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Läuft es weiter gut, können Daniel Didavi und das VfB-Team noch recht weit nach oben kommen. Die Konkurrenz (am Boden Schalkes Torhüter Ralf Fährmann) wird es den Stuttgartern aber nicht leicht machen.  Thissen
Läuft es weiter gut, können Daniel Didavi und das VfB-Team noch recht weit nach oben kommen. Die Konkurrenz (am Boden Schalkes Torhüter Ralf Fährmann) wird es den Stuttgartern aber nicht leicht machen. Thissen
22.02.2016

VfB Stuttgart kann von einem Platz in der Europa League träumen

In Robin Dutts Kopf arbeitete es kurz. Er rechnete. Dann hatte er die Frage verstanden. Wie er den Sechs-Punkte-Abstand bewertet, wollte ein Gelsenkirchener Journalist nach dem 1:1 des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart beim FC Schalke 04 wissen. Der Stuttgarter Sportvorstand hatte zunächst die Zahl acht im Kopf. Acht Punkte Vorsprung haben die Schwaben auf Werder Bremen auf dem Abstiegs-Relegationsplatz 16. Der Journalist aber hatte nach dem Abstand nach oben gefragt. Sechs Zähler sind es auf die Schalker. Die sind Sechster. Der Sechste der Abschlusstabelle ist in der Europa League dabei.

Wohin führt der Weg des VfB? Vor noch nicht langer Zeit stand die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz. Jetzt ist sie Erster der Rückrundentabelle noch vor dem FC Bayern München und Borussia Dortmund, außerdem spielt der VfB wie ein Team, das nach oben gehört. Dutt antwortete so: „Wir sind dankbar, dass wir diese Art von Fragen gestellt bekommen, wollen uns aber im Mittelfeld festbeißen.“ Ist der momentane elfte Platz nur eine Zwischenstation? Der VfB hat auf dem Weg nach oben Rückschläge einkalkuliert.

Noch spricht bei den Stuttgartern niemand vom europäischen Wettbewerb. Noch sitzt die Abstiegsangst in den Knochen. Aber die Mannschaft ist dabei, sie endgültig abzuschütteln. Das sieht man auf dem Spielfeld. Nach dem 0:1 der Schalker, das den Matchplan von VfB-Trainer Jürgen Kramny über den Haufen warf, schüttelten sich die Spieler nur kurz, dann wurde die Mannschaft immer besser. „Wir liegen mit 0:1 hinten – na und? Dass wir das aufholen können, haben wir schon zum x-ten Mal gezeigt“, beschreibt der Trainer das gestiegene Selbstvertrauen, staunt aber selbst immer noch ein bisschen: „Das war schon stark.“ Nach dem Ausgleichstreffer durch Martin Harnik in der 74. Minute machten die Stuttgarter weiter wie vorher und spielten wie selbstverständlich auf Sieg.

Die zurückliegenden Erfolge sind in der Körpersprache abzulesen. So, und durch die bessere defensive Organisation, gewinnt man auch Zweikämpfe, die man vorher nicht gewonnen hat. Und bringt Pässe an den Mitspieler, die vorher nicht ankamen. Und erobert Bälle schneller zurück, die man verloren hat. Erfolg begünstigt den Erfolg.

Die Konkurrenz hat Respekt

Nach dreifachen Punktgewinnen gegen Teams, die vor der Saison auf Augenhöhe erwartet wurden, holte Stuttgart gegen einen Champions-League-Anwärter zumindest einen Zähler. Worüber sich niemand wunderte, auch die Schalker nicht. Deren Trainer André Breitenreiter fühlte sich in seiner Einschätzung der Stuttgarter bestätigt: „Man sieht einfach, dass sie Qualität haben.“

In jedem Fall haben die Stuttgarter nun den Anspruch, am Samstag um 15.30 Uhr gegen Schlusslicht Hannover 96 drei Punkte zu holen. „Das wird ein ganz anderes Spiel“, sagte Innenverteidiger Daniel Schwaab und forderte eine Aufarbeitung der schwächeren ersten Hälfte in Gelsenkirchen. Es wird ein gefährliches Spiel gegen Hannover. Eine Reifeprüfung, die ein bisschen mehr Aufschluss darüber geben dürfte, wohin der Weg der Stuttgarter in dieser Saison noch führt.