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Bevor Clubhaus (rechts) und Tribüne im Brötzinger Tal fertig sind, müssen noch ein paar Hürden genommen werden.
Bevor Clubhaus (rechts) und Tribüne im Brötzinger Tal fertig sind, müssen noch ein paar Hürden genommen werden.
28.07.2016

Stadion im Brötzinger Tal: Ende der Sanierungen erst 2017 - Tribüne wird neu gebaut

Pforzheim. Gut Ding braucht Weile, sagt der Volksmund. So gesehen könnte die Sanierung im Stadion Brötzinger Tal besonders gut gelingen. Denn die Arbeiten an der neuen Sportstätte des 1. CfR Pforzheim befinden sich – gemessen am ursprünglichen Zeitplan – bereits in der Verlängerung (siehe Kasten).

GDieser Tage hat der Verein bei der Stadt den Bauantrag für die Neuplanung der Tribüne eingereicht. Denn diese wird nicht saniert, wie vorgesehen, sondern komplett neu gebaut (die PZ berichtete). Deshalb war das neue Baugesuch fällig. Der Gemeinderat geht jetzt in die Sommerpause und wird im Oktober darüber befinden. Sollte alles glatt gehen, rechnet der CfR-Vorstandsvorsitzende Markus Geiser mit einem Baustart der Tribüne im Februar/März 2017. Ende 2017 sollte die Tribüne und damit auch die Gesamtmaßnahme im Brötzinger Tal fertig sein. Zur Rückrunde der Saison 2017/18 könnte der Verein dann komplett vom Stadion Holzhof in den Pforzheimer Westen umziehen.

Planung mit Hindernissen

Im Januar 2011 schrieb die PZ in einem Beitrag zum Thema Stadion für den 1. CfR Pforzheim: „Der Vorgang hat das Zeug zur Never-Ending-Story.“ Gerade war bekannt geworden, dass der vor gut einem halben Jahr gebildete Fusionsverein nicht wie geplant ins Stadion Holzhof ziehen kann – weil dieses in einer Wasserschutzzone liege. Beim CfR war man überrascht. Vorstandsvorsitzender Markus Geiser meinte damals: „Die Aussicht, dass der Holzhof unsere sportliche Heimat wird, war ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung pro Fusion.“
Man einigte sich auf das Brötzinger Tal. Im Januar 2013 wurde nach langen und kontroversen Verhandlungen der Vertrag zwischen CfR und Stadt Pforzheim über Sanierung und Umbau des Stadions unterzeichnet. Bei optimalem Verlauf sollte im Sommer 2014 alles fertig sein. Dann änderte man im November 2013 die Reihenfolge der Maßnahmen (Clubhaus früher), beschloss Anfang 2016, die Tribüne nicht zu sanieren, sondern neu zu bauen, und musste auf Wunsch der Stadt beim Brandschutz im Clubhaus nachbessern (Mai 2016). Dadurch verzögert sich die Maßnahme erheblich. mm

 Was den Tribünen-Neubau angeht, steht Sportbürgermeisterin Monika Müller an der Seite des CfR. „Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Gemeinderäte die Notwendigkeit eines Neubaus – statt der ursprünglich angedachten Sanierung – sieht und sich bewusst ist, dass eine Tribüne in Größe und Funktionalität zukunftsfähig sein muss“, sagt Müller und fügt hinzu: „Zur sportlichen Infrastruktur einer Stadt mit inzwischen 125 000 Einwohnern wird auch in Zukunft mindestens ein Stadion mit ausreichender Zuschauerkapazität gehören – zumal dort ja neben Fußball auch Rugby und American Football zu sehen sein werden.“

Nicht lustig

Spötter sagen schon, die Maßnahme zieht sich hin wie der Berliner Großflughafen oder das Bahnprojekt Stuttgart 21. Markus Geiser findet solche Aussagen nicht lustig. „In diese Lage sind wir als Verein ja nur gekommen, weil das Stadion Holzhof plötzlich tabu war. Und zwei Jahre Verzögerung bei zwei größeren Planungsänderungen sind noch im Rahmen“, weiß Geiser als erfahrener Architekt.

Weil die Gesamtmaßnahme teurer kommt als geplant, wird die Tribüne – wenn der Gemeinderat sein Okay gibt – in leicht abgespeckter Form gebaut. So gibt es beispielsweise nur acht statt zehn Umkleiden. Die neue Tribüne wird rund 850 000 Euro mehr kosten, als der Planansatz von 2013, als man rund eine Million vorgesehen hatte.

Weil auch das Clubheim wegen städtischer Auflagen (nachträgliche Brandschutzmaßnahmen und ein Aufzug) rund 300 000 Euro teurer kommt, wird weiter gespart, um den Kostenrahmen (ursprünglich einmal 3,3 Millionen Euro) nicht weiter zu sprengen. Platz zwei wird somit kein Kunst-, sondern nur ein Naturrasen. „Wir drehen jeden Stein um, um den Etat zu entlasten“, sagt Markus Geiser.

Der Verein sucht derzeit auch einen Pächter für das neue Clubhaus, das im Rohbau fertig ist. Man war sich schon fast einig mit einem Interessenten, doch der zögert noch. „Das zieht sich ein bisschen, aber wir haben hier ja keine unmittelbare Not“, erklärt Markus Geiser.

Geld in die Kasse könnten Regressforderungen gegen die im November 2015 abgelöste Bauleitung bringen. Dieser werden Versäumnisse bei der Bauleitung vorgeworfen. Für Planung und Bauleitung ist neuerdings das Ingenieurbüro Noller aus Pforzheim zuständig.

Duschen beim Nachbarn

Nach dem Abriss der Tribüne Anfang kommenden Jahres wird der CfR teilweise beim Nachbarn GU-Türk. SV Pforzheim Duschen und Umkleiden nutzen können. „Wir stehen da in sehr positiven Gesprächen“, berichtet Markus Geiser. Voraussichtlich wird der Verein zur Überbrückung der Bauphase auch Dusch- und Umkleide-Container aufstellen. Wer gedacht hat, der CfR könnte für eine Übergangszeit auch sportliches Asyl beim SV Kickers finden, weil dieser in der laufenden Saison keine Herren-Mannschaft stellt, täuscht sich. „Wir haben keine freien Kapazitäten“, sagt Nikolai Ziegler vom Kickers-Vorstand. Man habe allerdings schon Anfragen von anderen Vereinen wegen der Nutzung des Kunstrasens im Winter.