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Frust und Ratlosigkeit herrscht beim VfB nach der 1:3-Niederlage gegen Gladbach.
Frust und Ratlosigkeit herrscht beim VfB nach der 1:3-Niederlage gegen Gladbach.
27.09.2015

VfB Stuttgart nach 1:3-Niederlage in Erklärungsnot

Stuttgart. Dem vermeintlichen Befreiungsschlag folgte die Ernüchterung. Nur drei Tage nach dem 3:1 in Hannover kassierten die Bundesliga-Fußballer des VfB Stuttgart am Samstag wieder eine Niederlage. Es war die sechste im siebten Saisonspiel. Sie war wieder vermeidbar. Nach dem 1:3 (1:2) gegen Borussia Mönchengladbach steht der VfB wieder auf einem Abstiegsplatz. Und alle Beteiligten sind sich darüber im Klaren: So kann es nicht weitergehen.

Den Stuttgartern sind längst die Worte ausgegangen. Zumindest fallen sie ihnen schwer. Sie reden trotzdem. Den Inhabern der Fernsehrechte müssen sie Rede und Antwort stehen, mit den anderen sprechen sie auch. Denn die Fans wollen wissen: Warum? Wann wird es besser? Aber die Antworten gleichen sich. Wie auch die Fragen.

Daniel Didavi ist einer, der sich fast nie um eine Aussage drückt. Aber der Spielmacher spricht leiser als sonst. Seine Aussage bringt es auf den Punkt: „Wir müssen unsere Chancen besser nutzen und dürfen nicht so einfache Tore bekommen. Das ist alles.“ Viel mehr wäre eigentlich nicht zu sagen. Und trotzdem wird in den kommenden Tagen auf dem Wasen nicht nur trainiert, sondern auch viel gesprochen werden. Wie den Teufelskreis durchbrechen, der am Mittwochabend in Hannover durchbrochen schien? „Das ist ein bisschen wie: ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘“, sagte Sportvorstand Robin Dutt.

Das Murmeltier grüßt in Szenen wie in der 16. und 20. Minute auf die eine, und wie in der 11., der 31., der 57., der 59., der 69. und der 81. Minute auf die andere Art und Weise. In der 16. Minute kamen die Mönchengladbacher, die ebenfalls unter der Woche den ersten Saisonsieg eingefahren hatten, nach einem Freistoß und einer größeren Fehlerkette der VfB-Hintermannschaft inklusive dem zu zögerlichen Torhüter Przemyslaw Tyton zum 1:0 durch Granit Xhaka. Vier Minuten später flankte Oscar Wendt ungehindert und Stuttgarts Kapitän Christian Gentner beförderte den Ball nach einem Kopfball von Patrick Herrmann ebenfalls per Kopf ins eigene Tor. Zwei Szenen, zwei Anhäufungen von Fehlern, 0:2, der ordentliche Beginn war futsch.

Und die anderen Szenen? Wie in den Spielen zuvor jede Menge allerbeste Chancen, die nicht genutzt wurden. Der Anschlusstreffer durch einen Strafstoß von Daniel Ginczek fiel kurz vor der Pause ausgerechnet in der schwächsten Stuttgarter Phase. Denn im Gegensatz zum Sieg in Hannover benötigte der VfB nach dem Rückstand einige Minuten, um sich zu berappeln.

Und was sagte der Trainer, dessen Arbeit mit jeder Niederlage kritischer betrachtet wird? „Ich habe mal gedacht, dass man auf diesem Niveau nicht so viele individuelle Fehler macht“, erklärte der Bundesliga-Novize Alexander Zorniger desillusioniert. Die Chancenverwertung bezeichnete er als „kritisch“.

Zorniger steht nach wie vor felsenfest zu seiner Philosophie. Und interessanterweise war die Systemfrage nach der Gladbach-Niederlage kein so großes Thema wie in den Wochen zuvor. Aber auch der Trainer weiß: „Wir können nicht jedes Mal so einen Aufwand betreiben, wenn wir sie uns hinten so leicht einschenken lassen.“ Und noch deutlicher: „Wir können mit dieser Statistik nicht ewig weiterspielen.“ Mit die meisten Torchancen in der gesamten Liga haben die Stuttgarter herausgespielt, in jedem ihrer Spiele mehr als der Gegner – 1:6 Siege, 9:17 Tore und Platz 17 lautet trotzdem die Bilanz.

Noch darf Zorniger verlieren. „Ich glaube nicht, dass der Trainer unser Problem ist, der Trainer ist unsere Lösung“, betont Dutt. Die Länge des Geduldsfadens hängt auch damit zusammen, dass der Sportvorstand selbst in den Mittelpunkt der Kritik geraten würde, müsste er ein Scheitern des Projektes mit Zorniger eingestehen. Dennoch werden sich auch die Schwaben schwerlich den Mechanismen des Geschäftes entziehen können, wenn der Ertrag auch nach den Spielen am Samstag bei 1899 Hoffenheim und nach der Länderspielpause am 17. Oktober gegen den FC Ingolstadt nicht stimmt.

Didavi hat auch hier die einfache Wahrheit parat: „Der Trainer kann die Dinger auch nicht reinmachen.“