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Fingerzeig: Trainer Christian Eichner (links) unterhält sich mit Benjamin Goller, der von Bremen ausgeliehen wurde.  Foto: Uli Deck/dpa 
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Der neue Mann im KSC-Tor könnte Markus Kuster sein.  Foto: Uli Deck/dpa 

Trainingsauftakt des Karlsruher SC vor 400 Zuschauern: Freundlicher Beifall und offene Fragen

Karlsruhe. Raus mit Applaus – endlich wieder. Als die Fußballer des Karlsruher SC am Dienstagvormittag zum Trainingsauftakt vom Spielertunnel auf den Rasen des Wildparkstadions liefen, wurden sie mit freundlichem Beifall begrüßt. 400 Besucher hatte der Verein zugelassen, sie saßen auf der Haupttribüne, immer schön mit Abstand. Die Spieler genossen es, dass sie nicht vor trostloser Geisterkulisse ihre Ballarbeit verrichten mussten. „Es ist schön, dass der Verein das möglich gemacht hat“, freute sich Neuzugang Robin Bormuth über die Minikulisse.

Szenenapplaus und Raunen

So fühlte sich das abschließende Trainingsspielchen wie richtiger Fußball an. Ein Raunen ging durchs Publikum, als Jerome Gondorf im Mittelfeld einen Gegenspieler mit einem feinen Trick aussteigen ließ. Torhüter-Neuzugang Markus Kuster bekam für gute Paraden zweimal Szenenapplaus. Jeder Treffer wurde lautstark bejubelt.

Der Kader des badischen Zweitligisten hat schon weitgehend Konturen angenommen. 23 Spieler waren zum Trainingsauftakt versammelt. Babacar Gueye allerdings fehlte noch. Weil sich die Rückreise aus dem Senegal schwierig gestaltete, konnte der Angreifer die obligatorischen Corona-Tests nicht rechtzeitig absolvieren. Er wird voraussichtlich am Freitag erstmals mit dem Team trainieren.

Manches scheitert einfach am Geld

Mit der Verpflichtung von Markus Kuster und Innenverteidiger Robin Bormuth haben die Karlsruher ihre Hausaufgaben im Abwehrzentrum erledigt. Doch es bleiben auch offene Fragen. Christian Eichner hätte noch gerne weitere Planstellen im Kader besetzt. Die Außenbahnen – defensiv wie offensiv – hatte der neue Karlsruher Trainer als Problemzonen im Team ausgemacht. Für rechts wurde Offensivspieler Benjamin Goller vom SV Werder Bremen ausgeliehen. Jetzt klemmt es vor allem auf der anderen Seite des Spielfeldes. Dirk Carlsson ist momentan der einzige Linksverteidiger im Team. Und für die offensive Rolle links haben die Karlsruher Florian Kath vom SC Freiburg im Visier. Für das Abwehrzentrum hätten die Badener zudem gerne Daniel Gordon als Alternative zurück – der Vertrag des Abwehrspielers ist ausgelaufen.

Doch diese Personalien scheitern bislang am Geld. Der am Donnerstag zum neuen KSC-Präsidenten aufgestiegene Holger Siegmund-Schultze hatte strikte Ausgabendisziplin versprochen: „Ich schlage nicht vor, was schön wäre, sondern das, was umsetzbar und realistisch ist.“

Wie geht es weiter mit Marvin Pourié?

Stand Dienstag erfordern mehr Ausgaben auf der einen Seite also Einsparungen oder Mehreinnahmen auf der anderen Seite. Und da fällt der Blick auf Marvin Pourié, der nach einer halbjährigen Ausleihe an Eintracht Braunschweig im Wildpark zurück ist. Der Drittliga-Torschützenkönig der Saison 2018/19 hat noch einen Vertrag, und gilt als einer der teuersten Spieler im Kader. Laut Medienberichten kann er pro Saison bis zu 500.000 Euro verdienen. Der Verein hat ihn zwar wissen lassen, dass man nicht mehr mit ihm plane und dass die Konkurrenz im Angriff groß sei. Doch Pourié verweist auf seinen laufenden Vertrag.

Also ist Christian Eichner gefordert. Die Vereinsleitung kenne seinen Standpunkt, könne auch seine Wünsche nach Verstärkungen nachvollziehen. „Die sind inhaltlich mit mir einer Meinung“, sagt der KSC-Trainer. Nur zu gerne würde er nach der Faustformel verfahren, „dass jede Position im Kader doppelt besetzt ist“. Doch wenn das Geld fehlt, könnte es sein, dass daraus nichts wird.

KSC-Coach Eichner: „Wir können mithalten“

Aber auch mit dem Status quo könnte Eichner leben. „Wir können und werden in der Liga mithalten“, gibt sich der Trainer zuversichtlich. Und falls es doch schiefgeht? „Dann müssen wir uns erinnern, was wir besprochen haben“, sagt Eichner und erinnert an Beispiele wie Freiburg und Bremen, wo Vereine auch in schlechten Zeiten zu ihren Trainern gehalten haben.

Zunächst aber träumen sie in Karlsruhe wieder von besseren Zeiten. Und von Spielen vor Zuschauern. Wie schön das sein kann, wurde den KSC-Kickern noch einmal klar, als sie nach dem Eröffnungstraining von den 400 Zuschauern mit freundlichem Applaus in die Kabine verabschiedet wurden.

Zu- und Abgänge beim Karlsruher SC

Zugänge: Robin Bormuth (Fortuna Düsseldorf); Benjamin Goller (SV Werder Bremen/Leihe); Markus Kuster (SV Mattersburg/Österreich), Marvin Pourie (Eintracht Braunschweig/war ausgeliehen), Tim Kircher (FC Carl Zeiss Jena, war ausgeliehen), Malik Batmaz (VfB Stuttgart II/war ausgeliehen), Jannis Rabold, Marlon Dinger (beide eigene Jugend)

Abgänge: Tim Kircher (VfB Lübeck), Damian Roßbach (Hansa Rostock), Lukas Grozurek (SK Sturm Graz), Justin Möbius (Preußen Münster), Anton Fink (SSV Ulm), Benjamin Uphoff, Martin Röser, Änis Ben-Hatira, Burak Camoglu (alle Ziel unbekannt)