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Total erschöpft, aber wahnsinnig glücklich: Sebastian Kienle im Ziel nach seinem Triumph auf Hawaii 2014. Das Glücksgefühl möchte der Triathlet noch einmal erleben. Foto: Omori
Total erschöpft, aber wahnsinnig glücklich: Sebastian Kienle im Ziel nach seinem Triumph auf Hawaii 2014. Das Glücksgefühl möchte der Triathlet noch einmal erleben. Foto: Omori
10.10.2017

Sebastian Kienle glaubt fest an Chance auf zweiten Hawaii-Sieg

Kona/Pforzheim. Sebastian Kienle ist in Knittlingen aufgewachsen und wohnt in Mühlacker. Zuhause fühlt sich der 33-Jährige aber auch in Kailua-Kona auf der malerischen Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean. Mehrere Wochen im Jahr verbringt der Weltklasse-Triathlet in dem Urlaubsparadies. Das Vergnügen dabei hält sich allerdings in Grenzen.

Sebastian Kienle startet in diesem Jahr zum sechsten Mal seit 2012 in Kona. Er war immer unter den Top Ten. 2014 erfüllte er sich seinen Lebenstraum mit dem Sieg auf Hawaii, dem bedeutendesten Ironman, gleichzeitig die Weltmeisterschaft der Extremsportler. Das hat sein Leben stark verändert. „Auch mein Bankkonto“, schmunzelt Kienle, der immer zu einem Späßchen aufgelegt ist.

Wer Hawaii einmal gewonnen hat, wer einmal als Erster den Zieleinlauf auf dem Ali‘i Drive in Kona passierte, hat eigentlich alles erreicht im Triathlon-Sport. Doch Sebastian Kienle ist trotz des historischen Triumphes immer noch heiß. Er brennt, und sein großes Ziel heißt auch 2017: King of Kona werden, noch einmal auf Hawaii gewinnen. Noch einmal das Glücksgefühl erleben.

Die PZ hat vor dem Rennen am kommenden Wochenende (ab Sonntag, 0.25 Uhr, live im ZDF) mit Sebastian Kienle gesprochen, der sich seit gut vier Wochen auf Hawaii vorbereitet und von seiner Ehefrau Christine Schleifer begleitet wird.

Wie ist die Form, wie lief die letzte Vorbereitung, auch jetzt vor Ort?

„Die Form ist sehr gut, soweit man das vom Training her beurteilen kann“, sagt Kienle. Die Vorbereitung sei fast reibungslos verlaufen. „Nach dem Sieg beim Ironman Frankfurt hatte ich doch ein paar Probleme. Es ist immer schön, wenn es dann die letzten Wochen vor einem Höhepunkt noch einmal richtig vorwärtsgeht“, fiebert Kienle dem Start am kommenden Samstag (6.25 Uhr Ortszeit) entgegen.

War der fünfte Platz bei der 70.3-WM Anfang September ein Dämpfer oder ist er eher zusätzliche Motivation?

„Weder noch“, glaubt Kienle, der diese WM auf der Halbdistanz 2012 und 2013 gewonnen hatte. „Ich wusste, dass ich nicht schlecht in Form bin, aber vielleicht noch nicht bei hundert Prozent. Natürlich war ich mit dem Ergebnis bei der 70.3-WM nicht ganz zufrieden. Aber ich habe schon gemerkt, dass es in die richtige Richtung geht“, glaubt der Profi, der als Perfektionist gilt, gut gewappnet zu sein.

Jan Frodeno, der Hawaii 2015 und 2016 gewonnen hat, gilt erneut als Topfavorit. Es heißt unter Experten, wenn ihn einer schlagen kann, dann Kienle. Wie sehen Sie das?

„Ich sehe Jan auch in der Favoriten-Stellung“, sieht Kienle die Ausgangslage realistisch, fügt allerdings selbstbewusst hinzu: „Ich bin aber der Meinung, dass gerade in diesem Jahr sehr viele Athleten auf einem sehr guten Niveau sind. Für einen Sieg kommen für mich noch Ben Hoffmann, Tim Don und Lionel Sanders in Frage. Jan ist extrem stark aber nicht unschlagbar. Und er hat in diesem Jahr noch keinen bedeutenden Wettkampf gewonnen“, gibt Kienle zu bedenken.

Wie kann Sebastian Kienle das Triple von Frodeno verhindern? Nur mit einem absolut perfekten Rennen?

„Sicher muss ich an mein Limit kommen, um ihn zu schlagen, vor allem aber auch dran glauben“, sagt Kienle. Aus Erfahrung weiß er: „In Kona kann viel passieren. Man kämpft nicht nur gegen die Gegner, sondern auch mit den Elementen und sich selbst, auch das ist ein Kampf, den Jan wieder gewinnen muss, wenn er alle schlagen will.“

Es steht enorm viel auf dem Spiel. Was tut man eigentlich gegen die Nervosität vor diesem Rennen? Oder ist der Weltmeister von 2014 gar nicht nervös?

„Doch, ich bin sehr nervös“, gibt Sebastian Kienle zu. Nervosität sei aber auch wichtig, „sonst kann man keine Top-Leistung bringen. Auch Routine und ein gut eingespieltes Team helfen mir enorm“, betont der Hawaii-Mitfavorit, der nicht nur seinem Freund Jan Frodeno, sondern auch noch seinem Landsmann Patrick Lange, 2016 immerhin Dritter auf Hawaii hinter Frodeno und Kienle, gute Chancen einräumt.