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Beleg des Unmuts vieler Fans: Sie verweigerten dem Aufsichtsrat die Entlastung.
Beleg des Unmuts vieler Fans: Sie verweigerten dem Aufsichtsrat die Entlastung.
Furchtlos muss Präsident Bernd Wahler sein – schließlich bekam er den Ärger der Fans in Form des Abstimmungsergebnisses zu spüren. Baumann
Furchtlos muss Präsident Bernd Wahler sein – schließlich bekam er den Ärger der Fans in Form des Abstimmungsergebnisses zu spüren. Baumann
12.10.2015

Symbolische Ohrfeigen beim VfB

Gewinnbringend war die bisherige Spielzeit beim VfB Stuttgart ja nicht gerade. Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle macht das deutlich. Der Club ist Letzter. Immerhin ist der VfB Stuttgart im Geschäftsjahr 2014 zumindest finanziell in der Gewinnzone angelangt – bei der Versammlung vor 1500 Mitgliedern des VfB Stuttgart in der Stuttgarter Porsche-Arena legte der Verein die Zahlen für 2014 auf den Tisch.

Die Schwaben sind erstmals seit 2011 wieder in der Gewinnzone, knapp 900 000 Euro hat der VfB erwirtschaftet. Dennoch ist die Unzufriedenheit groß. Die Mitglieder verteilten am Ende der viereinhalbstündigen Versammlung symbolische Ohrfeigen. Mit 51,4 Prozent Nein-Stimmen verweigerten die VfBler dem Vorstand für 2014 – und somit Wahler und die sich nicht mehr im Amt befindenden Ex-Vorstände Fredi Bobic und Ulrich Ruf – die Entlastung. Der Denkzettel für das Kontrollorgan Aufsichtsrat fiel noch heftiger aus. Hier verweigerten 71,3 Prozent der Abstimmenden dem Gremium die Gefolgschaft. „Wir nehmen das als Ansporn, unsere Arbeit zu verbessern“, sagte Aufsichtsratsboss Jochen Schmidt unter gellenden Pfiffen.

Unter dem Schnitt

Der VfB gehört nicht mehr zu den Großen der Liga. Wer daran noch Zweifel hatte, braucht nur auf die Finanzen zu schauen. Ein langjähriger sportlicher Abwärtstrend mit zwei Jahren Abstiegskampf schlägt voll auf die Zahlen durch. So lag der Umsatz in der Saison 2013/14 mit 106,6 Millionen satte 29,3 Millionen Euro unter dem Bundesligaschnitt. Der Abstand zu den Top Sechs mit ihren 244,2 Millionen Umsatz im Schnitt fällt noch krasser aus. Auch bei den Personalkosten liegt der Club unterm Liga-Schnitt. Sie sind seit 2009 von 67,6 Millionen Euro auf 42,1 Millionen gesunken. „Wir können diese Kosten nicht weiter senken, sie müssen wieder nach oben gehen“, sagt Finanzvorstand Stefan Heim. Für die aktuelle Saison plant der VfB mit 44,5 Millionen Euro fürs kickende Profipersonal. Aber ob diese Summe ausreicht, um die Liga zu halten?

Vereinspräsident Bernd Wahler sparte gestern Nachmittag nicht mit Selbstkritik und stärkte den viel kritisierten Trainer. „Alexander Zorniger verändert die Spieler. Er zeigt Kante, dabei hat er auch ein paar Mal überzogen. Wir haben das intern mit ihm besprochen. Alles andere müssen Mannschaft und Trainer nun auf dem Platz regeln.“

Sportvorstand Robin Dut knöpfte sich gestern auch die VfB-Profis vor: „Die Mannschaft darf nicht nur an die Höchstleistung gehen, wenn ihr das Wasser bis hier oben steht.“ Dutts Hand ging dabei an seine Lippen. Dramatisch sah das aus. Der Schiffbrüchige VfB, kurz vorm Ertrinken. Dass die VfB-Fans das genauso sehen, machten sie mit lautem Beifall deutlich. Dennoch kritisierten sie weniger die schwache Ausbeute, sondern vor allem Zornigers Nachäffen von Timo Werner nach dessen vergebener Siegtorchance beim 2:2 gegen Hoffenheim. Auch Aufsichtsrat Eduardo Garcia störte sich an der Wortwahl des Trainers.