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Hart gerungen wird in Deutschland derzeit auch abseits der Matte zwischen Verband und Spitzenclubs. Foto: Deck
Hart gerungen wird in Deutschland derzeit auch abseits der Matte zwischen Verband und Spitzenclubs. Foto: Deck
21.12.2016

Topteams wie KSV Ispringen gehen mit Volldampf auf Kollisionskurs zum DRB

Im großen Zwist des deutschen Ringer-Sport stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Fünf der acht Bundesligisten, darunter alle vier Halbfinalisten der laufenden Meisterschaft inklusive dem KSV Ispringen, haben am Dienstag den Meldeschluss zur Bundesliga des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) verstreichen lassen. Sie wollen künftig in einer eigenständigen Deutschen Ringer-Liga (DRL) antreten.

Beide Seiten sind weiter mit Volldampf auf Kollisionskurs. Der Verband droht mit harten Strafen. Die sollen auch Sportler, die international für Deutschland ringen und zugleich für die abtrünnigen Clubs antreten wollen, treffen. Wie ist der Stand der Dinge? PZ-news gibt einen Überblick.

# Welche Spitzenclubs haben nicht für die Bundesliga des Ringer-Bundes gemeldet?

Stand Mittwoch waren das der KSV Aalen, der SV Germania Weingarten, der KSV Ispringen, der ASV Nendingen und der VfK Schifferstadt. Auch Zweitligist Mansfelder Land will dem Vernehmen nach nicht mehr in der DRB-Bundesliga ran. Für DRL-Geschäftsführer Markus Scheu spielt die Meldefrist aber gar keine große Rolle. Wer wolle, könne sich jederzeit beim DRB wieder aus der Bundesliga abmelden und bei der DRL mitmachen. Diverse Vereine hätten sich bei ihm gemeldet und gesagt, sie hätten mit ihrer Meldung zunächst nur dem großen Druck, den der Verband aufgebaut habe, nachgegeben.

# Warum stehen sich die Parteien so unversöhnlich gegenüber?

Seit Jahren fordern die Spitzenclubs eine eigenständige Liga und mehr Mitspracherecht – bislang vergeblich. Der DRB verweist im Gegenzug auf den eigens gegründeten Bundesliga-Ausschuss. Doch die Vereinsvertreter winken nur müde lächelnd ab. In dem Neunergremium hat der Verband fünf Sitze, die Bundesligavereine nur vier. Die einfache Mehrheit entscheidet. Am Ende hat der Verband immer das Sagen. So wie bei den Beschlüssen zum Finale für die laufende Saison, als der DRB gegen den Willen der Clubs einen zusätzlichen Finalkampf in Aschaffenburg durchsetzte.

# Wie groß ist aktuell die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten?

Vor allem von Seiten des Ringer-Bundes eher gering. Der Verband hat zuletzt den Druck massiv erhöht. Erst wurde der Bundesliga-Meldeschluss im Vergleich zu den Vorjahren um mehrere Wochen vorgezogen, dann wurde die Strafordnung massiv verschärft. In einem offenen Brief vom Montag hat der DRB der Gegenseite das Fehlen machbarer Konzepte vorgeworfen. Fazit des Briefes: „Es gibt also nach wie vor keine sinnvolle Gesprächsgrundlage.“ Auf Nachfrage der PZ stellt Daniel Wozniak vom Verbandspräsidium dann aber doch einen Gesprächstermin im Januar oder Februar in Aussicht. Offene Briefe kann aber auch die DRL veröffentlichen. Sie zerpflückt die Argumente des Ringer-Bundes, hält den Verbandsoberen serienweise Fehler und Fehleinschätzungen vor. Die Spitzenclubs fordern die Rückkehr an den Verhandlungstisch in naher Zukunft. Markus Scheu verweist auf eigenständige Bundesligen in anderen Sportarten und empfiehlt dem Verband als Gesprächsgrundlage, den „von der DRL entworfenen Kooperationsvertrag auf unserer Homepage“ zu lesen. Im offenen DRL-Brief heißt es außerdem: „Die DRL ist an einer einvernehmlichen Lösung mit dem DRB interessiert.“ Scheu weiter: „Egal, für wie blöd sie uns auch halten, sie können doch einfach mit uns reden.“

# Welche Strafen sind gegen die abtrünnigen Clubs möglich?

Sperren bis zu vier Jahren und eine Geldstrafe bis zu 25.000 Euro sieht das neue, erst kürzlich verschärfte Verbandsstrafrecht der Ringer vor. Spitzenringern droht der Ausschluss aus dem Nationalkader. Für Markus Scheu stehen diese Drohungen aber auf tönernen Füßen. Der neue Strafenkatalog sei im Umlaufverfahren durchgepeitscht worden, die dabei angeführte Eilbedürftigkeit sei mehr als fraglich. Und der Druck, der gegen Nationalringer aufgebaut werde, sei ein Skandal. „Das ist gegen jegliches Recht“, so Scheu.

# Wird die DRL kommende Saison auf jeden Fall ihren Wettkampfbetrieb aufnehmen?

Markus Scheu sagt ja. Dabei sind aber nicht die klassischen Vereine die Teilnehmer, sondern lauter GmbHs. „So wie in der Fußball-Bundesliga“, sagt Scheu. Nach diesem Plan könnte der KSV Ispringen als klassischer Verein weiterhin in der Verbands- oder Landesliga antreten, während eine Ispringer GmbH – die formell mit dem Verein nichts zu tun hat – in der DRL ringt.

Der Ringerverband kennt diese Pläne: „Vereine und GmbHs dürfen nichts miteinander zu tun haben, sonst untersteht das Ganze wieder dem DRB. Dann könnten wir wieder durchgreifen“, sagt Daniel Wozniak vom Ringerbund. Er glaubt auch, dass der DRB genügend Druckmittel hat. Ringer, die dem Weltverband UWW unterstehen, würden für Einsätze in einer separaten deutschen Ringer-Liga keine Genehmigung bekommen, auch die DRB-Kampfrichter dürften in der DRL nicht ran. Markus Scheu schreckt das nicht ab. Ringer und Kampfrichter bekomme man genügend. Außerdem gebe es reichlich juristische Präzedenzfälle, die gegen ein DRB-Monopol sprechen.