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Der Anfang vom Ende der Stuttgarter Halbfinalträume: Der Münchner Franck Ribery bejubelt seinen Treffer zum 0:1 für den FC Bayern.
Der Anfang vom Ende der Stuttgarter Halbfinalträume: Der Münchner Franck Ribery bejubelt seinen Treffer zum 0:1 für den FC Bayern. © Uli Deck/dpa
08.02.2012

Stuttgart im Pokal chancenlos - auch Hoffenheim raus

Stuttgart (dpa) - Der FC Bayern München hat zurück zu alter Stärke gefunden und souverän das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Das 2:0 (1:0) am Mittwoch beim dankbaren Aufbaugegner VfB Stuttgart dürfte die in den vergangenen Tagen aufgekommene Unruhe in München erst einmal eindämmen.

Franck Ribéry (30. Minute) und Mario Gomez (46.) schossen vor 57.500 Zuschauern in der ausverkauften Mercedes-Benz -Arena die Treffer für die Bayern, im Blickpunkt stand aber auch noch ein anderer Star. Denn mit der Verletzung von Bastian Schweinsteiger mussten die Münchner den Pokal-Erfolg teuer bezahlen.

Der Nationalspieler wurde nach einem Tritt von Georg Niedermeier auf den Knöchel bereits in der 5. Minute behandelt. Zwar konnte der 27-Jährige zunächst weiterspielen, doch nach einer Viertelstunde war für ihn endgültig Schluss. Nach Angaben von Sportdirektor Christian Nerlinger soll eine Untersuchung am Donnerstag in München Aufschluss über die Schwere der Blessur Schweinsteigers geben.

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Damit fehlte Coach Jupp Heynckes neben Arjen Robben, den er auf der Bank gelassen hatte, ein weiterer Spielgestalter - zu spüren war davon auf dem Rasen allerdings wenig. Nur 20 Minuten lang stand der Süd-Klassiker im Zeichen der Schwaben, während sich die Bayern trotz der mahnenden Worte ihres Trainers zunächst ähnlich einfallslos präsentierten wie in den vergangenen Wochen. Beim Kopfball von Winter-Einkauf Vedad Ibisevic (10.) lag sogar die Führung für den VfB in der Luft, bei dem Coach Bruno Labbadia vier gelernte Stürmer aufgeboten hatte.

Doch dann erwies sich ein Lattenschuss von Toni Kroos (20.), der auf der Zehner-Position deutlich besser zur Geltung kam als in defensiverer Rolle, als Muntermacher für die Münchner. Fortan bestimmte der immer selbstsicherer aufspielende Rekord-Pokalsieger das Geschehen gegen einen VfB, der stark abbaute und meist nur noch hinterherlaufen konnte.

45 Sekunden nach Wiederanpfiff war die Frage nach dem Gewinner des Süd-Klassikers endgültig beantwortet. Nach einer Flanke von Müller konnte sich Gomez praktisch die Ecke aussuchen. Zwar parierte VfB-Keeper Sven Ulreich den ersten Versuch des Nationalstürmers, doch gegen den nachsetzenden Gomez war auch der beste Stuttgarter machtlos.

Auch Mönchengladbach im Halbfinale

Vor den Bayern hatten sich am Mittwochabend bereits Greuther Fürth und Borussia Mönchengladbach sowie am Dienstag Borussia Dortmund ein Halbfinal-Ticket gesichert .Mönchengladbach, das Überraschungs-Team der Fußball-Bundesliga, schlug den Ligakonkurrenten Hertha BSC in Berlin mit 2:0 nach Verlängerung. Nach 90 Minuten hatte es 0:0 gestanden. Gladbachs Kapitän Filip Daems traf in der 101. Minute per Foulelfmeter, der eingewechselte Oscar Wendt machte in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Endstand perfekt. Vor dem Elfmeter hatte Herthas Abwehrspieler Roman Hubnik wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen, nachdem der Unparteiische Felix Brych im Berliner Strafraum nach einem Wortgefecht von Hubnik gegen Igor Camargo einen Kopfstoß gesehen hatte.

«Die Krönung war, was der Schiedsrichter in der Verlängerung gepfiffen hat. Hier sind 50.000 Zuschauer im Stadion. Keiner hat gesehen, was er gesehen hat», sagte Michael Skibbe. Berlins neuer Trainer stellte fest: «Das war eine eindeutige Fehlentscheidung.»

Hoffenheim raus, Trainer Stanislawskis Zeit läuft ab

Eine Rote Karte gab es auch beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen Greuther Fürth: Hoffenheim-Profi Marvin Compper sah wegen eines Wischers ins Gesicht von Stephan Fürstner in der 36. Minute die Rote Karte. Mit zehn Spielern verlor der Bundesliga-Achte am Mittwoch im Viertelfinale gegen den Zweitliga-Spitzenclub mit 0:1 (0:1) und verabschiedete sich nach einer desolaten Leistung sang- und klanglos aus dem Wettbewerb. Vor der Minuskulisse von 14 000 Zuschauern in Sinsheim besiegelte ein Tor von Olivier Occean in der 44. Minute die Pokal-Sensation und beförderte Fürth erstmals in die Vorschlussrunde.

Nach der Pokal-Blamage gegen die SpVgg Greuther Fürth dürften die Tage von Holger Stanislawski als Trainer von Hoffenheim gezählt sein. «Das ist richtig enttäuschend für uns, weil wir eine gute Partie geboten haben. Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Sie sind heute brutal marschiert. Leider ist uns das Tor nicht geglückt», sagte der zuletzt von Club-Mäzen Dietmar Hopp öffentlich kritisierte Stanislawski.

Eine Solidaritätserklärung von Ernst Tanner gab es nach der Partie nicht: Der Manager nahm nach der Pressekonferenz kurz den 1899-Coach in den Arm und verschwand entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit nach nur wenigen Worten: «Ich werde mich zur Trainersituation mit Sicherheit nicht äußern. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, wenn alles mit Emotionen geladen ist.» Als möglicher Nachfolger Stanislawski wird in Hoffenheim bereits der Ex-Berliner Markus Babbel gehandelt.