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Wollte Großkreuz unbedingt: VfB-Trainer Jürgen Kramny. Foto: dpa
Wollte Großkreuz unbedingt: VfB-Trainer Jürgen Kramny. Foto: dpa
Nothelfer im VfB-Abstiegskampf: Kevin Großkreutz.  Foto: dpa
Nothelfer im VfB-Abstiegskampf: Kevin Großkreutz. Foto: dpa
Nothelfer im VfB-Abstiegskampf: Artem Kravets.   Foto: dpa
Nothelfer im VfB-Abstiegskampf: Artem Kravets. Foto: dpa
04.01.2016

VfB Stuttgart: Teamgeist über alles im Trainingslager in Belek

Jürgen Kramny sprüht vor Tatendrang. Einen Tag vor der Abreise ins Trainingslager nach Belek in der Türkei umreißt der frischgebackene Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart sein Programm für die kommenden neun Tage und für die Rückrunde: „Arbeiten, Gas geben, sich verbessern und das Feuer der vergangenen Spiele mitnehmen.“ Über allem aber steht ein großes Ziel: bloß nicht absteigen. Wenn nichts mehr schiefläuft, sitzt am Dienstag auch Neuzugang Kevin Großkreutz mit im Flieger in die Türkei.

Der VfB hat sowohl mit dem Spieler als auch mit Galatasaray Istanbul eine Einigung erzielt. Es fehlen lediglich noch die Unterschriften, wie ein Vereinssprecher des VfB mitteilte. Für den 27-jährigen ehemaligen Dortmunder muss der VfB geschätzte 2,6 Millionen Euro Ablöse an Galatasaray überweisen.

Perfekt ist dagegen der Wechsel des 26-jährigen ukrainischen Nationalstürmers Artem Kravets. Dynamo Kiew und die Schwaben klärten die letzten Details. Der Stürmer kommt bis zum Saisonende auf Leihbasis nach Stuttgart.

An Großkreutzs Wechsel vom Bosporus an den Neckar ist Kramny maßgeblich beteiligt. Der VfB-Trainer hat sich mit dem ehemaligen Nationalspieler irgendwo „mitten in Deutschland“ getroffen und beim Blick in die Augen des vielseitig einsetzbaren Spielers „Feuer und Flamme für den VfB“ erkannt. „Ich hoffe, dass er eine gewisse Mentalität reinbringt“, sagt Kramny. „Er ist einer, der immer alles gibt.“ Einen mit Leidenschaft und Ehrgeiz kann die VfB-Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg durchaus gebrauchen.

Der WM-Teilnehmer lebt für den Fußball und hat sich den WM-Pokal auf die Schulter tätowieren lassen. Großkreutz ist allerdings im Lauf seiner Karriere das eine oder andere Mal über das Ziel hinausgeschossen und in Skandale verwickelt gewesen. Beispielsweise hat er nach der Niederlage des BVB im Pokalfinale gegen Bayern München 2014 in der Hotellobby randaliert. Nach den frustrierenden Monaten bei Galatasaray, wo er wegen eines Formfehlers lange auf die Freigabe warten musste, nicht wie erhofft zum Einsatz kam und wo ihn das Heimweh plagte, will er in Stuttgart einen Neuanfang wagen.

Auf welcher Position der zweimalige deutsche Meister spielen wird, lässt Kramny noch offen. Großkreutz hat in Dortmund insgesamt auf sieben verschiedenen Positionen agiert und könnte beim VfB sowohl in der Abwehr als auch im Mittelfeld eingesetzt werden.

„Ein positiver Typ“

Auch vom ukrainischen Stürmer Kravets erhofft sich Kramny mehr Variationsmöglichkeiten im VfB-Spiel. „Er ist ein positiver Typ, nicht nur ein Strafraumspieler. Er geht auch weite Wege und kann den Ball halten.“ Kramny hätte nichts dagegen, wenn der VfB einen weiteren Innenverteidiger verpflichten würde. Im Gespräch ist unter anderem der österreichische Nationalspieler Martin Hinteregger von Red Bull Salzburg. Doch der soll angeblich zehn Millionen Euro Ablöse kosten und ist laut Kramny „für den VfB nicht erschwinglich“.

Nachdem sich die Spieler gestern Laktattests unterzogen haben, startet der VfB heute mit 23 Feldspielern und drei Torleuten ins Trainingslager. Nicht dabei sind die verletzten Daniel Ginczek und Martin Harnik. Wann Ginczek wieder eingesetzt werden kann, ist laut Kramny frühestens in vier Wochen absehbar. Bei Harnik könnte es möglicherweise zu einem Einsatz im zweiten Rückrundenspiel am 30. Januar zu Hause gegen den Hamburger SV reichen.

Im Trainingslager will Kramny den Konkurrenzkampf anfachen und den Teamgeist fördern. „Der Teamgeist steht über allem in der Rückrunde. Das ist kein Gefasel.“ Dass das Mannschaftshotel des VfB den Namen „Titanic Deluxe Belek“ trägt, ist für den Trainer kein schlechtes Omen. „Wir werden nicht untergehen“, sagt Kramny. Und meint damit weder einen Untergang in der Türkei noch in dieser Bundesligasaison.