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Eine Schlüsselrolle im neuen VfB-System hat Daniel Didavi (links). In der laufenden Saison konnte er mit Timo Werner noch nicht oft jubeln. Foto: dpa
Eine Schlüsselrolle im neuen VfB-System hat Daniel Didavi (links). In der laufenden Saison konnte er mit Timo Werner noch nicht oft jubeln. Foto: dpa
23.10.2015

VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen: Gute Chancen auf ein Spektakel

Was war das für ein Spektakel: 4:4 endete am Dienstagabend das Fußball-Champions-League-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem AS Rom. „Wenn wir das fünfte Tor noch machen, wäre hier das Stadion abgerissen worden“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler anschließend, beinahe hyperventilierend. VfB-Trainer Alexander Zorniger hat sich das Spiel in Ruhe angeschaut. Auch weil er mit seinen Stuttgartern bereits am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in Leverkusen zu Gast ist.

Die Stuttgarter haben zuletzt gewonnen. Beim 1:0 gegen Bundesliga-Aufsteiger FC Ingolstadt blieben sie zum ersten Mal in der laufenden Spielzeit ohne Gegentreffer. Ein Spektakel war es nicht. Diesmal nicht.

Grundsätzlich spielte der VfB gegen Ingolstadt mit dem gleichen System wie Leverkusen gegen Rom. Es ist das gleiche auf Wildheit und auf Spektakel ausgelegte System. Das macht das heutige Aufeinandertreffen so spannend. „Es ist sehr interessant. Ich freue mich auf den Vergleich mit Roger, der im vergangenen Jahr in Leverkusen gezeigt hat, welchen Fußball er mit einer Mannschaft entwickeln kann“, sagt Zorniger in Bezug auf seinen Leverkusener Kollegen Roger Schmidt.

Trainer bestimmen Systeme. Zu eigen gemacht haben sich Schmidt und Zorniger ihres bei den Red-Bull-Teams in Salzburg und Leipzig. Fast zeitgleich fingen sie im Jahr 2012 beim von Ralf Rangnick vorangetriebenen Projekt an. Schmidt in Salzburg, Zorniger in Leipzig. Schmidt ist seit gut einem Jahr in Leverkusen, Zorniger seit diesem Sommer in Stuttgart. Deshalb kann man heute auch nicht vom Spiel zwischen Original und Nachahmer sprechen. Das Original spielt in Salzburg und in Leipzig.

Robin Dutt war mal Bayer-Coach. Heute ist er VfB-Sportvorstand und hat Zorniger an den Neckar geholt. „Wenn zwei gleiche Systeme aufeinandertreffen, kann es so laufen, dass sie sich neutralisieren oder dass sich eines durchsetzt“, sagt er nun. Dutt weiß, dass die Vorteile nicht nur wegen der höheren individuellen Qualität bei den Leverkusenern liegen: „Sie werden pressingresistenter sein als die Ingolstädter.“

Bayer beherrscht das System

Der noch größere Vorteil ist, dass die Leverkusener das für die Stuttgarter neue, offensive Ab-durch-die-Mitte-System schon ein Jahr länger praktizieren. „Deshalb haben die Spieler schon mehr Lösungen automatisch an der Hand, sie haben mehr Sicherheit in ihren Aktionen“, erklärt Dutt. Oder wie Zorniger es ausdrückt: „Sie sind ein Jahr weiter. Wenn wir noch denken, handeln die schon.“ Während Zorniger immer noch die Grundlagen an den Profi bringt, ist Schmidt schon lange mit der Feinjustierung beschäftigt. Das packte er bereits in der vergangenen Saison an, vor allem in der Defensive, die zunächst viel zu offen war. Wie jetzt die der VfB.

Einem Spieler kommt im neuen System eine besonders wichtige Rolle zu, dem Spielgestalter Daniel Didavi. Wie gut er die Rolle ausüben kann, sieht man auch daran, dass ihn die Leverkusener im Sommer unbedingt holen wollten. Didavi wollte auch. Die Stuttgarter aber lehnten ab. „´Dida` fokussiert sich ganz auf seinen Heimatverein. Im Moment ist er ganz ein VfB-Junge“, sagt Zorniger. Angesichts der Knieprobleme des Nürtingers sagte der Trainer: „Er hat jetzt zwei Mal fast über 90 Minuten durchgespielt, das gab es schon lange nicht mehr. Er kommt physisch in einem immer besseren Zustand daher.“

Heute sollen Didavi und Co. die Leverkusener mit ihren eigenen Mitteln schlagen.

Mögliche VfB-Aufstellung: Tyton – Klein, Sunjic, Baumgartl, Insúa – Schwaab, Rupp – Harnik, Didavi, Maxim – Werner