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Starker Punktesammler: Straubenhardts David Belyavskiy. Foto: Pressefoto Baumann
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Im Anfeuerungsmodus: Lukas Dauser hatte mit der KTV Obere Lahn gegen seinen Ex-Verein Straubenhardt das bessere Ende für sich. Foto: Pressefoto Baumann

Turn-Krimi ohne Happy-End: Letztes Duell kostet Straubenhardt den deutschen Meistertitel

Ludwigsburg/Straubenhardt. Dramatischer geht es nicht! Im Finale der Deutschen Turnliga (DTL) der Männer stand es zwischen der KTV Straubenhardt und der KTV Obere Lahn nach 23 der 24 Duelle 34:34 nach Scorepunkten. So mussten in der Ludwigsburger MHP-Arena die beiden letzten Reckturner die Entscheidung um den Meistertitel bringen.

Weil Ivan Rittschik (26) für Straubenhardt nur 13,4, sein Gegner, der Weißrusse Andrey Likhovitskiy (32), jedoch 13,9 Wertungspunkte von den Kampfrichtern einheimste, gab es zwei weitere Zähler für die Hessen, die sich mit 36:34 erstmals den Pokal für das beste nationale Team holten.

Noch bevor die letzte Wertung bekannt wurde, lagen sich die Sportler von der Lahn in den Armen und tanzten ausgelassen, während die Straubenhardter Akteure bedröppelt in der Ecke standen. Die 2600 Zuschauer, darunter ein Block mit Fans aus Straubenhardt, dem Enzkreis und Pforzheim, kamen in dem Krimi voll auf ihre Kosten.

Damit riss nach drei Triumphen in Folge und insgesamt sechs Titelgewinnen die Erfolgsserie der Turnrecken um den zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinner von 2012, Marcel Nguyen (31). Alle gelangten zum selben Ergebnis wie Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen als Betreuer der Mannschaft aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf: „Das war die beste Werbung für den Turnsport.“ Selbst Dirk Walterspacher, Sportlicher Leiter der unterlegenen Straubenhardter, musste einräumen: „Wirklich enttäuscht kann man nicht sein. Das war ein Super-Wettkampf.“

Guter Start am Boden

Für den Titelverteidiger begann alles weitaus besser, als befürchtet. Am Boden glänzten Walterspachers Mannen und gingen mit 7:1 Zählern in Führung. Das war zugleich das einzige von fünf Geräten, an denen Nguyen gewann. Fabian Hambüchen konnte es angesichts vieler Wackler seiner Lahner kaum fassen: „Wir haben da viele Punkte liegen lassen.“

Auch das Pauschenpferd wurde mit 9:8 eine knappe Beute der Straubenhardter, die damit ihre Führung auf 16:9 ausbauten. Dafür erwiesen sich die Turner aus Biedenkopf als Herren der Ringe mit 10:3 Wertungspunkten, weil nur Straubenhardts Armenier Vahagn Davtyan (30) drei Punkte auf der Habenseite verbuchte. Nachdem die Lahner auch noch beim Pferdsprung keine Unsicherheit zeigten, ging auch dieses Gerät mit 3:6 für Straubenhardt in die Binsen.

David Belyavskiy (26) entpuppte sich an all seinen fünf Geräten als einsame Klasse und sammelte als Top-Scorer stolze 18 Punkte für die Riege aus dem Enzkreis. Am Barren präsentierte sich der frisch gebackene russische Mannschafts-Vizeweltmeister mit einer 15,0-Übung besonders stark. Weil auch noch Nils Dunkel (21) vier Punkte beisteuerte, konnte Straubenhardt an diesem vorletzten Gerät mit 9:6 die zwischenzeitliche Führung der Mittelhessen wieder egalisieren. So stand es 31:31.

„Wer am Reck absteigt, verliert“, hatte Walterspacher vor dem Finale orakelt. Doch alle acht Turner hatten Nerven wie Stahlseile, brachten ihre Übungen souverän zu Ende und standen auch beim Abgang wie eine Eins. Allein Belyavskyis drei Punkte am Königsgerät waren bei 3:5 Zählern zu wenig. So konnte die KTV Obere Lahn ausgerechnet vor dem freiwilligen Rückzug der Mannschaft ihren größten Erfolg der Vereinsgeschichte bejubeln.