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Marcel Nguyens EM-Medaille macht seinem Team Hoffnung. Foto: dpa
Marcel Nguyens EM-Medaille macht seinem Team Hoffnung. Foto: dpa
30.05.2016

Stars von KTV-Straubenhardt machen deutschen Turnern Hoffnung

Nach der EM in Bern dürfen sich noch zehn deutsche Turner Hoffnungen auf Olympia in Rio machen. Viel wird davon abhängen, wie schnell die Leistungsträger Andreas Bretschneider von der KTV Straubenhardt sowie Fabian Hambüchen fit sind. Marcel Nguyen von der KTV ist seit seinen beiden Silbermedaillen bei Olympia 2012 in London eine feste Größe in der Turner-Welt. Nach einem Kreuzbandriss und einer langen Pause meldete sich der Sportsoldat bei der EM mit Bronze am Barren eindrucksvoll zurück und verpasste dem gesamten Team einen Mutmacher für Rio.

„Jetzt darf ich mir nach dem Stress der letzten Wochen mal eine kleine Auszeit gönnen: Die Vorbereitung wird extrem. Wahrscheinlich noch härter als London, weil die zweite Olympia-Quali im April viel Kraft gekostet hat“, sagt der Straubenhardter Spitzenturner. Nguyen trägt den häufigsten vietnamesischen Namen, der soviel wie „schöner Wohlstand“ bedeutet. Sein Vater stammt aus dem asiatischen Land, doch viel populärer wurde der Turner mit „asiatischer Leichtbauweise“ – so Cheftrainer Andreas Hirsch – vor vier Jahren in Hongkong. Unzählige Male tingelte er in chinesische Metropolen, wo ihn Hunderttausende Fans auch via Facebook feierten. Er eröffnete Kaufhäuser, gab Autogrammstunden, weilte als Promi bei Autorennen.

Natürlich spülte der sportliche Erfolg schöne Sponsoren-Einnahmen auf sein Konto, doch „satt“ ist Marcel Nguyen nicht. „Ich habe wieder einen kompletten Sportler. Er hat Biss und will unbedingt etwas reißen. Das spürt man“, sagte Cheftrainer Hirsch.Der Coach hat allerdings auch viele Sorgen.

Nach Hambüchen, der sich seit Februar mit einer akuten Schulterentzündung quält, laboriert nun Reck-Spezialist Andreas Bretschneider von der KTV Straubenhardt an einer Sehnenverletzung der Schulter. Im Verband hat indes ein Umdenken in Sachen Qualifikation eingesetzt. „Am Ende zählen nur Medaillen. Und wenn wir einschätzen, dass wir nur wenig Chancen im Team und im Mehrkampf haben, müssen wir die volle Konzentration auf die Einzel-Geräte legen“, sagte DTB-Präsident Rainer Brechtken. Die Top-Turner Hambüchen, Nguyen und Bretschneider kündigten bereits an, in Rio keinen Sechskampf zu turnen.

Gute Rio-Chancen im zehnköpfigen Kader haben derzeit Allrounder Andreas Toba (Hannover) und Barren-Spezialist Lukas Dauser von der KTV Straubenhardt. Philipp Herder aus Berlin turnt stabil, hat aber kaum Höchstschwierigkeiten anzubieten. Das könnte die Chance auf eine Überraschungs-Nominierung der Routiniers Matthias Fahrig (Halle) und Waldemar Eichorn (Saarbrücken) sein. Beide müssen bis zu den Meisterschaften am 25./26. Juni in Hamburg und der Qualifikation in Frankfurt (9. Juli) den Fokus auf Perfektion legen.