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Aus 60 Metern traf Jerome Kronewetter, der hier von seinen Nußbaumer Teamkollegen begraben wird, gegen Königsbach. Videos wie dieses – hier dargestellt in einer Fotomontage – wird die PZ in dieser Saison nicht mehr drehen. Foto: Fotomontage PZ
Aus 60 Metern traf Jerome Kronewetter, der hier von seinen Nußbaumer Teamkollegen begraben wird, gegen Königsbach. Videos wie dieses – hier dargestellt in einer Fotomontage – wird die PZ in dieser Saison nicht mehr drehen. Foto: Fotomontage PZ
30.07.2015

Sendeschluss für regionale Fußballvideos

Die „Pforzheimer Zeitung“ kritisiert die Vorgaben des Badischen Fußball-Verbands für die Genehmigung von Sportvideos von lokalen Fußballspielen, wie sie lange auf der Onlineplattform PZ-news zu sehen waren. In Bayern beschäftigt der Videostreit zwischen Fußballverband und Zeitungsverlagen bald sogar das Oberlandesgericht.

Zwei Gegner ausgedribbelt, Schuss vom Strafraum ins linke Eck – Tor. Ein Lupfer aus 25 Metern – geschnürt ist der Doppelpack. Dann, wieder von der Strafraumgrenze, ein Schuss an den linken Innenpfosten, von da geht der Ball erneut ins Netz – 17 Minuten, drei Tore, ein Hattrick. Der Spieler, dem dieses Kunststück am 26. April gelang, war Florian Ritter, der den 1. FC Ersingen so zum 4:0 gegen die Sportfreunde Feldrennach ballerte. Bestaunen lässt sich dieser Höhepunkt der vergangenen Landesliga-Saison auf www.pz-news.de. Es wird wohl auch in der neuen Runde Traumtore, Dreierpacks und heiße Derbys geben. Videos davon werden auf dem Online-Portal der „Pforzheimer Zeitung“ aber nicht zu sehen sein.

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Die Pforzheimer Zeitung wird wegen großen Unstimmigkeiten mit dem Badischen Fußball-Verband zukünftig keine Videos mehr von regionalen Fußballspielen veröffentlichen. Werden Sie die Video-Spielberichte vermissen?

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Der Grund: Der Badische Fußballverband (BFV) erlaubt das Filmen nur, wenn er dafür eine kostenlose Kopie des Spielvideos – oder eine Lizenzgebühr – erhält. „In unseren Augen ist dies ein Eingriff in die Pressefreiheit“, sagt PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht. „Wir wollen dem BFV keine Videos kostenlos zur Verfügung stellen, die wir bei Ligen.de einkaufen müssen, und die der Verband dann selbst publizieren und vermarkten kann.“

Dagegen betont BFV-Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen, sich an die Regeln zu halten, die eine Arbeitsgruppe des Deutschen Fußball-Bundes erarbeitet habe. „Es ist notwendig, eine einheitliche Regel zu schaffen und Wildwuchs zu verhindern“, sagt er. Dies geschehe im Interesse der 609 Vereine, die der BFV vertrete: Man wolle so verhindern, dass einzelne, größere Clubs ihre Spiele vermarkten und die kleineren leer ausgehen. Jedoch gehe es dem Verband nicht darum, Geld zu verdienen. Zumindest wenn man die Bewegtbilder selbst bezahlen muss, ist dies mit lokalen Fußballvideos ohnehin nur schwer möglich: „Wir haben die Videos nie gemacht, um uns zu bereichern“, sagt Magnus Schlecht. „Das war ein Service für die Vereine und die Fußballfans der Region.“ Für die PZ seien die Videos stets ein Zuschussgeschäft gewesen.

„Es war immer toll, wenn man das Topspiel wählen und sie dann sonntagabends oder spätestens montags online anschauen konnte“, blickt Reiner Steudle, der zweite Vorsitzende des 1. FC Birkenfeld, zurück. Und Stefan Rapp, der Ersingens Landesligatruppe trainiert, sagt zum Aus der Videos: „Ich finde das sehr schade.“ Er erinnert an Ritters Dreierpack: „So ein Spiel hängt man sich im übertragenen Sinne eingerahmt über das Bett. Das auf Band oder im Internet zu haben, ist für den Spieler natürlich klasse.“ Einen Vorteil für die Vereine sieht er in der Vorgabe, die Videos dem Verband zu überlassen, nicht: „Wem bringt das denn was, wenn die Videos abgedrückt werden?“

„Das wird alles kommerzialisiert“, ärgert sich ein Vorstandsmitglied eines weiteren Enzkreis-Vereins, das anonym bleiben möchte. Damit einher gingen immer neue Strafen und Regeln – etwa für Einträge ins DFBnet oder Coaching-Zonen in allen Klassen. „Wegen jedem Furz gibt es eine Strafe. So wird es für Vereine immer schwieriger, die Kosten steigen“, sagt er. Auch Ersingens Rapp klagt über viele schnell verhängte Strafen: „So viele Bratwürste können wir gar nicht verkaufen.“ Zugleich verlangt der Fußballverband aber keine Mitgliedsbeiträge von seinen Vereinen, betont Geschäftsführer Ziegenhagen.

In Bayern ist der Streit um die Videos von lokalen Fußballspielen inzwischen vor Gericht angekommen. Im Frühjahr hatte das Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen den Bayerischen Fußballverband erlassen. Dieser hatte Gebühren in Höhe von 500 Euro pro Spiel oder eine kostenlose Kopie gefordert, wogegen mehrere Zeitungsverlage zunächst erfolgreich Beschwerde eingelegt hatten. Im Juni hob aber das Landgericht München die einstweilige Verfügung nun auf, weil die Forderungen des Verbands die wettbewerbliche Entfaltung der Zeitungen nicht unangemessen beeinträchtige. Was der Bayerische Fußball-Verband als „gute Nachricht für die Vereine“ bewerte, kritisierten die Zeitungen. Sie werfen dem Verband vor, seine Monopolstellung auszunutzen und die Gemeinnützigkeit zu missachten. Daher ziehen die bayerischen Verlage vor das Oberlandesgericht.

Vereine dürfen weiter filmen

Die badischen Vereine haben derweil noch andere Sorgen: „Vielleicht ist es in Zukunft so, dass Vereine ihre Spiele selbst filmen und das auf ihre Homepage stellen“, sagt Birkenfelds Steudle. „Ist das dann noch erlaubt?“ Zumindest hier gibt Ziegenhagen Entwarnung: Dies sei nicht verboten, ganz im Gegenteil: „So etwas ist doch klasse, das ist dann überhaupt kein Thema“, versichert er.

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