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Zuletzt entschied Simon Terodde die Partie gegen Arminia Bielefeld (3:1) im Alleingang (links Gästespieler Julian Börner). Foto: Calagan
Zuletzt entschied Simon Terodde die Partie gegen Arminia Bielefeld (3:1) im Alleingang (links Gästespieler Julian Börner). Foto: Calagan
07.11.2016

Terodde ohne Marotte: Der Torjäger des VfB besticht durch Leistung und Bescheidenheit

Mit seinen Neuverpflichtungen hat das Management des VfB Stuttgart nicht immer ein glückliches Händchen. Dass Simon Terodde ein Hit für den aktuellen Fußball-Zweitligisten werden würde, bedurfte dagegen keiner besonders hellseherischen Gabe. Schließlich avancierte der 26-jährige Münsterländer schon in der vergangenen Saison mit 25 Treffern zum Torschützenkönig der zweiten Bundesliga – damals noch beim VfL Bochum. Und in der Saison zuvor schaffte er es auf Platz zwei.

Doch das alles will er gar nicht hören. Nach dem 3:1-Sieg des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld stellt sich der gebürtige Bocholter ganz in den Dienst der Mannschaft. „Ob ich Torschützenkönig werde, spielt für mich keine große Rolle. Ich hoffe vielmehr darauf, dass ich im Mai mit dem VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga feiern darf,“ versichert er. Und auch ein Nachhaken ergibt keine andere Auskunft: „Also wirklich, das ist für mich nicht wichtig.“ Er klopft dem PZ-Journalisten auf die Schulter und verschwindet mit einem freundlichen Lächeln in Richtung Bus.

Mit links, rechts und per Kopf

Zuvor beantwortet er geduldig alle Fragen. Auch zu seinen Saisontreffern fünf bis sieben gibt er bereitwillig Auskunft – womit er in Lauerstellung direkt hinter dem Nürnberger Guido Burgstaller liegt, der es bereits auf zehn Einschüsse bringt. Selbst seiner Vielseitigkeit misst Terodde keine besondere Bedeutung bei. Dabei trifft er zur 1:0-Führung mit rechts, zum 2:1 per Kopf (zwischenzeitlich hatte der Bielefelder Andreas Voglsammer ausgeglichen) und zum abschließenden 3:1 mit links. Vor allem sein letzter Treffer aus vollem Lauf heraus, ist eine Klasse für sich. „Mane hat eine gute Flanke serviert und ich habe den Deckel zugemacht“, analysiert er nüchtern. Das Lob für das 2:1 gibt er ebenso weiter: „Die schöne Flanke von Insua habe ich eben reingeköpft.“

Nur den Abspielfehler des Arminen-Schlussmannes Wolfgang Hesl, den Terodde eiskalt zum 1:0 verwertet, würdigt er ein bisschen: „Auch so ein Tor gehört für mich zu den schönsten.“ Kollege Florian Klein, der das 1:0 vor seiner Einwechslung auf der Bank erlebt, schwärmt noch mehr: „So ein Tor mit Pressing musst Du Ðir erst verdienen.“ Und Klein, der auf Einsätze im österreichischen Nationalteam am Samstag gegen Irland und am Dienstag gegen die Slowakei hofft, erinnert sich: „In den beiden Spielen, als er verletzt war, hat er uns sehr gefehlt.“

In Euphorie bricht Terodde keineswegs aus, obwohl er bei sechs Schüssen eine stolze Trefferquote von 50 Prozent verzeichnet. „Das Spiel stand auf des Messers Schneide. Wir müssen immer hellwach sein. Das ist uns in der ersten Halbzeit nicht so gelungen.“ Damit umschreibt der Torjäger vornehm, dass sich in der Hintermannschaft immer wieder Bruder Leichtfuß einschleicht.

Nur mit einer konzentrierteren Abwehrleistung kann der VfB Stuttgart in der nächsten Partie am Sonntag, 20. November, bei Union Berlin zum Sprung an die Spitze ansetzen – dann ohne den gelbgesperrten Kevin Großkreutz.