickerchen. Das hätte Silke Lippok am liebsten auch getan. Nach fünf Tagen Europameisterschaft und einer durchfeierten Nacht in Prag war die Schwimmerin erst am Vormittag in Pforzheim angekommen – und hundemüde.

Doch nach ein paar Stunden Schlaf stand die 15-Jährige schon wieder locker und freundlich Rede und Antwort, als hätte es den Wettkampfstress der vergangen Tage gar nicht gegeben.

Vier Gold- und zwei Silbermedaillen hat Silke Lippok (SSG Pforzheim) in der Goldenen Stadt gewonnen. Über 50 und 100 Meter Freistil stellte sie dabei neue persönliche Bestzeiten auf. Die Zeit über 100 Meter (55,02 Sekunden) war sogar europäischer Altersklassen-Rekord. Von diesem Endlauf gibt es übrigens ein Video auf der Internet-Plattform youtube.com. Gold holte die Gymnasiastin ferner mit den Staffeln über 4 x 100 Meter Freistil und 4 x 100 Meter Lagen. Hinzu kommen Silber über 200 Meter Freistil und 4 x 200 Meter Freistil. „Ich bin selber überrascht, wie gut es gelaufen ist“ strahlt Silke. Es versteht sich von selbst, dass die Pforzheimerin mit ihrer super Bilanz beste Athletin in der Mannschaft des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) gewesen ist.

Angesichts der Erfolge ihrer Tochter hielt es die Lippoks am Freitag nicht mehr in Pforzheim. Spontan beschloss die gesamte Familie, mit dem Auto nach Prag zu fahren – einfache Strecke 510 Kilometer. „Und wir haben es nicht bereut. Es war eine klasse Atmosphäre im Schwimmstadion. Und Prag ist eine ganz tolle Stadt“, schwärmt Mutter Christine von dem Kurztrip gen Osten. Den Gewinn von zwei Gold- und zwei Silbermedaillen erlebte die Familie Lippok dann live im Stadion. Nach einem Rennen durfte Vater Andreas seine Tochter mit zur Dopingkontrolle begleiten. Diese und auch alle anderen Dopingproben waren übrigens negativ.

Jetzt hat der Alltag die Familie wieder. Heute wird Silke nach langer Zeit wieder in die Schule gehen. Denn vor der EM schwamm sie in Berlin bei den deutschen Meisterschaften und holte dort den Titel über 200 Meter Freistil. Am Theodor-Heuss-Gymnasium gibt es viele Hände zu schütteln. Trotz der vielen Fehlzeiten ist Silke nach wie vor ein gute Schülerin. „Meine Schule hat auch sehr viel Verständnis für den Sport und ist sehr kooperativ. Dafür bin ich sehr dankbar. Deshalb möchte ich auch noch so lange wie möglich in Pforzheim bleiben“, sagt Silke.

Diskussionen, ob sich das Ausnahmetalent bald einem großen Verein mit besseren Trainingsbedingungen anschließen muss, kommen immer wieder auf. „Solange sie aber kontinuierlich Fortschritte macht, gibt es keinen Grund, irgend etwas zu verändern“, sagt Trainer Rudi Schulz, der bisher offensichtlich alles richtig gemacht hat mit der Trainingsgestaltung und -dosierung.

Am Wochenende stehen die badischen Meisterschaften in Freiburg auf dem Programm. Hier wird Silke Lippok noch einige Titel mitnehmen. Dann ist erst mal Pause. Nach den Ferien steigt sie dann wieder voll ins Training ein.

Die Ziele für 2010 sind klar: Erstmals findet eine Jugend-Olympiade statt (14. bis 26. August in Singapur). Hinzu kommen die deutschen Meisterschaften und letztmals eine Junioren-EM. 2011 wird Silke Lippok 17 und darf dann nur noch bei den Frauen starten. Das große Ziel lautet natürlich Olympia 2012. Silke Lippok ist dann 18 und im besten Schwimm-Alter. Martin Mildenberger