760_0900_121998_82554353.jpg
Rund ging es zuletzt in der DTL. Jetzt soll nach dem Willen aller Beteiligten wieder Ruhe einkehren.  Foto: Schulze/dpa 

Turner wollen raus aus Turbulenzen: KTV Straubenhardt begründet Verzicht auf Halbfinale

Straubenhardt. Der Vorgang war einmalig und der Gesprächsbedarf entsprechend groß. In der Deutschen Turn-Liga (DTL) hatte der amtierende Meister KTV Straubenhardt die Teilnahme am Halbfinal-Wettkampf, der am vergangenen Samstag geplant war, abgesagt. Mit Verweis auf die gesundheitlichen Risiken in Zeiten der Pandemie war das Team aus dem Schwarzwald nicht bei der TG Saar angetreten.

Die Wogen glätten

Zwischenzeitlich stand sogar die Möglichkeit im Raum, dass die ganze Angelegenheit vor Gericht landet. Die Wogen schlugen hoch. Zuletzt versuchte man nun, die Wogen wieder zu glätten. Dazu gab es einige Gespräche. Und in der Folge dann auch die eine oder andere Pressemitteilung. Dass man sich zuletzt auch wieder auf gemeinsame Erklärungen verständigen konnte, darf in diesem Zusammenhang als gutes Zeichen gewertet werden.

„Die Aussprache zwischen dem DTL-Präsidium und der KTV Straubenhardt Ende letzter Woche zeigt, dass gemeinsame, offene Kommunikation und die Abstimmung untereinander zu Lösungen führen“, wird Andreas Rapp nun in einer Pressemitteilung seines Vereins vom Donnerstag zitiert. Rapp ist bei der KTV Vorstand Management Bundesliga und Präsident des Fördervereins. Mit der Stellungnahme von Donnerstag wollten die Schwarzwälder noch einmal abschließend ihren Standpunkt verdeutlichen.

Zuvor war in einer DTL-Pressemitteilung deren Präsident Jens-Uwe Kunze wie folgt zitiert worden: „Ich denke, beide Seiten haben am Ende erkannt, dass es sich hier um eine hochkomplexe Rechtslage handelt, die viele Fragen offen lässt und bei der es auch mehr als unsicher ist, wer am Ende als Sieger aus einem Streit hervorgehen wird. Sicher ist nur, wer in diesem Fall als Verlierer enden würde. Und das ist der Turnsport.“

Entzündet hatte sich der Streit an der Frage, wie und wann das Halbfinale um den DM-Titel geturnt wird. Die DTL hatte die Termine 21. November und 5. Dezember genannt. Die TG Saar sah den 21. November als gesetzt und wurde dabei von der zuständigen Abteilung Männer unterstützt. Die KTV wiederum forderte eine Verlegung auf den 5. Dezember, weil der Termin im entsprechenden DTL-Schreiben ihrer Ansicht nach nicht so eindeutig fixiert gewesen sei, wie das die TG Saar und die Abteilungsleitung Männer sahen. Zudem verweisen die Schwarzwälder auf Sicherheitsaspekte: „Wir als KTV Straubenhardt haben Verantwortung gegenüber unseren Turnen und Betreuern. Die Lage zum Ligawettkampf am 21. November im Saarland hatten wir als kritisch bewertet“, so Präsident Jörg Gänger in der jüngsten Pressemitteilung seines Vereins.

„Bessere Optionen“

Verärgert war man in Straubenhardt vor allem darüber, dass es nicht wie in der 2. und 3. Liga den Vereinen überlassen worden war, darüber abzustimmen, wie die Saison weitergeht. Zur Wahl stand bei 2. und 3. Liga eine Verschiebung ins Frühjahr 2021 oder ein Saisonabbruch. Mit deutlicher Mehrheit votierten die Vereine daraufhin für den Abbruch. Das hätte sich KTV-Coach Steve Woitalla auch für den Titel-Endspurt in der 1. Liga gewünscht: „Ein Verschieben in das Frühjahr 2021 oder eine Absage der Saison wären die besseren Optionen gewesen.“

KTV-Präsident Jörg Gänger sagt: „Die DTL hatte diese Möglichkeit eingeräumt und es ist nun intern aufzuarbeiten, warum diese Möglichkeit dann nicht nur Verfügung stand. Diese Frage stellt sich aktuell sicher nicht nur die KTV Straubenhardt.“

Kommunikation bemängelt

Bemängelt wird von Straubenhardter Seite die Kommunikation in der ganzen Angelegenheit. „Das Gespräch mit den Vereinen hätte man früher suchen müssen, bevor weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Das Interesse der Vereine wurde hier nicht gehört und beurteilt“, so Andreas Rapp. Jetzt müssten in der DTL „Prozesse geprüft und angepasst werden. Eine Aufarbeitung hat uns das Präsidium der DTL zugesagt und wir werden dies beim Wort nehmen.“

Es besteht also weiter Gesprächsbedarf. Jens-Uwe Kunze hat angekündigt, dass man sich Anfang 2021 noch einmal „auf breiterer Ebene erneut zu treffen, um gemeinsam aufzuarbeiten, welche Fehler in der Vorgehensweise und Kommunikation zu der verfahrenen Lage geführt haben“.

Es zeigt sich: Beide Seiten sind um Schadensbegrenzung bemüht. Die KTV Straubenhardt ist der erfolgreichste DTL-Verein des vergangenen Jahrzehnts und auch ein Zugpferd für die Liga. Aber natürlich weiß die KTV auch, dass die Liga ein Gemeinschaftswerk ist. „Unser Dank geht an Herrn Präsident Kunze für die konstruktive Kommunikation und den Austausch in dieser für die DTL nicht einfachen Sachlage“, wird Andreas Rapp in der Pressemitteilung seines Vereins zitiert.

Finale in Schwäbisch-Gmünd

Wie geht es nun weiter? Das Finale ist auf den 19. Dezember in Schwäbisch Gmünd terminiert. Dann kämpfen die TG Saar und der TV Wetzgau (im Halbfinale 61:15-Sieger gegen den Siegerländer KV) um den Titel. Straubenhardt und Siegerland stehen sich parallel im Duell um Platz drei gegenüber. Die KTV ist auch gewillt, anzutreten – wenn die Veranstaltung nach den geltenden Corona-Regeln stattfinden könne und dem Verein rechtzeitig ein schlüssiges Hygienekonzept für die Veranstaltung vorliege.