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Absolut souverän holte sich der SV Büchenbronn mit Trainer Emanuel Günther (links stehend) die Meisterschaft in der Kreisklasse A2. Sehr zur Freude der treuen Rentner (hinten links).  Foto: Privat 

Tiefgaragen-Training führt in Büchenbronn zum Titel

Gebe es einen Preis für das verrückteste Training einer Fußball-Mannschaft im Kreis Pforzheim, ihn würde vermutlich Emanuel Günther mit seinem SV Büchenbronn bekommen. Es war in der Winterpause. Im Januar. Der Fußball-A-Ligist absolvierte im Erlebnishotel Sonnenhof in Aspach ein Trainingslager.

Günther hatte eine Einheit auf dem Platz geplant, doch dicke Schneeflocken verwandelten das Grün in eine weiße Winterlandschaft. Plan B musste also her. Und der ehemalige KSC-Profi fackelte nicht lange. Kurzerhand verlegte er das Training in die Tiefgarage des Hotels. Statt eines lockeren Kicks standen jedoch 400-Meter-Läufe an. „Alle haben voll mitgezogen, ohne zu murren“, blickt Günther auf eine ungewöhnliche Trainingseinheit zwischen Betonpfeilern und ganz viel Blech zurück.

In der Tiefgarage wurden also die Grundlagen für den Titelgewinn gelegt, der Teamgeist gestärkt. Und die Spieler folgten brav ihrem Coach: „Ich glaube, wenn ich den Jungs gesagt hätte, wir schwimmen jetzt im Meer soweit raus, wie wir können – sie hätten es gemacht“, sagt Günther, der von der professionellen Einstellung und der großen Eigenmotivation seiner Spieler begeistert war.

Überhaupt waren seine Jungs nur schwer zu bremsen. Die Trainingsbeteiligung lag bei 87 Prozent, was höchst ungewöhnlich für Vereine in dieser Spielklasse ist. „Das“, so Günther, „war auch der Grundstein für den Erfolg. Die Spieler haben immer das Letzte aus sich herausgeholt, im Training und im Spiel.“ Der Ex-Profi galt dabei immer als Vorbild. Mit seinem Führungsstil hatte er großen Anteil am Erfolg. „Er hat Disziplin reingebracht, es den Spielern vorgelebt. Und auch seine Spielersitzungen waren immer mitreißend“, sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Muhr.

So wie vor dem wichtigen Spiel am viertletzten Spieltag gegen den Verfolger SV Huchenfeld. Da zeigte der 60-jährige Coach seiner Mannschaft ein besonderes Motivations-Video. Champ Bailey, ein US-Football-Spieler, sprintete übers ganze Feld dem Touchdown entgegen. Kurz davor wurde er aber doch noch von einem Verteidiger, der ebenfalls übers ganze Feld gesprintet war, gestoppt. Die Huchenfelder konnten die Büchenbronner aber nicht mehr stoppen. „Die Jungs waren heiß, sie hätten an diesem Tag am liebsten alles aufgefressen“, erinnert sich Günther. Sein Team gewann mit 3:1 und feierte mit reichlich Bierduschen Meisterschaft und die Rückkehr nach zwei Jahren wieder in die Kreisliga.

Die Zahlen des SV Büchenbronn in dieser Saison, sie sind beeindruckend: Mit 13 Punkten Vorsprung (74 Punkte, Torverhältnis 76:20) sicherte man sich vor dem SV Huchenfeld den Titel. Zu Beginn der Saison gab es zehn Siege in Folge. Seit dem vierten Spieltag stand der SVB immer auf Platz eins. In 14 Heimspielen ging die Günther-Elf immer als Sieger vom Feld. Dabei schoss sie 41 Tore und kassierte nur vier Gegentreffer, in der kompletten Vorrunde fing man sich zu Hause überhaupt keinen Treffer ein.

Bockstark waren die Büchenbronner, die auch stolz auf ihren Unterbau sind. „Die zweite Mannschaft war immer ein guter Sparringspartner für uns“, sagt Günther und freut sich, mit seinem Kumpel und Trainer der „Zweiten„, Reinhold Güldenpennig über den großen Kader.

Der SV Büchenbronn scheint jedenfalls auch für die neue Saison in der Kreisliga gut aufgestellt zu sein. Zwar verabschiedet sich Stimmungskanone Thomas Knopp zu den Alten Herren, doch mit den beiden Mittelfeldspielern Torben und Flemming Dierlamm (beide TuS Bilfingen), Torhüter Jan Pojtinger, Stürmer Igor Anselm sowie Mittelfeld-Ass Ilhan Erdogan (alle FV Langenalb) haben sich die Höhenstädter bestens verstärkt. Abgänge gibt es sonst bislang keine. „Alle Spieler fangen wieder bei Null an“, sagt Günther, der momentan an der Nordsee seinen Urlaub verbringt. Er hofft auf einen gesunden Konkurrenzkampf. Ziel sei es, schnellstmöglich den Klassenerhalt zu sichern. „Allerdings erwartet uns eine verdammt schwere Kreisliga“, weiß Günther, der seit Oktober 2013 beim SVB ist. Langfristig will er den Verein in der Pforzheimer Königsklasse „weiter stabilisieren“.

„Vom Umfeld und der Anlage her gehören wir einfach in die Kreisliga“, meint Wolfgang Muhr. „Schön wäre es, wenn wir auch nächste Saison wieder eine entspannte Runde erleben könnten“, fügt Spielleiter Wolfgang Hochmuth hinzu.