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Als Schiedsrichter hat Uwe Bolz aus Wiernsheim-Serres bis 2007 in der Fußball-Oberliga gepfiffen. Foto: PZ-Archiv
Als Schiedsrichter hat Uwe Bolz aus Wiernsheim-Serres bis 2007 in der Fußball-Oberliga gepfiffen. Foto: PZ-Archiv
29.09.2017

Uwe Bolz: „Ein Schiedsrichter muss Mut haben“

Uwe Bolz engagiert sich vielfältig. Er ist Vorsitzender der SFG Serres, Wiernsheimer Gemeinderat und mischt auch bei der Schiedsrichtergruppe Vaihingen mit. Früher war er Oberliga-Schiri. Zehn Jahre nach seinem Abschied hat der 52-Jährige so Einiges zu erzählen.

PZ: Als Schiedsrichter sind Sie noch aktiv. In welcher Weise?

Uwe Bolz: Ich pfeife noch selbst, bin auch Linienrichter, betreue aber überwiegend unsere beiden Nachwuchsschiedsrichter, die in der Bezirksliga unter Beobachtung stehen.

PZ: Wird man auf Dorfsportplätzen anders empfangen, wenn man relativ weit oben gepfiffen hat?

Uwe Bolz: Die Insider wissen das, und auch die, die nach einer Ansetzung für ein Spiel im Internet nachschauen. Auch nach zehn Jahren werde ich auf Sportplätzen auf die früheren Zeiten angesprochen. Bei mir gibt es keine Unterschiede: Jedes Spiel wird ernst genommen.

PZ: Sie haben frühergesagt, dass man als Schiedsrichter in der ersten Viertelstunde die Weichen stellt, zum Beispiel was den Karten-Einsatz angeht.

Uwe Bolz: Das ist, was ich den Nachwuchsschiedsrichtern immer vor den Spielen mitgebe. Die Erfahrung zeigt, wenn du dich in den ersten Minuten standhaft zeigst, dir von den Spielern nichts gefallen lässt, hast du nachher deine Ruhe. Lässt du dich aber am Anfang an der Nase herumführen, dann hast du 90 Minuten keine Ruhe

PZ: Gibt es ansonsten Grundregeln bei der Herangehensweise?

Uwe Bolz: Bei der Anreise fängt es schon an. Für mich ist es noch heute in der Bezirksliga selbstverständlich, dass ich im Anzug komme – und ab der Landesliga mit Krawatte. Vom WFV her ist es eine Vorgabe, von vorne herein ordentlich aufzutreten. Du wirst dann auch ganz anders behandelt. Wer mit einer „halben“ Hose und Haiti-Hemd kommt, wird nicht so ernst genommen.

PZ: Sie waren damals sehr bedacht, das Thema Ihres Oberliga-Abschieds klein zu halten: Was können Sie mit viel Abstand zu den Hintergründen sagen?

Uwe Bolz: Das Alter hat eine Rolle gespielt. Ich war schon bei Weitem der Älteste in dieser Klasse, und die Jugend drängte in Massen nach oben. Da willst du auch niemandem den Platz versperren, der noch weit nach oben kommen kann. Bei mir war es ja so, dass ich erst mit 25 Schiedsrichter geworden bin und mit der Oberliga eine Grenze erreicht war, weil du den DFB-Bereich, also die Regionalliga, bis 30 erreicht haben musst.

PZ: Bundesliga-Debütantin Bibiana Steinhaus ist auch immerhin schon 38 und hätte wohl nicht mehr lange die Chance gehabt, aufzusteigen.

Uwe Bolz: Aber sie ist eine sehr gute Schiedsrichterin, hat ihr Debüt-Spiel Berlin gegen Bremen sehr gut geleitet. Ich denke, das ist ein Pilotprojekt des DFB, und wenn es einschlägt, bekommen wir noch mehr Frauen in der Bundesliga.

PZ: Wie sehen Sie den Videobeweis?

Uwe Bolz: Wenn der Schiri korrigiert wird, finde ich, wird er bloßgestellt: Ich würde mir da blöd vorkommen. Und es gibt sowieso immer umstrittene Entscheidungen, also Ärger. Die Torlinientechnik halte ich für hilfreich, aber vom Videobeweis bin ich noch nicht überzeugt.

