nach oben
Dirk Walterspacher, hier im Gespräch mit Dominique Jahn bei der PZ Sportlerwahl 2018. Foto: Ketterl
Dirk Walterspacher, hier im Gespräch mit Dominique Jahn bei der PZ Sportlerwahl 2018. Foto: Ketterl
12.12.2018

„Turnen wird mein Leben weiter prägen“ – Dirk Walterspacher legt Amt als Sportlicher Leiter ab

Am Ende des Jahres macht Dirk Walterspacher Schluss. Der 45-Jährige gab am Mittwoch via Pressemitteilung bekannt, dass er zum 31. Dezember 2018 sein Amt als Sportlicher Leiter beim Bundesliga-Team der KTV Straubenhardt niederlegen wird.

Im PZ-Interview spricht Walterspacher über seine Beweggründe und die tolle Zeit bei der KTV.

PZ: Mit Ihnen als Sportlicher Leiter war die KTV überaus erfolgreich. Die Mannschaft holte unter anderem drei Mal den deutschen Meistertitel und stand sonst immer im Finale auf dem Podest. Wollen Sie wirklich aufhören?

Dirk Walterspacher: Ich denke, es ist nun der richtige Zeitpunkt. Die KTV Straubenhardt ist ein funktionierender Verein im Deutschen Spitzensport im Turnen und das soll und wird auch sicherlich so bleiben. In den letzten Jahren wurden hier hervorragende Strukturen geschaffen und sowohl im Haupt- als auch im Förderverein der KTV haben sich Dinge sehr positiv gewandelt. Neue Führungspersönlichkeiten haben Verantwortung übernommen und von der Arbeit ihrer Vorgänger profitiert. Bevor sich nun in meiner verantwortlichen Position möglicherweise Abnutzungserscheinungen ergeben könnten, möchte ich den Platz für einen Nachfolger frei machen. Oft wird hierfür der richtige Zeitpunkt ja verpasst, das möchte ich vermeiden. Ich bin auch privat viel eingespannt. Mein Sohn Luc turnt beim TV Huchenfeld. Da bin ich immer dabei. Deshalb fehlt mir auch künftig die Zeit, den Job als Sportlicher Leiter hundert Prozent auszufüllen.

PZ: Fällt Ihnen der Abschied trotzdem schwer?

Dirk Walterspacher: Auf alle Fälle. Ich habe meinen Entschluss den Turnern schon mitgeteilt, da war schon viel Wehmut dabei. Der Turnsport war eben schon immer mein Leben – und er wird mein Leben weiter prägen.

PZ: Das heißt, Sie bleiben dem Verein erhalten?

Dirk Walterspacher: Ich bin weiter Vorstand Sport bei der KTV Straubenhardt und werde auch weiterhin da sein, wenn ich gebraucht werde.

PZ: Wer wird Ihr Nachfolger?

Dirk Walterspacher: Ich tippe mal auf Steve Woitalla (hauptamtlicher Trainer der KTV, Anm. d. Red.). Der Vorstand wird sich darüber bestimmt in den nächsten Tagen Gedanken machen.

PZ: Man wird Sie aber weiterhin in den Turnhallen sehen, schließlich coachen und turnen Sie ja auch noch für die WKG Wilferdingen/Nöttingen...

Dirk Walterspacher: Das ist mein eigentliches Hobby. Bei der WKG habe ich viel Spaß und halte mich dort noch fit. Mal sehen, wie uns der personelle Umbruch gelingt. Mit Jonas Becker fällt uns eine Stütze weg, er geht nach Neuseeland. Viele Nachwuchsturner rücken nach. Unser Ziel ist erstmal der Klassenerhalt in der Verbandsliga.

PZ: 22 Jahre KTV – zuerst waren Sie Turner, dann Sportlicher Leiters. An was erinnern Sie sich am liebsten zurück?

Dirk Walterspacher: Absolutes Highlight war unser erster Finaleinzug 2003. Damals wurden noch zwei Halbfinals ausgeturnt. Wir waren gegen den späteren deutschen Meister Cottbus absoluter Underdog, haben denen aber durch eine tolle Taktik bis zum letzten Gerät das Leben schwergemacht. In der Saison waren wir der Vorreiter, was die Taktik betraf. Trotz der Halbfinalpleite waren wir automatisch Dritter. Das war damals schon großartig.

PZ: Sie haben Fabian Hambüchen betreut und coachten zuletzt mit Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider zwei absolute Weltklasse-Turner. Wäre der Bundestrainerjob nicht noch was für Sie?

Dirk Walterspacher: (Lacht) Lieber nicht. Ich habe ein bisschen Angst ums deutsche Turnen. Nach Nguyen und Bretschneider wird es ein großes Loch geben. Ob man das wieder mit Spitzenturnen stopfen kann, bezweifele ich. Die Zeit nach den Olympischen Spielen 2020 wird für den Bundestrainer nicht leicht werden.

PZ: Die KTV wird aber ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben ...

Dirk Walterspacher: Da habe ich gar keine Bedenken. Wenn alle gesund bleiben, wird man weiterhin um die deutsche Meisterschaft mitturnen. Um die Zukunft des Vereins mache ich mir unter dieser Führung und dem Förderverein überhaupt keine Sorgen.