760_0900_104785_PHOTO_2019_09_10_12_40_15.jpg
In Nizza hat Hobby-Triathlet Thomas Fritsch erstmals an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Foto: privat

Thomas Fritsch aus Illingen mischt beim WM-Triathlon in Nizza mit

Illingen/Nizza. Einen alles andere als gewöhnlichen Familienurlaub hat Thomas Fritsch mit einer WM-Teilnahme im Triathlon abgeschlossen. In Nizza meisterte am Sonntag außer Profi Sebastian Kienle aus Mühlacker auch der Illinger die Halbdistanz (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21,1 Kilometer Laufen).

Am Ende freute sich Fritsch darüber, „zwei Marken unterschritten“ zu haben. Da der Illinger nach 4:52,46 durchs Ziel ging, blieb er bei dem anspruchsvollen Wettkampf unter der Fünf-Stunden-Marke. Zudem war er in der Altersklasse 45 bis 49 Jahre unter den besten 50. In seiner Kategorie belegte Fritsch Rang 46.

Beim Schwimmen war der Ausdauersportler vom TV Bretten nur der 327. unter den 540 Startern seiner Kategorie. 507 der Männer erreichten das Ziel. In Kienle-Manier ging es für Fritsch auf der Radstrecke mit großen Höhenunterschieden weiter nach vorne. Da schaffte der Illinger („Teilweise war es halsbrecherisch“) mit Rang 42 erwartungsgemäß sein bestes Teilergebnis. Dass Fritsch den Kurs schon ein halbes Dutzend Mal während der Vorbereitungsphase absolviert hatte, zahlte sich aus. Was das Laufen angeht, war er dann die Nummer 45. Unter allen 3262, die das Rennen beendeten, war Fritsch auf Rang 706.

Während die Profis um 7 Uhr starteten, waren Fritsch und seine Altersgenossen als Letzte dran. Für sie ging es um 9 Uhr los, so dass sie gegen Ende noch viel Hitze abbekamen. Doch schweißtreibende Temperaturen ist Fritsch spätestens seit der Europameisterschaft vor etwas mehr als zwei Monaten gewohnt. Da quälten sich die Triathleten durchs sehr sommerliche Frankfurt. An jenem Juni-Tag fehlte Fritsch als 15. seiner Altersklasse nicht viel, um die Startberechtigung für Hawaii zu erlangen. Im Nachhinein zeigte sich, dass er nur 26 Sekunden schneller hätte sein müssen, um sich Mitte Oktober mit einem Start im Triathlon-Mekka einen Traum erfüllen zu können.

Freilich gibt es auch jenseits von Zeiten und Platzierungen markante Zahlen. So verneint Fritsch die Frage, ob er denn von den Finanzen her den 17 Tagen an der Côte d’Azur gleich noch einen Übersee-Trip hätte folgen lassen können. Viel Geld als Rad-Profi hat Alexander Winokurow beim Team Telekom verdient. Beim Triathlon in Frankfurt siegte der Kasache in Fritschs Klasse.

Hawaii-Start als Fernziel

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – das soll auch für den vielseitigen Illinger gelten. Der Technische Betriebswirt hat in Nizza seinen 48. Geburtstag gefeiert, hat aber mehr Elan, als der Durchschnittsbürger, der auf die 50 zugeht.

Seinen ersten Triathlon bestritt Fritsch übrigens erst 2015 – ein wenig inspiriert auch von Kienles WM-Sieg auf Hawaii im Jahr zuvor. In der lokalen Sport-Szene ist Fritsch vor allem wegen seines Engagements im Fußball bekannt. Über Jahrzehnte stand er bei den Aktiven des SV Illingen im Tor. Ebenso ist seine Zeit als SVI-Trainer unvergessen: Vor sechs Jahren schafften es die Illinger Kicker über die Aufstiegsrunde in die Bezirksliga. Dass es dort nicht so gut lief und für Fritsch Ende 2013 Schluss war, ist zwar ebenfalls Tatsache, aber nicht mehr als eine Randnotiz. Jedenfalls freute sich Fritsch auch während seiner Vorbereitung für Nizza („Es ist einzigartig, bei einer WM zu starten“) über viel moralische Unterstützung aus dem Illinger Fußballer-Lager. Noch wichtiger ist für ihn sein luxemburgischer Triathlon-Trainer Jean Moussel. Die wichtigsten Rollen spielen für Fritsch jedoch Ehefrau Stefanie und der 14-jährige Sohn Tim, die in Nizza natürlich dabei waren. „Wir haben auch Ausflüge gemacht“, versichert der Ehemann und Vater.

Auch wenn er die Landessprache nicht beherrscht, sich Fritsch also statt auf Französisch auf Englisch verständigte, war er von der sonnigen Urlaubsregion gleich angetan. „Es ist natürlich eine ganz andere Lebensweise dort“, sagte Fritsch gestern, nur Stunden nach der Rückkehr ins „schöne Illingen“. Am heutigen Mittwoch geht es für ihn wieder zur Arbeit. Ebenso ist für Fritsch junior, der den Tennisfreunden Lienzingen angehört, nun die Ferienzeit vorbei,

Was den Volkssport Nummer eins betrifft, gilt es für Vater Fritsch, bald den Trainerschein zu verlängern. Auf ein erneutes Engagement legt er es zwar nicht an („Der Fokus liegt jetzt auf Triathlon“), dennoch erscheint es ihm denkbar, sich wieder im Fußball einzubringen: „Sag niemals nie.“

Ralf Kohler

Ralf Kohler

Zur Autorenseite