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Nachdenklich: Sportvorstand Robin Dutt (links) Trainer Alexander Zorniger vom VfB Stuttgart.
Nachdenklich: Sportvorstand Robin Dutt (links) Trainer Alexander Zorniger vom VfB Stuttgart.
20.11.2015

VfB Stuttgart gegen Augsburg: Sicherheitsaspekt hat Vorrang - Spieler nicht verunsichert

Stuttgart. Die Stimmung ist bedrückt. Nur mühsam setzten Angreifer Timo Werner und Torhüter Przemyslaw Tyton vor dem Training beim Betreten des Vereinsgeländes ein Lächeln auf. Sie wirkten nachdenklich. Über dem Fußball hängt seit den Terror-Angriffen von Paris und Hannover eine graue Wolke. Auch über der Bundesliga. Und damit auch über dem VfB Stuttgart.

Die zentrale Frage war in dieser Woche schnell geklärt. Gedanken an eine Absage der Begegnungen des 13. Spieltags am Wochenende wurden rasch verworfen. Das Heimspiel der Stuttgarter gegen den FC Augsburg am heutigen Samstag (15.30 Uhr) in der Mercedes-Benz-Arena findet statt. Der Sicherheitsaspekt hat angesichts von wohl 56 000 Zuschauern aber absoluten Vorrang. „Das Ergebnis im Fußball ist nicht immer wichtig“, sagt Sportvorstand Robin Dutt, der zugibt: „Ein ungutes Gefühl hat man natürlich schon manchmal, wenn man zur Zeit irgendwo ist, wo sich viele Leute aufhalten.“

„Wir werden mit der Mannschaft sprechen, was getan wird, um ihre Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Stuttgarts Trainer Alexander Zorniger vor dem schwäbischen Derby und ergänzt: „Alles, was menschenmöglich ist, wird getan.“ Auch der VfB-Coach wirkte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel noch in sich gekehrt. „Paris war furchtbar, wie damals Madrid und London auch. Jetzt war es aber Hannover und damit – ohne dass etwas passiert ist – direkt vor der Haustür“, erklärte Zorniger vor dem Duell im Abstiegskampf zwischen dem Tabellendrittletzten und dem Schlusslicht. Er berichtete: „In der Mannschaft wird natürlich über die Vorfälle gesprochen.“

Die Spieler seien aber nicht verunsichert. Zorniger: „Es ist deshalb noch keiner zu mir gekommen.“ Auch sei keine Trainingseinheit wegen der Geschehnisse der vergangenen Tage ausgefallen. So richtig normal ist derzeit aber trotzdem nichts. Der 47-Jährige räumte ein, dass er „ein komisches Gefühl“ habe. Damit steht er nicht allein. Der Coach versprühte aber auch gedämpften Optimismus: „Ich hoffe, dass wir irgendwann wieder zur Normalität übergehen können.“

Keine Böller zünden

Um Verunsicherung oder gar Panik im Stadion zu vermeiden, hat der Verein bei seinen Ultra-Fans um einen sensiblen Umgang geworben und darum gebeten, spezielle Aktionen zu unterlassen. „Wenn ein Böller knallt, dann wird es kein Böller sein wie vor Paris“, wies Zorniger auf die völlig veränderte Situation nach der Absage des Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland am vergangenen Freitag hin.

Für das bevorstehende Spiel seiner Mannschaft sieht er trotz alle dem einen sportlichen Wert. „Es gibt keine Basis dafür, dass am Samstag Sieg oder Niederlage egal wären“, erklärte der Trainer, der mit dem VfB die vergangenen beiden Heimspiele zu Null gewonnen hatte. Das ist den Stuttgartern zuletzt vor fünf Jahren gelungen. „Wir wollen alle wieder in andere Bereiche und sind auch davon überzeugt, dass wir dort auch wieder hinkommen“, sagte Zorniger. Ein Anfang scheint gemacht zu sein.

Auch die Augsburger haben sich nach der ausgezeichneten Vorsaison und dem Einzug in die Europa League natürlich etwas anderes ausgemalt. In der Fremde konnte der FCA bislang allerdings als einziger Bundesligist noch kein Spiel gewinnen. „Beide Mannschaften sind zu einer anderen Leistung imstande“, mutmaßte der VfB-Coach. Beide müssten dazu aber ihre Defensive angesichts von 27 (VfB) beziehungsweise 25 Gegentoren (FCA) „besser in den Griff kriegen“.

Im Spiel gegen den schwäbischen Rivalen kann Zorniger wieder auf die zuletzt angeschlagenen Angreifer Filip Kostic und Neuzugang Robbie Kruse zurückgreifen, die beide in einem „sehr guten Zustand“, aber natürlich noch nicht bei 100 Prozent seien. Zorniger glaubt dennoch, „dass die uns am Wochenende weiterhelfen können“. Zudem sei Toni Sunjic’ Blessur aus der Partie beim FC Bayern München auskuriert. Der lange Innenverteidiger ist wieder fit.

Mögliche VfB-Aufstellung:

Tyton – Klein, Sunjic, Baumgartl, Insúa – Serey Dié, Gentner – Maxim, Didavi, Kostic – Werner