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Der Berliner Trainer Michael Skibbe steht nachdenklich an der Seitenlinie.
Die Stuttgarter Martin Harnik (rechts) und Vedad Ibisevic feiern das 2:0 beim klaren Sieg gegen Hertha. © dpa
11.02.2012

Trainerentlassung nach 5:0-Gala des VfB Stuttgart

Berlin. Die 5:0-Klatsche, die der VfB Stuttgart den Berlinern mit auf den Heimweg gegeben hat, zeigt Folgen. Hertha BSC hat sich nach nur fünf Spielen von Trainer Michael Skibbe getrennt. Das bestätigte der Kapitän des Berliner Fußball-Bundesligisten, André Mijatovic, am Sonntag. Die Mannschaft sei vor dem Training darüber informiert worden.

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Der 46 Jahre alte Trainer war erst in der Winterpause verpflichtet worden, hatte in der Rückrunde aber alle vier Liga-Partien und das Viertelfinale im DFB-Pokal verloren. Vorläufig plane die Hertha mit einer Interimslösung, hieß es.

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52 Tage nach der Vorstellung war das Kapitel Hertha BSC für den früheren DFB-Coach schon wieder beendet. Für den ohnehin mit rund 35 Millionen Euro verschuldeten Hauptstadtverein dürfte die vierte Trainerentlassung unter Manager Michael Preetz sehr teuer werden: Skibbe war aus seinem Vertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor herausgekauft worden und hatte in Berlin einen Kontrakt bis 2014 erhalten. 

Die Hertha-Verantwortlichen zogen frühzeitig die Notbremse, nachdem offensichtlich immer mehr Parallelen zur Abstiegssaison 2009/10 erkannt worden waren. Damals hatte Hertha nach der Trennung von Erfolgscoach Lucien Favre bis Saisonende an dessen erfolglosem Nachfolger Friedhelm Funkel festgehalten. Das Jahr in der 2. Liga und der Wiederaufstieg haben Hertha rund 60 Millionen Euro gekostet. 

Nach insgesamt fünf Liga-Pleiten in Serie ist der Berliner Club wieder in akuter Abstiegsgefahr. «Wir müssen jetzt versuchen, aus der Krise herauszukommen», erkannte Kapitän Mijatovic. Hertha hat keines der vergangenen zehn Spiele in der Bundesliga gewonnen. Das 0:5 beim VfB Stuttgart bezeichnete Skibbe als «absolute Katastrophe» - so eine «schlimme erste Halbzeit» habe er als Trainer noch nie erlebt.

Am Samstag hatte sich der VfB Stuttgart selbst aus der Krise und Hertha BSC noch tiefer in die Krise geschossen. Mit dem 5:0 (4:0)-Kantersieg beendeten die Schwaben nach einem über weite Strecken überzeugenden Auftritt zudem ihre Negativserie von sieben Spielen in der Fußball-Bundesliga ohne Erfolgserlebnis. Die desolat agierenden Berliner stecken dagegen nachder zehnten Partie ohne «Dreier» tief im Abstiegskampf.

Martin Harnik überragte beim VfB mit drei Treffern (28./41./58. Minute) am Samstag vor 45 000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena. Fünf-Millionen-Wintereinkauf Vedad Ibisevic (24.) hatte bei 14 Grad minus das Schützenfest eröffnet. Shinji Okazaki (32.) war ebenfalls erfolgreich. Die harmlosen und komplett enttäuschenden Berliner mussten eine Stunde lang in Unterzahl spielen: Andreas Ottl sah wegen eines groben Fouls die Rote Karte (30.).

VfB-Trainer Bruno Labbadia baute sein Team gegenüber dem Pokal-Debakel gegen Bayern München auf drei Positionen um. Prominentestes Opfer der Rückkehr zum altbewährten 4-2-3-1-System war Nationalstürmer Cacau, der bis zur 72. Minute auf der Bank frieren musste. Hertha-Coach Michael Skibbe konnte nach Raffaels abgelaufener Rot-Sperre wieder auf seinen Spielmacher zurückgreifen. Der Brasilianer blieb aber wie faktisch das gesamte Team ohne Effekt.

Beide Mannschaften wirkten in den ersten 20 Minuten stark verunsichert. Selbst in unbedrängten Situationen erfolgten viele Fehlpässe. Dann kamen die Schwaben urplötzlich in Schwung und trumpften groß auf. Innerhalb von 18 Minuten machte der VfB mit vier Treffern vorzeitig alles klar.

Ibisevic eröffnete mit einem spektakulären Seitfallzieher das Torfestival. Allerdings gingen dem ersten Treffer des Bosniers für den VfB ein Abseits und ein gefährliches Spiel voraus. Harnik schloss einen sehenswerten Konter über Okazaki und Ibisevic zum 2:0 ab. Der Japaner erzielte gegen die inzwischen dezimierten Berliner per Kopf nach präziser Flanke von Khalid Boulahrouz das 3:0. Und Harnik machte mit seinem traumhaften zweiten Treffer schon früh das Debakel für die konsternierten Herthaner perfekt.

Der VfB bestimmte auch nach dem Seitenwechsel nach Belieben das Geschehen. Die sich widerstandslos ergebenden Berliner waren meist nur ein Spielball. Bis auf den bedauernswerten Torhüter Thomas Kraft stemmte sich keiner ernsthaft gegen die Klatsche. Letztendlich konnte der Aufsteiger sogar froh sein, dass der VfB die indiskutableVorstellung der Gäste nicht noch höher bestrafte. Kraft verhinderte mit einigen guten Paraden noch Schlimmeres, Harniks 5:0 bedeutete aber den höchsten Saisonsieg der Stuttgarter. dpa

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