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Damals war die Welt für Simon Brandstetter noch in Ordnung, als er für die U20-Nationalmannschaft gegen Polen kickte. Das Pfeiffersche Drüsenfieber hat ihn in der laufenden Saison lange zurückgeworfen. Jetzt ist er wieder ins KSC-Trikot geschlüpft und will um einen Stammplatz kämpfen.
Damals war die Welt für Simon Brandstetter noch in Ordnung, als er für die U20-Nationalmannschaft gegen Polen kickte. Das Pfeiffersche Drüsenfieber hat ihn in der laufenden Saison lange zurückgeworfen. Jetzt ist er wieder ins KSC-Trikot geschlüpft und will um einen Stammplatz kämpfen. © dpa
06.12.2012

Simon Brandstetter: vom Krankenlager zurück ins KSC-Trikot

Seine Leidenszeit war lange, sehr lange. Fünf Monate musste Simon Brandstetter auf seinen ersten Einsatz beim Karlsruher SC warten. Eine Viruserkrankung, das Pfeiffersche Drüsenfieber, setzte den Angreifer, der vom SC Freiburg in den Wildpark wechselte, außer Gefecht. Endlich, am vergangenen Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim, durfte der Stürmer, den alle Verantwortlichen im Verein hoch einschätzen, sein Debüt geben. Mit dem 22 Jahre alten ehemaligen U20-Nationalspieler sprach Peter Putzing.

PZ-news: Wie haben Sie es gefeiert, nach der langen Pause, endlich das KSC-Trikot in der dritten Liga tragen zu können?

Simon Brandstetter: Ich war richtig glücklich, habe mich riesig gefreut über diese fünf Minuten. Das war ein Highlight, nach allem was hinter mir liegt.

PZ-news: Trainer Kauczinski sagte: „Die Einwechslung war ein Zeichen für ihn. Er hat toll gearbeitet. Ich wollte ihm zeigen, dass er nach seiner langen Pause wieder Licht im Tunnel sieht.“ Das tut gut, oder?

Brandstetter: Absolut. Aber das war auch während der Krankheit so, dass ich vom Verein super unterstützt wurde. Das hat in schwierigen Phasen geholfen. Dass der Trainer so etwas sagt – das finde ich prima.

PZ-news: Fünf Monate außer Gefecht. Das ist Riesen-Frust. Wie haben Sie den abgebaut? Am Sandsack, wie einst Toni Schumacher? Oder an der Bar, wie so manch anderer?

Brandstetter: Ich habe es eher wie Toni Schumacher gemacht. Ich bin in meinen Kraftraum, den ich zu Hause habe. Da habe ich gemacht, was ging. Liegestützen bis mir fast die Adern geplatzt sind. So habe ich den Frust raus gelassen. Ich habe zudem viel mit meinen Eltern und Freunden geredet, viel mit der Familie unternommen – um auf andere Gedanken zu kommen. Dann ist ein guter Kumpel von mir Mentaltrainer, auch mit dem habe ich gearbeitet.

PZ-news: Haben Sie manchmal gedacht: Das wird eh gar nichts mehr?

Brandstetter: Ganz ehrlich? Ja! Aber: Die Ärzte und mein Umfeld haben mir immer wieder Mut gemacht, sagten: Das wird auf jeden Fall wieder. Es sei nur eine Frage der Zeit. Bei mir hat es fünf Monate gedauert, es gibt Leute, bei denen dauert es ein, zwei Jahre bis sie wieder fit sind. Da kann ich mit den fünf Monaten zufrieden sein. Ich kann mich wieder voll belasten, habe auch keinen Schwindel mehr, der anfangs immer wieder als Nachwirkung kam.

PZ-news: Die KSC Verantwortlichen trauen ihnen viel zu – erwarten einiges von Ihnen. Ist das Freude oder Belastung nach dieser gesundheitlichen Auszeit?

Brandstetter: Ich bin zum KSC gekommen, um etwas Positives zu leisten. Erwartungen sind normal, wie der Druck. Damit kann ich gut umgehen.

PZ-news: Jetzt sind Sie fit. Müssen sich da die etatmäßigen Angreifer Rouwen Hennings und Koen van der Biezen fürchten?

Brandstetter: Also: ich bin fit, kann voll trainieren und habe Riesenspaß dabei. Ein fairer Konkurrenzkampf ist immer gut - und in den werde ich einsteigen. Es ist mein Job, Gas zu geben und da zu sein, wenn einer nachlässt. So etwas ist leistungsfördernd für die Mannschaft. Ich mache mein Ding, haue mich rein – das sehen die Trainer.

PZ-news: Das Nahziel ist wohl die Partie im Pokal gegen den SC Freiburg?

Brandstetter: Da bin ich heiß drauf. Da will ich dabei sein. Ich denke jeden Tag an dieses Spiel. Dafür gebe ich Vollgas – um dort dann erfolgreich dabei zu sein. Ich freue mich, die alten Kumpels zu sehen.

PZ-news: Gibt es noch Kontakte in den Breisgau?

Brandstetter: Sicher. Viele. Ich telefoniere regelmäßig mit Daniel Caligiuri, mit Jonathan Schmid. Zu etlichen anderen, wie auch Ex-KSC-Spieler Sebastian Freis, habe ich Kontakt per SMS.

PZ-news: Wie schätzen Sie die KSC-Chancen ein?

Brandstetter: Die Favoritenrolle ist klar – die hat der SC. Aber: Wir sind gut drauf, wir sind heiß, haben ein Heimspiel, in dem die Hütte brennt. Das ist ein Derby – ich traue uns eine Überraschung absolut zu. Wir werden nicht hundert Prozent, sondern 150 Prozent geben. Wenn uns dann der SC schlägt – dann haben die es verdient. Aber wir werden jeden Grashalm auf dem Platz beackern, um zu gewinnen.

PZ-news: Zurück zur Liga. Was erwarten Sie von sich im weiteren Saisonverlauf? Einen Stammplatz?

Brandstetter: Ich will in den zwei verbleibenden Spielen dabei sein, vielleicht noch zweimal zum Einsatz kommen, wenn wohl auch nur teilweise. Vielleicht gelingen mir auch ein, oder zwei Tore. Nach der Winterpause greife ich voll an, habe natürlich einen Stammplatz im Visier. Das muss das Ziel jedes Spielers sein.

PZ-news: Gibt es für dann exakte Ziele?

Brandstetter: Ich bin Stürmer, ich will so viele Tore wie möglich erzielen. Ich habe mein Leben nichts anderes gemacht als Tore zu schießen. Und: Ich will auf jeden Fall aufsteigen.