nach oben
Eine gemischte Bilanz zieht Gudrun Augenstein, die erste Frau an der Spitze des Sportkreises Pforzheim Enzkreis, am Ende des Jahres 2017; im Hintergrund Fotos ihrer Vorgänger in der Geschäftsstelle des Sportkreises. Foto: Meyer
Eine gemischte Bilanz zieht Gudrun Augenstein, die erste Frau an der Spitze des Sportkreises Pforzheim Enzkreis, am Ende des Jahres 2017; im Hintergrund Fotos ihrer Vorgänger in der Geschäftsstelle des Sportkreises. Foto: Meyer
29.12.2017

Sportkreis-Vorsitzende Gudrun Augenstein: „Eissport sollte erhalten bleiben“

Pforzheim/Enzkreis. Der Sport gewinnt als soziales Bindeglied in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Die Fäden in der Region laufen beim Dachverband, dem Sportkreis Pforzheim Enzkreis, zusammen. Die Vorsitzende Gudrun Augenstein zieht im PZ-Interview eine Bilanz des Jahres 2017 – und wirft einen Blick nach vorne.

PZ: Sie stehen seit mehr als sieben Jahren dem Sportkreis vor, als erste Frau in der 70-jährigen Geschichte. Wie kommen Sie zurecht in dieser von Männern dominierten Sportfunktionärswelt?

Gudrun Augenstein: Gut. Ich hatte ja jahrelang Erfahrung in verschiedenen Gremien beim Badischen Turnerbund und bei der Badischen Sportjugend sammeln können. Und hier beim Sportkreis haben wir inzwischen ein sehr gut funktionierendes Team – auch mit zunehmend mehr Frauen. Das ist gut so.

PZ: Worüber haben Sie sich in Ihrem Amt als Sportkreis-Vorsitzende 2017 am meisten gefreut?

Gudrun Augenstein: Ich habe mich sehr über die großartigen Erfolge unserer Sportlerinnen und Sportler auf nationaler und internationaler Ebene gefreut, vor allem in den Kernsportarten und allgemein freut mich, dass in unseren 260 Sportvereinen in Stadt und Land insgesamt 23 000 Kinder und Jugendliche täglich ehrenamtlich bewegt werden. Überaus positiv ist auch die Entwicklung der Anzahl bei den Sportabzeichen, die wir seit 2013 verdoppelt haben. 2016 war unser Sportkreis bei der Anzahl der Sportabzeichen-Abnahmen sogar Spitzenreiter unter den neun Sportkreisen im Badischen Sportbund.

PZ: Worüber haben Sie sich 2017 am meisten geärgert.

Gudrun Augenstein: Dass im Zuge der Haushaltskonsolidierung in Pforzheim Mittel für den Sport gekürzt wurden, dass die St.-Maur-Halle verkauft werden soll und die leidige Bädersituation in Pforzheim.

PZ: Wird es 2019 noch in Pforzheim Eissport in der St.-Maur-Halle geben? Was glauben Sie?

Gudrun Augenstein: Das weiß ich nicht, aber der Eissport sollte in Pforzheim auf jeden Fall erhalten bleiben. Das kann man gar nicht stark genug betonen. Der Sportkreis hat an die Fraktionen des Gemeinderates geschrieben und dabei auf die Bedeutung von Sportstätten gerade in der Oststadt hingewiesen. Eishockey ist in der Oststadt von großer Bedeutung für die Integration von Jugendlichen in der Stadt. Auch die Wintersporttage der Schulen in der St.-Maur-Halle sind extrem wichtig und erfreuen sich großer Nachfrage.

PZ: Wie ist der Standpunkt des Sportkreises in der leidigen Bäderfrage?

Gudrun Augenstein: Wir hatten vor Kurzem ein Gespräch mit den betroffenen Schwimm- und Wassersport-Vereinen. Deren Handlungsempfehlungen sind: Neubau – keine Sanierung der Bäder. Die Erhaltung der Wasserflächen ist von großer Notwendigkeit und Standort unabhängig. Wir werden im Januar noch einmal Gespräche dazu führen mit den sportpolitischen Sprechern der Fraktionen im Gemeinderat.

PZ: Ein Sportstätten-Projekt, das auch den Sportkreis seit vielen Jahren beschäftigt, ist der Ausbau des Stadions im Brötzinger Tal für den 1. CfR Pforzheim. Wird man wie jetzt geplant 2018 fertig?

Gudrun Augenstein: Vielleicht wird es 2018 eine Weihnachts-Überraschung. Toll wäre natürlich, wenn der CfR 2018/19 in die Regionalliga aufsteigen würde und die Spiele im neuen Stadion austragen könnte.

PZ: Was sind allgemein die größten Baustellen im Sportkreis?

Gudrun Augenstein: In den Vereinen wird es immer schwieriger, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. In Zusammenarbeit mit dem Badischen Sportbund bietet der Sportkreis seinen Vereinen und Fachverbänden Schulungen und Beratungen vor Ort an, um Ehrenamtliche weiterzubilden und neue zu gewinnen, die den künftigen Herausforderungen gerecht werden.

PZ: Die Sportförderung in Pforzheim ist ein Reizthema, weil sie landesweit am niedrigsten ist. Haben Sie die Hoffnung, dass sich unter dem neuen OB Peter Boch etwas positiv verändert?

Gudrun Augenstein: Wir haben mit Herrn Boch gute Gespräche geführt. Er hat Verständnis für unsere Probleme gezeigt. Aber es bleibt natürlich die Frage, ob er es fertigbringt, den Gemeinderat mitzunehmen. Und finanziell sind auch ihm die Hände gebunden.

PZ: Wie sieht es im Enzkreis aus mit der Sportförderung? Gibt es auch hier Sorgenkinder?

Gudrun Augenstein: Das steht 2018 auf unserer Agenda. Wir werden uns intensiv mit der Sportförderung des Landkreises und den Kommunen des Enzkreises befassen.

PZ: Wie man hört, lässt die Mitarbeit der Fachverbände im Sportkreis bisweilen zu wünschen übrig. Was ist da dran?

Gudrun Augenstein: Der erweiterte Vorstand des Sportkreises, dazu zählen auch alle Fachwarte, trifft sich satzungsgemäß ein bis zwei Mal im Jahr. Das ist Pflicht. Aber es kommen immer nur knapp die Hälfte. Das ist schade, weil wir bei diesen Terminen über die aktuellen Probleme sprechen, die alle Sportverbände betreffen. Auch die Kommunikation zwischen den Fachwarten und ihren Vereinen ist nicht immer optimal, wie man hört. Das wollen wir auch im neuen Jahr anpacken und verbessern.

PZ: Sie sind seit 2010 im Amt, Ihre Amtszeit geht bis 2019. Treten Sie noch einmal an?

Gudrun Augenstein: Diese Frage werde ich Ende 2018 erörtern, wenn wir mit dem Sportkreis-Vorstand den Kreistag 2019 vorbereiten.