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Einen großen Auftritt hatten die Nöttinger Kicker wieder im DFB-Pokal, dieses Mal gegen den VfL Bochum. Unter Strich macht der Oberligist auch finanziell einen guten Schnitt, ärgert sich aber über die einseitige Auslegung der Solidaritätsregelung. Foto: Ripberger/PZ-Archiv
Einen großen Auftritt hatten die Nöttinger Kicker wieder im DFB-Pokal, dieses Mal gegen den VfL Bochum. Unter Strich macht der Oberligist auch finanziell einen guten Schnitt, ärgert sich aber über die einseitige Auslegung der Solidaritätsregelung. Foto: Ripberger/PZ-Archiv
20.09.2017

Solidaritätsabgabe nur von den Kleinen: Der FC Nöttingen und die Pokalgelder

Remchingen-Nöttingen. Demnächst will Dirk Steidl die Abrechnung für das DFB-Pokal-Spiel gegen den VfL Bochum endgültig abschließen. Sein FC Nöttingen hatte im Sommer zum vierten Mal in sechs Jahren die erste Runde auf Bundesebene erreicht. Anfang August standen sich der Oberligist und der Zweitligist im Karlsruher Wildparkstadion gegenüber. Mit 2:5 zogen sich die Nöttinger achtbar aus der Affäre. Solche Niederlagen sind für einen Amateurverein leicht zu verschmerzen. Kasse macht man mit diesen Spielen gegen die Profis immer.

Zunächst einmal gibt es 115.000 Euro Fernsehgeld aus der Zentralvermarktung des DFB. Dieses Mal war aber in Nöttingen nicht klar, ob das TV-Geld tatsächlich vollständig in der Kasse des Oberligisten landet. Schließlich kamen zum Spiel in Karlsruhe nur 2700 Zuschauer. Und vom Erlös der Eintrittsgelder, die unter beiden Vereinen und dem DFB aufgeteilt werden müssen, gehen beachtliche Kosten ab: für Stadionmiete, Flutlicht, Stromaggregate, Reinigungskosten, Sanitäts- und Ordnungsdienst sowie die Anmietung der Logen des Karlsruher SC.

„Mit dem Spiel selbst machen wir ein Minus“, sagt Steidl. Jetzt hofft er, dass er durch zusätzliche Marketingerlöse und die Vermietung der VIP-Logen unterm Strich doch noch ein Plus erwirtschaften kann.

Grundsätzlich eine gute Sache

Etwas anderes stört den Macher des FCN aber nachhaltig. Während die Nöttinger vom Fernsehgeld nur 115.000 Euro überwiesen bekamen, hat Gegner Bochum 159.000 Euro kassiert. Das liegt daran, dass die Amateurvereine – nicht erst seit diesem Jahr – 40.000 Euro oder mehr in einem Solidaritätstopf einbezahlen. Dieses Geld wird an die Vereine verteilt, die im badischen Pokal mindestens das Viertelfinale erreicht haben. Das ist grundsätzlich eine gute Sache, findet Steidl und sagt: „Wir geben gerne ab.“

Verwundert ist er aber darüber, dass die Solidaritätsabgabe nur von den Amateurvereinen verlangt wird. Die Proficlubs hingegen streichen in Runde eins das volle Fernsehgeld ein. „Wenn beide Clubs der Erstrundenspiele 20.000 Euro abgeben würden, hätten wir das gleiche Geld zu verteilen“, sagt der Nöttinger Vorsitzende.

Doch die Profis spielen nicht mit. Das weiß auch Ronny Zimmermann. Der Präsident des Badischen Fußball-Verbandes (BFV) ist zugleich Vizepräsident im Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Darauf haben wir keinen Einfluss“, sagt Zimmermann, obwohl der DFB-Pokal eigentlich in die Zuständigkeit des großen Verbandes fällt. Aber für die Proficlubs ist die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zuständig. Und die Profis denken bislang nicht daran, auch was vom Fernsehgeld abzugeben.

Freigiebige Bayern

„Den Armen wird genommen, und die Reichen behalten alles. Solidarisch ist das nicht“, beschreibt Steidl die Situation plakativ. Dabei nimmt er den FC Bayern München aber aus. Die hätten sich nach dem Spiel gegen Nöttingen 2015 sehr freigiebig gezeigt.

In diesem Jahr kann es sogar passieren, dass der badische Pokalsieger nichts von seinem Fernsehgeld abgibt – nämlich dann, wenn der Drittligist Karlsruher SC den Cup holt, sich zugleich aber über das Erreichen von Platz eins bis vier in Liga drei wieder direkt für den DFB-Pokal qualifiziert. Dann käme auch der unterlegene Finalist in den DFB-Pokal – und müsste wiederum von seinem Fernsehgeld etwas abgeben. Die Karlsruher hingegen würden die volle Summe einstreichen.

Doch ganz so schlecht wie für die Pessimisten ist es für Ronny Zimmermann um die Solidarität der Profivereine nicht bestellt. Zweit- und Erstligisten gäben jedes Jahr ein oder zwei Prozent ihres Fernsehgeldes an den DFB ab. Dieses Geld fließe in die Landesverbände. „Und wir versuchen, so viele Vereine wie möglich partizipieren zu lassen“, sagt der BFV-Vorsitzende.