nach oben
Im November hat Mario Gomez nicht einmal getroffen, auch deshalb musste sich der VfB einem Team wie Eintracht Frankfurt mit Sebastien Haller (rechts) geschlagen geben. Foto: dpa/Gollnow
Im November hat Mario Gomez nicht einmal getroffen, auch deshalb musste sich der VfB einem Team wie Eintracht Frankfurt mit Sebastien Haller (rechts) geschlagen geben. Foto: dpa/Gollnow
06.12.2018

Trügerische Quote: Theoretisch trifft Mario Gomez in einem von zwei Spielen

Stuttgart. In der Fußball- Bundesliga erzielt Mario Gomez theoretisch in jedem zweiten Spiel ein Tor. Derzeit beim VfB ist ein Erfolgserlebnis des Ex-Nationalspielers allerdings überfällig. Mit einer Flaute bis Weihnachten hätte Gomez unter Umständen aber nicht einmal ein Problem.

Mindestens zwei Menschen bei den Stuttgartern sind überzeugt von Gomez‘ Qualitäten als Torjäger. Der eine ist Markus Weinzierl – auch wenn der 33-Jährige in den sechs Spielen unter diesem neuen Trainer noch gar nicht getroffen hat. Der andere ist Gomez selbst. „Ich weiß, dass ich immer treffe, früher oder später“, sagt er.

Bei Anpfiff des VfB-Auswärtsspiels gegen den Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend (18 Uhr/Sky) beträgt die torlose Zeit der Stuttgarter Spitze in der Fußball-Bundesliga 530 Minuten. Gomez lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. „Es gehört zum Leben eines Stürmers dazu, dass der Ball nicht reingeht“, sagt der Routinier. Schon fünf Mal hatte er eine Phase mit mindestens sechs Bundesliga-Partien ohne Torerfolg.

Minuten zähle er nicht, sagt Gomez stets. Und überhaupt sei es für Fans und Journalisten vergleichsweise einfach, ihn zu kritisieren: „Bei einem Mittelfeldspieler muss man was vom Fußball verstehen, um sagen zu können, ob der gut spielt, oder nicht. Bei einem Torwart oder Stürmer sieht man die Fakten.“

Kritiker berufen sich aber auch auf den Eindruck, den Gomez derzeit insgesamt auf dem Spielfeld macht. Zu alt, zu langsam, der Torriecher weg, zu diesen Annahmen konnte man kommen, wenn man ihn in den vergangenen Wochen sah.

Chancen sind immer wieder da

Gomez bekommt allerdings kaum verwertbare Zuspiele seiner Kollegen und hat dennoch in jedem Spiel eine richtig gute Chance. Die aber vergab er seit seinem Tor am 6. Oktober beim 1:3 auswärts gegen Hannover 96 am 7. Spieltag jedes Mal.

Interessant ist, was der „Kicker“ in einer Titelgeschichte über den Fußballer des Jahres von 2007 aufzeigte: Pro 90 Minuten läuft der Angreifer in dieser Saison im Schnitt 9,6 Kilometer, in der Hinrunde 2016/2017 waren es 9,7 Kilometer. Die Zahl der Zweikämpfe und die Quote der gewonnenen Duelle hat sich kaum verändert. Gomez sprintet im Schnitt zwar zweimal weniger pro 90 Minuten, ist aber sogar etwas schneller: Seine Höchstgeschwindigkeit stieg von 32,34 auf 32,59 Stundenkilometer.

„Ich spiele jetzt ja hier nicht, weil ich irgendwann mal gut gespielt habe, sondern ich spiele, weil der Trainer denkt, dass ich entscheidend sein kann. Und das erwarte ich auch selber von mir noch“, sagt Gomez, der im Mannschaftsgefüge eine wichtige Rolle hat. Vor allem jungen Spielen wie Nicolás González ist er ein wertvoller Ratgeber. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das genug ist, um hier beim VfB in der Startelf der Mannschaft zu helfen. Das Selbstvertrauen ist immer da.“

Trainer Weinzierl stellt den Mann, der nach 310 Bundesligaspielen mit 166 Toren noch immer auf die beeindruckende Quote von 0,54 Tore pro Partie kommt, nicht infrage. „Da bin ich pragmatisch: Wenn man so eine Quote hat, wird das auch wieder so sein“, sagt er.

Ist sein Verein erfolgreich, wäre Gomez sogar zufrieden, auch wenn er bis nach Weihnachten auf sein viertes Saisontor warten müsste. „Das Wichtigste ist die Mannschaft. So spiele ich, so fühle ich mittlerweile, das war vielleicht nicht immer so, aber jetzt ist es so und es fühlt sich gut an“, sagt der Ex-Nationalstürmer. „Mir ist es eigentlich komplett wurscht, wer die Tore schießt. Wenn wir die nächsten vier Spiele bis zur Winterpause 1:0 gewinnen und ich keines davon mache, unterschreibe ich das sofort.“