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Am Boden: Die Heimflaute macht Philipp Hofmann, der gerade ein Torjäger außer Dienst ist, ratlos.  Foto: Prang/GES 

Tore und Tugenden verzweifelt gesucht: KSC-Heimspielflaute forgesetzt

Karlsruhe. Das Karlsruher Wildparkstadion ist schon seit Längerem eine Baustelle. Und in den letzten Wochen hat sich nun das Spiel des badischen Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC in seiner Heimspielstätte dem Ambiente angepasst. Bis Ende Januar war die Mannschaft von Trainer Christian Eichner durch die Liga gepflügt, als gäbe es kein Morgen mehr. Punkt für Punkt wurde geholt. Und jetzt: Funkstille. Sendepause. Stillstand. Baustelle. Vor allem daheim. Letztmals ist den Karlsruhern am 27. Januar ein Tor im Wildpark geglückt, aber selbst diese Formulierung ist eigentlich unzutreffend. Denn beim 1:0 gegen Hannover 96 an diesem Tag resultierte der gewinnbringende Treffer aus einem Eigentor der Niedersachsen. So gesehen datiert die KSC-Torflaute sogar auf den 23. Januar, als Robin Bormuth beim 1:1 gegen den FC Heidenheim in der sechsten Spielminute traf. Seitdem sind 534 Spielminuten vergangen – die Nachspielzeit nicht eingerechnet.

Schon fünf Spiele ohne Heimtor

Es ist diese Torflaute, die die Badener auf der Stelle treten lässt. Die 0:1-Pleite am Karsamstag gegen Osnabrück war bereits das fünfte Heimspiel hintereinander ohne KSC-Treffer. 0:0 gegen Regensburg, 0:1 gegen Nürnberg, 0:0 gegen St. Pauli, 0:0 gegen Braunschweig, 0:1 gegen Osnabrück. Manchmal ist es vielleicht doch ganz gut, wenn keine heimischen Fans im Stadion sein dürfen.

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Osnabrücks Torwart Philipp Kühn (rechts) war von Christoph Kobald und Co. nicht zu bezwingen. Foto: Uli Deck/dpa

Dass der Osnabrücker Sieg verdient war, daran ließen auch Karlsruhes Trainer Christian Eichner und seine Spieler keinen Zweifel. Dabei wurde die schwierige Trainingswoche mit den positiven Coronatests bei Philipp Heise und Alexander Groiß nicht als Alibi benutzt.

Eichner vermisste vor allem die „Attribute“, die es für einen Sieg brauche, zählte „Esprit, Spielfreude und Klarheit“ auf. Ergänzen können hätte er noch Tugenden wie Giftigkeit und Überzeugung, nach denen Angreifer Philipp Hofmann vergeblich fahndete. Der Torjäger ist derzeit vor allem in Heimspielen „außer Dienst“, was die Suche des KSC nach Torerfolgen natürlich erschwert.

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Kapitän Gondorf redet Klartext

Besonders deutliche Worte fand Jerôme Gondorf. Der Kapitän sprach von „menschlichem Versagen“ und einer „Nichtleistung von uns“. Das galt an diesem Tag auch für ihn selbst. Er verlor ungewöhnlich viele Zweikämpfe und kam beim Gegentor dem enteilenden Ludovic Reis ebenso wenig hinterher wie der aufgerückte Außenverteidiger Marco Thiede. Über dem auffälligen Sebastian Kerk landete der Ball schließlich bei Christian Santos und von dessen Fuß im Karlsruher Tor (48.). Mit einem schnellen und schnörkellosen Konter hatte der Gegner aus dem Tabellenkeller das KSC-Team komplett zerlegt und die Partie entschieden. Verdient, denn die Gäste hatten letztlich die besseren Chancen. Die allerbeste schon nach zwei Minuten, als Christoph Kobald im Karlsruher Strafraum völlig übermotiviert Ulrich Bapoh umgegrätscht hatte. Doch Osnabrücks Kerk scheiterte mit dem Strafstoß am Karlsruher Keeper Marius Gersbeck, der sich als einziger Spieler der Gastgeber eine gute Note verdiente.

"Wenn beim KSC nicht alle Normalform haben, haben wir es schwer, in dieser Liga zu punkten."

KSC-Trainer Christian Eichner 

Nun könnte eine solche Aktion ein Weckruf sein. War sie aber nicht. Beim KSC fehlten Bissigkeit im Zweikampf und Handlungsschnelligkeit im Spiel nach vorne.

Marvin Wanitzek war noch am auffälligsten und prüfte VfL-Keeper Philipp Kühn mehrfach mit Distanzschüssen (20., 41., 61.), beim besten Karlsruher Angriff, von Thiede schön eingeleitet, scheiterte Dominik Kother alleine vor dem Tor – ein Querpass zu Hofmann wäre wohl die bessere Option gewesen (63.). Dabei wirkte der KSC nach dem Gegentor griffiger und bissiger. Die Frage muss aber erlaubt sein: Warum erst dann?

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So musste Christian Eichner am Ende einmal mehr jene Kurzanalyse wiederholen, die er schon so oft zum Besten gegeben hat. „Wenn beim KSC nicht alle Normalform haben, haben wir es schwer, in dieser Liga zu punkten.“ Zumindest daheim. Auswärts haben die Badener in den sechs Spiele 2021 stolze 16 Punkte geholt. „Jetzt freuen wir uns auf das Auswärtsspiel“, beendete Eichner mit Blick auf die Partie am Samstag in Düsseldorf seine Analyse nach dem Osnabrück-Spiel. Dem ist nichts hinzuzufügen.