Marode und stark sanierungsbedürftig  ist das Stadion Brötzinger Tal, wo der 1. CfR Pforzheim seine neue Bleibe finden soll.
Marode und stark sanierungsbedürftig ist das Stadion Brötzinger Tal, wo der 1. CfR Pforzheim seine neue Bleibe finden soll. 

Sportler sind in Pforzheim arm dran

Analyse belegt, dass die Unterstützung durch die Kommune bescheiden ist.
Jörg Lupus: Sport wird seit Jahren finanziell stark benachteiligt.

Eigentlich müssten auswärtige Besucher einer Sportveranstaltung in Pforzheim einen kostenlosen Bustransfer in die Stadt erhalten“, sagt Jörg Lupus im Scherz. Dann wäre der Sport dem Stadttheater Pforzheim gleichgestellt. Die Stadt gibt nämlich 80 000 Euro im Jahr dafür aus, dass Besucher mit dem Bus zum Theater fahren können.

Der Vorsitzende der SG Pforzheim/Eutingen hat in mühevoller Kleinarbeit die städtischen Haushalte der vergangenen Jahre unter die Lupe genommen und daraus eine bemerkenswerte, mehr als 20-seitige, Analyse erstellt. Quintessenz der gewonnenen Erkenntnisse: Der Sport ist, wenn es um städtische Zuschüsse geht, im Vergleich zu anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen, insbesondere der Kultur, krass benachteiligt. Dabei will Lupus die Förderung der anderen Bereiche keinesfalls in Abrede stellen. Er will nur Gerechtigkeit und damit Gleichbehandlung.

Anlass der Analyse war ein Beschluss des Gemeinderates vom 29. Juni 2010. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung wurden die Zuschüsse für Sporthallenmieten drastisch gekürzt. Gut 200 000 Euro sollten die Hallensport treibenden Vereine pro Jahr mehr bezahlen (die PZ berichtete). Wie wenig durchdacht dieser Schritt war zeigt die Tatsache, dass einige Vereine schlicht nicht in der Lage waren, Mehrkosten von teilweise mehr als 10 000 Euro im Jahr zu tragen. Sie waren in ihrer Existenz bedroht. Die Eishockeymannschaft des 1. CfR Pforzheim war das erste Opfer: Sie wurde vom Spielbetrieb abgemeldet. Mittlerweile hat die Stadt den Salto rückwärts vollzogen. Der Beschluss wird zurückgenommen. Der Gemeinderat muss das auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag noch absegnen. Nach den Vorberatungen im Sport- und Finanzausschuss dürfte dies nur noch eine Formsache sein.

Doch ganz freiwillig hat sich die Stadt nicht bewegt. Die Pforzheimer Vereine haben sich nämlich in Kooperation mit dem Sportkreis Pforzheim/Enzkreis zusammengeschlossen und gingen auf die Barrikaden. Am 5. Mai traf man sich im Sportheim der TGS Pforzheim, um Dampf abzulassen. Bei dieser Gelegenheit stellt Jörg Lupus erstmals seine Analyse vor. „Am Ende gab es großen Beifall“, erinnert sich Lupus. Er hatte den Vereinsvertretern aus der Seele gesprochen. Anhand von Zahlen aus dem städtischen Haushalt, die für jedermann öffentlich zugänglich sind, zeigte er auf, dass der Sport dem Rathaus und dem Gemeinderat offenbar nicht viel Wert ist. Der immense bildungs-, gesellschaft- und sozialpolitische Wert des Sports wird in den Sportförderrichtlinien der Stadt nicht gewürdigt. „Der Sport leistet ungeheuer wichtige Solzialarbeit, und das überwiegend mit ehrenamtlichen Mitarbeitern“, sagt Jörg Lupus.

Das haben die Rathausspitze mit Sportbürgermeisterin Monika Müller und der Gemeinderat inzwischen auch eingeräumt. Ein Umdenken hat stattgefunden. Die nicht mehr zeitgemäße Sportförderung soll der heutigen Sportlandschaft angepasst werden. Auch das soll am Dienstag im Gemeinderat beschlossen werden. Forderungen der Sportvereine und -organisationen sind: Keine Hallenkosten für die Vereine, so wie das in vergleichbaren Kommunen bereits der Fall ist. Die jährlichen „echten“ Zuschüsse von derzeit 345 000 Euro (ohne Zuschüsse für Hallenmiete) sollen deutlich aufgestockt werden, „wie das im Bereich Kultur und Bildung in den vergangenen Jahren geschehen ist“, so Jörg Lupus.

Diskutiert werden soll auch über einen Sportentwicklungsplan für Pforzheim. Ein wichtiger Punkt dabei: Will man in der Stadt Leistungssport fördern oder nicht? Denn Pforzheim – und der Enzkreis – hinken hier im Vergleich zu anderen Regionen in Baden-Württemberg weit hinterher.