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Erst über viele Umwege empfahl sich Matthias Zimmermann für die VfB- Profis.  Eibner
Erst über viele Umwege empfahl sich Matthias Zimmermann für die VfB- Profis. Eibner
Die Aktien von VfB-Stürmer Daniel Ginczek könnten noch steigen (links Benjamin Pavard). Foto: Karmann
Die Aktien von VfB-Stürmer Daniel Ginczek könnten noch steigen (links Benjamin Pavard). Foto: Karmann
Im zweiten Jahr in Stuttgart wurde der Australier Mitchell Langerak zur unumstrittenen Nummer eins. Foto: Heimken
Im zweiten Jahr in Stuttgart wurde der Australier Mitchell Langerak zur unumstrittenen Nummer eins. Foto: Heimken
22.05.2017

VfB Stuttgart: Von der Hölle in den Fußball-Himmel

Die Aufsteiger Langerak, Zimmermann und Ginczek hatten schwere Zeiten. Jetzt freuen sich alle drei auf viele Einsätze in der ersten Bundesliga.

In diesen Stunden der Glückseligkeit denken nur wenige daran, dass einige dieser Elite-Kicker die Fußball-Hölle durchqueren mussten. Drei Akteure der Stuttgarter Meistermannschaft, Matthias Zimmermann, Daniel Ginczek und Mitchell Langerak wurden hart gebeutelt: Der unerwartete Verlust eines nahen Angehörigen, das Abschieben auf das Abstellgleis oder Verletzungen haben dem Trio schwer zugesetzt.

Matthias Zimmermann: Der 24-jährige in Grötzingen geborene Mittelfeldakteur (in Wikipedia und anderen Medien hat sich fälschlicherweise als Geburtsstadt Pforzheim eingeschlichen) erlebte seinen schlimmsten Augenblick am 16. Februar 2011. Sein Bruder Christian brach mit 24 Jahren bei einem Einsatz für den FC Alemannia Wilferdingen zusammen und starb wenig später. Matthias musste nach seiner Zeit beim Karlsruher SC einige Tiefen überstehen. Gerade mal eine Bundesligapartie war ihm bei Borussia Mönchengladbach vergönnt, als er in die zweite Mannschaft abgeschoben und dann an die Spvgg. Greuther Fürth und den SV Sandhausen ausgeliehen wurde. „Ich hatte einen schweren Weg. Die hatten mich als U-17-Europameister in Gladbach aussortiert“, erinnert er sich nach dem 4:1-Triumph gegen die Würzburger Kickers. Dass er jetzt seinen ersten Treffer für die VfB-Profis mit einem 25-Meter-Schuss erzielte, nennt er „überwältigend“. Auch beim VfB musste er sich 2015 erst einmal in dessen zweiter Garnitur bewähren. Auf seinen Trainer Hannes Wolf hält er große Stücke: „Wenn wir reinkommen, geben wir immer Vollgas und legen einen Schub zu.“ Mit „wir“ meint er die Edeljoker des Clubs. Immerhin 27- mal durfte er in dieser Saison ran, wobei er siebenmal ein- und 14-mal ausgewechselt wurde. Zimmermann denkt bereits an die erste Bundesliga: „Ich habe einen Vertrag, der bis 2018 läuft und ich hoffe, dass er verlängert wird.“

Daniel Ginczek: Im Februar 2014 erlitt er, damals noch für den 1. FC Nürnberg, einen Kreuzbandriss im rechten, zwei Jahre später dasselbe im linken Knie. Dazwischen ereilte ihn im September 2015 eine Halswirbelverletzung. Am Sonntag bereitete er zwei Tore vor und traf einmal selbst. Der 26-Jährige hebt dennoch nicht ab: „Die Liga hat uns bescheiden gemacht, wenn man 0:5 in Dresden und 0:3 in Würzburg verliert.“ Dennoch: „Mit einer solchen Saison kann man wachsen.“ Der Stürmer wird noch wichtiger für den VfB, sollte Top-Torjäger Simon Terodde wechseln.

Mitchell Langerak: Mit Borussia Dortmund feierte der Australier zwei deutsche Meisterschaften. Nun freut er sich über den Zweitliga-Titel mit Stuttgart wie ein Schneekönig: „Diese Meisterschale bedeutet mir noch mehr.“ Kein Wunder: In den fünf Jahren bei den Schwarz-Gelben kam er hinter Stammtorhüter Roman Weidenfeller nur auf 19 Einsätze. Nach seinem Wechsel im Sommer 2015 an den Neckar verletzte er sich, so dass er erst im Februar 2016 in der VfB-Profimannschaft zum Zuge kam. „Ich bin nach Stuttgart gegangen, weil ich wieder in die Bundesliga zurück wollte“, bilanziert der 28-Jährige, der dem VfB im Tor manchen Punkt rettete. Das Finale war ihm und seiner Familie so wichtig, dass sogar seine Eltern zum Duell gegen Würzburg aus Australien einflogen: „Sie sind zum ersten Mal hier und bleiben ein paar Tage da.“