PZ: Als Top-Schiedsrichter hat Manuel Gräfe kürzlich heftige Kritik am System und an den früheren Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug geübt: Wie sehen Sie das?

Uwe Bolz: Manchmal muss ein Schiedsrichter auch mal den Mut haben, die Wahrheit zu sagen oder Kritik anzubringen. Das Problem ist, man muss sich mehr oder weniger den Leuten fügen, die die Sache leiten. Gräfe als einer, dessen Karriere am Auslaufen ist, kann schon einmal das Mundwerk aufmachen. Ein 30- oder 32-Jähriger, der gerade in die Bundesliga aufgestiegen ist, wird nie etwas gegen den DFB oder die Macher sagen, weil er weiß, er ist womöglich noch 15 Jahre im Geschäft – und Bibiana Steinhaus wird sich wohl auch zurückhalten.

PZ: Sind solche Impulse sogar wichtig, weil Außenstehende immer mal wieder das dumpfe Gefühl haben, dass auch im Schiedsrichterwesen nicht alles läuft, wie es sollte?

Uwe Bolz: Richtig, die Außenstehenden, haben eher wenig Einblick. Aber wenn du dabei bist, merkst du schon, wie der Hase läuft. Alle, die da oben sind, haben ihre Förderer gehabt – nur durchs Pfeifen ganz hoch zu kommen, funktioniert wahrscheinlich nicht. Entweder du fährst mit dem Zug mit und bist ruhig oder du machst „die Gosche“ auf, was ich auch mal gemacht habe. Das machst du aber besser so spät, dass es nichts mehr ausmacht.

PZ: Knut Kircher hat als Württemberger Bundesliga-Spiele in Freiburg geleitet. Und für Sie war es sicher auch heikel, den 1. FC Pforzheim zu pfeifen.

Uwe Bolz: Wenn ich da nur an mein erstes Oberliga-Spiel 2003 denke: Bahlinger SC gegen Pforzheim. Da kam mir auf der Autobahn: Mensch, du fährst da jetzt in einem Auto mit Pforzheimer Kennzeichen hin – scheiße. Ich bin also am Stadion vorbei und habe ganz hinten geparkt. Die Verantwortlichen haben dann gefragt, ob ich nicht im Innenraum parken wolle. „Schon okay“, habe ich da gesagt. Ich wollte sie ja nicht drauf stoßen, dass mein Auto ein Pforzheimer Kennzeichen hat.

PZ: Und wie lief es?

Uwe Bolz: Das Spiel ging 1:1 aus – und ich habe sogar einen Pforzheimer vom Platz gestellt. Ich habe übrigens auch nicht einen der Pforzheimer Spieler gekannt. In der Umkleidekabine habe ich aber durchs Fenster die erste Frage bei der Pressekonferenz gehört. Die lautete: Wie kann es sein, dass Uwe Bolz, der nur 15 Kilometer entfernt von Pforzheim wohnt, dieses Spiel pfeift? Es erklärte sich einfach durch die Verbands-Zugehörigkeit. In jedem Fall habe ich gleich gemerkt, dass das auch für die Reporter ein Thema war. Gewundert habe ich mich auch, als ich fürs Spiel 07 Ludwigsburg gegen TSF Ditzingen eingeteilt wurde, beide Oberligisten kamen ja aus dem eigenen Bezirk. Für mich war es aber kein Problem, denn der Schiedsrichter ist ja unparteiisch.

PZ: Ein weiteres Thema im Fußball sind Ausschreitungen: Mit massivem Fehlverhalten waren Sie zum Beispiel auch schon als Vorsitzender des Freizeitvereins SFG Serres konfrontiert.

Uwe Bolz: Sowas hat es früher gegeben, das gibt es heute noch, und das wird es auch in Zukunft geben. Präventions-Maßnahmen bringen erfahrungsgemäß leider auch nicht viel. Als Schiedsrichter habe ich nur eine schlechte Erfahrung gemacht: Bei einem Bezirksliga-Spiel hat ein Südländer, dem ich die Rote Karte gezeigt hatte, ausgeholt und mich an der Brust getroffen. Als ich danach aufstehen wollte, hat er mir noch eine mitgegeben. Ich habe das Spiel dann abgebrochen, und er ist später ein Dreivierteljahr gesperrt worden.