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20.10.2009

Straubenhardter Turner unter Schock - Rjasanow tot

STRAUBENHARDT. Vier Tage nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in London ist Juri Rjasanow tödlich verunglückt. Der Turner der KTV Straubenhardt starb bei einem Verkehrsunfall östlich von Moskau. Rjasanow war ein langjähriger Rivale des deutschen Spitzensportlers Fabian Hambüchen.

Trauer und Bestürzung herrschte beim Turn-Bundesligisten am Dienstag, nachdem die Nachrichten aus dem fernen Russland in der Schwarzwaldgemeinde bekannt geworden waren. „Wir sind alle geschockt. Ich kann noch gar nicht viel sagen. Er war ein toller Athlet, auf den wir in Zukunft gebaut hatten. Das ist zutiefst traurig“, so Horst Rapp, der Vorsitzende des KTV-Fördervereins, zur Pforzheimer Zeitung.
Der 22-jährige Rjasanow war die Neuentdeckung des Bundesligisten in dieser Saison. Der Sechskämpfer hatte zwar erst zwei Wettkämpfe für den Bundesligisten bestritten, dabei aber kräftig gepunktet. Dass der junge Russe zur Weltspitze zählt, hatte er gerade erst bei den Weltmeisterschaften mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Mehrkampf unterstrichen. Zuvor war er zweimal Mehrkampf-Dritter bei der EM.
„Das ist eine ganz traurige Geschichte. Er war ein superguter Typ“, sagt Alexei Grigoriev. Der Trainer der KTV Straubenhardt, der ebenfalls russische Wurzeln hat, hatte erst am Montag noch mit Rjasanow telefoniert. Den der junge Russe sollte in den nächsten Tagen wieder nach Deutschland kommen, um für die KTV Straubenhardt beim Auftakt zur zweiten Hälfte der Bundesliga-Saison im Wettkampf beim NTT Hannover an die Geräte zu gehen.

Nach Grigorievs Informationen waren die russischen Turner am Montag von der WM heimgekehrt und hatten den Abend gemeinsam in Moskau verbracht. Rjasanow war am Dienstagmorgen zur deutschen Botschaft gefahren, um sich ein Visum für den Bundesligakampf am Samstag zu besorgen.

Danach wollte Rjasanow zu seinen Eltern nach Wladimir, 200 Kilometer östlich von Moskau. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtet, dass der Chevrolet des jungen Turners auf der Schnellstraße M 7 aus bislang unbekannten Gründen frontal mit einem Audi zusammengestoßen ist. Der Unfall soll sich ganz in der Nähe des Elternhauses ereignet haben. Während Rjasanow starb, wurden zwei Insassen des Audi verletzt.
In Straubenhardt informierte Alexei Grigoriev die anderen Mitglieder der Mannschaft, die ebenfalls zutiefst geschockt waren. „Unfassbar“ nannte der junge Dimitri Walter die Nachricht vom tödlichen Unfall. Entsetzen auch im Hause Hambüchen. Fabian Hambüchen war auf internationalem Parkett einer der großen Konkurrenten Rjasanows, in Straubenhardt waren beide inzwischen Teamkollegen. „Juri sprach zwar sehr wenig englisch, aber er war ein sehr kommunikativer Mensch“, sagte Wolfgang Hambüchen, Fabians Vater und Trainer.

Alexei Grigoriev will nun versuchen, am Wochenende zur Beerdigung Rjasanows nach Russland zu fliegen – wenn er ein Visum bekommt. Beim Bundesligakampf in Hannover würde ihn dann Grigorievs Vorgänger Herbert Laupp die KTV-Turner betreuen.