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Ist die Stuttgarter Fußball-Arena nicht mehr voll besetzt, bedeutet das für die gesamte Stadt Verluste.  Kahnert
Ist die Stuttgarter Fußball-Arena nicht mehr voll besetzt, bedeutet das für die gesamte Stadt Verluste. Kahnert
12.05.2016

VfB Stuttgart - Abstieg wäre richtig teuer

Über Jahrzehnte war der VfB Stuttgart Stolz und Aushängeschild der Stadt. Nun steht der Verein unmittelbar vor dem zweiten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Und der wäre richtig teuer: Nicht nur für den VfB, auch für die Stadt. Die Werbewirkung des Vereins für seine Heimat sei „im Grunde nicht bezahlbar“, sagt Tourismus-Chef Armin Dellnitz.

„Das sind schon Millionenbeträge, die ich ausgeben müsste, wenn ich das künstlich erzeugen will. Aber was künstlich gesteuert wird, hat überhaupt nicht die Wirkung wie das, was ein Verein von selbst schafft.“

Als Stadt mit zwei großen Tennis-Turnieren, Erstligisten unter anderem im Handball und Volleyball und dem internationalen Reitturnier im November verschwindet Stuttgart zwar nicht aus den Sportteilen bundesweit berichtender Medien. Aber der größte Botschafter, vor allem betrachtet über den Zeitraum einer ganzen Saison, ist bislang der Fußballverein aus Bad Cannstatt.

„Der VfB ist ein Imageträger der Stadt. Deshalb wäre es herb, wenn der VfB nicht mehr in der Bundesliga mitspielen würde“, sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kürzlich.

Angaben zum entstehenden wirtschaftlichen Schaden gibt es von offizieller Stelle nicht. „Wir können keine seriösen und soliden Berechnungen anstellen, was das in Euro und Cent für die Stadt bedeutet“, sagt Tourismus-Chef Dellnitz. Doch Anhaltspunkte gibt es zumindest.

Berechnungen eines Mobilitätsdienstleisters sehen Stuttgarts Einnahmen durch die Bundesliga-Spiele mit 17,9 Millionen Euro jährlich auf Rang fünf im bundesweiten Vergleich. Allein 13,07 Millionen Euro geben Fußballfans demnach für Essen und Trinken aus.

Offiziell macht der VfB zwar keine Angaben zu den kalkulierten Zuschauerzahlen für eine Zweitliga-Saison. Dem Vernehmen nach aber rechnet der Verein nicht mehr mit im Schnitt 50 000, sondern nur noch nur 30 000 Fans pro Heimspiel – also mit 40 Prozent weniger. Umgelegt auf die Kaufkraft der Fußballfans könnten die Einnahmen allein in der Gastronomie um rund 5,2 Millionen Euro zurückgehen.

Noch heftiger ist der Schaden, wenn man mit den Zahlen der Stadt Stuttgart rechnet, die allerdings auch Ausgaben für Einkauf und Eintritte einbezieht. Für Tagesgäste veranschlagt sie Ausgaben von im Schnitt 30,40 Euro. Hochgerechnet auf 17 Heimspiele und 50 000 Zuschauer in der Bundesliga, aber nur 30 000 Zuschauer in der 2. Liga ergibt sich eine Differenz von 15,5 Millionen Euro.

„Dass das Einbußen zur Folge haben würde, das ist ohne Zweifel so“, sagt der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands in Baden-Württemberg, Daniel Ohl. Immerhin fürchtet er keine jahrelangen Folgen. „Die Sache ist sicher nicht gut für die Stadt, aber langfristige Schäden zu prognostizieren, finde ich übertrieben.“

Das sieht Tourismus-Chef Dellnitz ähnlich: „Das Image einer Stadt ist wie ein Tanker. Das verändert sich nicht so schnell. Das wird über Jahre geprägt.“ Um nicht doch zu einem schlechter werdenden Bild Stuttgarts für Menschen von außerhalb beizutragen steigt der VfB also am besten gleich wieder auf – oder mit Glück am Samstag und in der Relegation erst gar nicht ab.