nach oben
Da er einem Vordermann zu nahe kam, musste Sebastian Kienle eine Fünf-Minuten-Strafe hinnehmen. Foto: dpa
Da er einem Vordermann zu nahe kam, musste Sebastian Kienle eine Fünf-Minuten-Strafe hinnehmen. Foto: dpa
In Buschhütten sicherte sich Jan Frodeno ohne große Mühe den Sieg. Foto: dpa
In Buschhütten sicherte sich Jan Frodeno ohne große Mühe den Sieg. Foto: dpa
05.05.2019

Strafe für Sebastian Kienle, lockerer Sieg von Jan Frodeno

Triathlet Sebastian Kienle aus Mühlacker verliert fünf Minuten und wird dadurch nur Siebter beim 70.3 Ironman im US-Bundesstaat Utah. In einem anderen Rennen ist sein langjähriger Rivale Jan Frodeno nicht aufzuhalten.

Jan Frodeno ist zurück. Während er mit einem Sieg in Südwestfalen in die Triathlon-Saison startete, verpasste Sebastian Kienle aus Mühlacker in den USA den Sieg und das Podest. Letzteres lag daran, dass gegen Kienle in St. George wegen Windschattenfahrens eine fünfminütige Strafe ausgesprochen wurde.

Der Senderstädter, der 2014 Ironman-Weltmeister war, belegte am Samstag beim 70.3 Ironman im US-Bundesstaat Utah letztlich den siebten Platz. Der 34-jährige Kienle benötigte für 1,9 Kilometern Schwimmen, 90 Kilometern Radfahren und 21,1 Kilometern Laufen 3:53:28 Stunden. Auf Platz eins wies er einen Rückstand von 4:18 Minuten auf.

Kienle räumt Fehler ein

Es sei seine erste Strafe nach über zehn Jahren als Profi gewesen, schrieb Kienle im Internet bei Instagram. Er räumte ein, zu nah am Vordermann dran gewesen zu sein, habe sich aber weder einen Vorteil verschaffen, noch einen anderen Teilnehmer behindern wollen. „Das wäre Betrug und ich habe nicht betrogen“, schrieb Kienle. In der Vergangenheit hatte er dem amtierenden Hawaii-Weltmeister Patrick Lange vorgeworfen, sich durch Windschattenfahren Vorteile verschaffen zu wollen.

In St. George siegte am Ende Rodolphe Von Berg (USA/3:49:10 Stunden). Zweiter wurde Bart Aermouts aus Belgier. Dritter der Kanadier Jackson Laundry.

Für Kienle war es das erste Rennen seit seinem Verletzungs-Aus bei der Ironman-Weltmeisterschaft im Oktober vergangenen Jahres auf Hawaii. Eine hartnäckige Achillessehnenverletzung ließ ihn danach noch längere Zeit nur eingeschränkt trainieren. In den vergangenen Wochen hatte er im spanischen Girona unter anderem mit dem zweimaligen Ironman-Weltmeister Jan Frodeno trainiert.

Der 37-jährige Olympiasieger von 2008 ließ sich bei seinem ungewohnten Ausflug auf die Kurzdistanz gestern in Buschhütten weder von Temperaturen im einstelligen Bereich noch von einsetzendem Regen oder eben von der Konkurrenz stoppen. Der Hawaii-Sieger von 2015 und 2016 sagte am Ende: „Es war für mich auch ein wichtiger Meilenstein, bei Kälte ein Rennen so zu gestalten.“ Dies sei ja nicht unbedingt seine Stärke gewesen.

Er musste einem Kilometer Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und 10 Kilometern Laufen. „So ein Rennen allein zu bestreiten, ist immer eine schön Sache“, meinte Frodeno. „Die Taktik war so oder so: Vollgas geben.“

Auf der Zielgerade klatschte Frodeno die Zuschauer ab. Nach seinem ersten Sieg beim Frühjahrsklassiker Buschhütten ist er seit über einem Jahr ungeschlagen. In 1:38:38 Stunden verwies Frodeno Andreas Böcherer aus Freiburg auf Platz zwei. Der Sieger der vorangegangenen beiden Auflagen war 1:37 Minuten langsamer. Dritter wurde Ex-Radprofi Ruben Zepuntke aus Düsseldorf.

Bei den Frauen feierte die deutsche Top-Triathletin Laura Philipp eine Woche nach ihrem Sieg beim 70.3 Ironman in Marbella (1,9 Kilometer/90/21,1) einen weiteren Erfolg. Auch die 32-jährige Mannheimerin ist seit über einem Jahr ungeschlagen.

Raus aus der Komfortzone

Frodeno wollte zum Start in die neue Saison raus aus der Komfortzone und neue Reize setzen. Er hatte 2018 nach dem WM-Titel über die halbe Ironman-Distanz für Hawaii wegen einer Stressfraktur in der Hüfte absagen müssen. Über die Kurzdistanz war er zuletzt vor sechs Jahren gestartet.

Fürs Schwimmen im Freibad benötigte Frodeno 11:59 Minuten. Sein Rad-Einsatz auf einer abgesperrten Schnellstraße war nach 53:21 Minuten absolviert und der abschließende Lauf nach 33:19 Minuten.

Vor dem Start hatte Frodeno gesagt: „Ich bin aktuell besser drauf als zum gleichen Zeitpunkt letztes Jahr.“ Bei der Ironman-EM am 30. Juni in Frankfurt werden dann Frodeno, Lange und Kienle aufeinandertreffen. Der Hesse Lange will zunächst am kommenden Wochenende in Vietnam über die Halbdistanz starten.