760_0900_25427_.jpg TGS: Eine gefühlte Niederlage
Disput: TGS-Kreisläufer Michal Wysokinski (Zweiter von rechts) und Gäste-Spielmacher Christian Dürner (links) flogen nach einem Wortgefecht vom Feld.Hennrich 

TGS: Eine gefühlte Niederlage

Die TGS Pforzheim kommt gegen die SG H2Ku Herrenberg nur zu einem 29:29. In letzten 20 Minuten verspielen die Gastgeber eine Sieben-Tore-Führung.

Nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle, nach einer emotionalen Partie mit hohem Unterhaltungswert war auch Andrej Klimovets ein bisschen durcheinander. „Nein, die Rote Karte für Michal Wysokinski war nicht der Grund für die Niederlage“, erklärte der Trainer der TGS Pforzheim auf Anfrage. Dabei hatte sein Team gar nicht verloren. 29:29 (18:15) endete die Partie gegen die SG H2Ku Herrenberg in der 3. Liga nach 60 dramatischen Minuten.

Aber für die Pforzheimer war es eine gefühlte Niederlage. Als 40 Minuten gespielt waren, führten sie noch 24:17. Dann aber gestatteten sie es den Gästen, sich Tor für Tor zum letztlich verdienten Remis heranzukämpfen. „Am Ende mussten wir über den Punkt froh sein“, sagte Klimovets.

Starke sieben Minuten

Bis zum 10:10 bildeten die Führung für eine Mannschaft und der direkte Ausgleich einen steten Rhythmus. Dann setzten sich die Pforzheimer durch Tore von Florian Taafel, Wysokinski, Valentin Hörer und Nils Brandt auf 14:11 erstmals ab, verteidigten den Vorsprung bis zur Pause (18:15). Es folgten sieben Spielminuten, die die TGS-Fans auf den vierten Sieg in Folge hoffen ließen. Die junge Herrenberger Mannschaft versemmelte Wurf um Wurf. Auf der anderen Seite bauten mit Frederik Zergon, Wysokinski und Brandt drei der besten im TGS-Team die Führung auf 22:15 scheinbar vorentscheidend aus.

Aber nur scheinbar. Was nun folgte, ist ein Phänomen, das man im Handball immer wieder zu sehen bekommt. „Jeder nimmt es dann ein bisschen locker, jeder hat eine eigene Idee, jeder macht einen Schritt weniger“, schilderte Klimovets seine Sicht der Dinge. Die Herrenberger machten fünf Treffer in Folge. Und bei den Pforzheimern war – möglicherweise auch durch verstärkte Wechsel – der Spielfluss weg. Es fehlte aber auch ein bisschen die Kraft, wie Nils Brandt, mit sieben Toren bester Werfer seines Teams, einräumte: „Uns ging etwas der Saft aus. Die Phase, in der wir Herrenberg nicht stoppen konnten, war einfach zu lang.“

Noch eine Szene beeinflusste den Spielfluss auf beiden Seiten. TGS-Kreisläufer Michal Wysokinski und Gäste-Spielmacher Christian Dürner gerieten in der 45 Minuten heftig aneinander. Erst bekamen beide eine Zeitstrafe aufgebrummt. Und als sie sich auf dem Weg zur Bank weiter verbal beharkten, bekamen beide auch noch die Rote Karte.

Die Gäste konnten den Verlust aber besser kompensieren. Den Pforzheimern fehlte ihr bulliger Kreisläufer als Brecher am Kreis ebenso wie als Vollstrecker. Die Gäste-Abwehr konnte sich nun voll und ganz auf den TGS-Rückraum konzentrieren und so auch die letzte halbe Minute, als Pforzheim noch einmal Ballbesitz hatte, unbeschadet überstehen.

TGS Pforzheim: Binder, Hämmerling – Taafel 6/3, Kaiser, Ast, Kusterer, Wysokinski 4, Zergon 5, Hörer 3, Brandt 7, Zluhan 4, Pietrucha,Kikillus, Hoffmann

SG H2Ku Herrenberg: Eipperle, Dold – Bonhage 1, Rau 4, Appelrath, Somnitz, Merz 2, Schmiederer 2, Schoch 9/1, Dürner 3, Kohler 1, Brandner 3, Geist 1, Djurjevic 3, Krämer, Klisch

Schiedsrichter: Lay/Morlock (Bruchsal/Östringen)

Zeitstrafen: 5 / 6

Rote Karte: Wysokinski / Dürner (beide 45.)

Spielstenogramm: 10:10, 14:11, 18:15 (Halbzeit), 22:15, 24:17, 24:22, 26:26, 29:29