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Der Sport leistet viel in Pforzheim, doch die Förderung für die Vereine lässt zu wünschen übrig.   Ketterl, PZ-Archiv
Der Sport leistet viel in Pforzheim, doch die Förderung für die Vereine lässt zu wünschen übrig. Ketterl, PZ-Archiv
16.11.2016

Sport kämpft in Pforzheim um mehr Anerkennung

Der Sport in Pforzheim, oft als schlafender Riese bezeichnet, scheint langsam zu erwachen. Gaben sich Vereine, Verbände und deren Funktionäre jahrzehntelang mit dem zufrieden, was ihnen die Stadt an Zuschüssen und Förderung gewährte, hat sich der Wind seit einiger Zeit gedreht.

Der Sport – an der Spitze dessen Dachverband, der Sportkreis Pforzheim Enzkreis – wehrt sich und geht in die Offensive. Nachdem man seit einigen Jahren kontinuierlich auf den Missstand hinweist, dass die kommunale Sportförderung in der Stadt mehr als dürftig ist, hat sich jetzt eine Arbeitsgruppe gebildet, die den Stellenwert des Sports in der Stadt verbessern soll. Hintergrund sind die Sparzwänge der Stadt, die auch den Sport treffen, und die baldige Verabschiedung des Haushaltes. Anfang Dezember wird der Doppelhaushalt 2017/18 beraten, am 20. Dezember soll er verabschiedet werden.

„Druck ausüben“

In der Arbeitsgruppe sitzen Vereinsfunktionäre, Vertreter der Fachverbände und Mitglieder des Sportkreis-Vorstandes. „Ziel der Arbeitsgruppe ist es, den Sport in Pforzheim in ein besseres Licht zu rücken. Wir wollen auch Druck ausüben und versuchen, dem Sport den Stellenwert zu geben, den er verdient“, sagt Tobias Müller, der Geschäftsstellenleiter des Sportkreises.

Das Ziel des Sportkreises ist es, die geplante Kürzung der Sportförderung, wie sie im Rahmen der Haushaltskonsolidierung vorgenommen werden soll, wieder rückgängig zu machen. Wie berichtet, will der Gemeinderat die vor zwei Jahren beschlossene jährliche Erhöhung der Sportförderung um 110 000 Euro wieder um 55 000 Euro kürzen. Dabei ist Pforzheim in der kommunalen Sportförderung seit Jahren ohnehin Schlusslicht in Baden-Württemberg. Ein aktueller Vergleich der Sportförderung pro Einwohner (siehe Grafik) verdeutlicht dies. Böblingen ist hier der Spitzenreiter mit 13,81 Euro pro Einwohner. Nur knapp zwei Euro pro Einwohner zahlt Pforzheim.

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat der Sportkreis eine Präsentation mit Infos und Zahlen zur Verfügung gestellt, die seit geraumer Zeit auf seiner Homepage, aber auch auf den Internetseiten vieler der insgesamt 95 Pforzheimer Sportvereine mit ihren rund 30 000 Mitgliedern zu sehen ist.

Ein Dorn im Auge ist den Sport-Lobbyisten seit Jahren auch die personelle Ausstattung des Amtes für Bildung und Sport auf dem Pforzheimer Rathaus. „Derzeit haben wir 1,4 Stellen im Sport besetzt, im Januar kommt ein weiterer Kollege in Vollzeit, dann sind es 2,4 Stellen. Mehr wird es dann nicht“, sagt Sportbürgermeisterin Monika Müller auf Nachfrage und räumt ein: „Das ist wenig, keine Frage.“ Eine Nachfrage in Heilbronn, das wie Pforzheim auch rund 120 000 Einwohner hat, ergab allerdings, dass auch auf dem dortigen Rathaus nur drei Mitarbeiter für Sport zuständig sind. Müller findet es übrigens gut, dass sich der Sport auf die Hinterbeine stellt. „Der Sport hat bisher in Pforzheim keine kontinuierliche Lobbyarbeit betrieben. Es fehlte auch an Protagonisten, die sich für Sport richtig stark machen.“