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Alexander Zorniger soll weiterhin auf der Trainerbank Platz nehmen.
Alexander Zorniger soll weiterhin auf der Trainerbank Platz nehmen.
Da war‘s schon wieder passiert: Jan-Ingwer Callsen-Bracker vom FC Augsburg (Schwarzes Trikot, Mitte) köpft nach einer Ecke in der 36. Minute zum 3:0 ein.
Da war‘s schon wieder passiert: Jan-Ingwer Callsen-Bracker vom FC Augsburg (Schwarzes Trikot, Mitte) köpft nach einer Ecke in der 36. Minute zum 3:0 ein.
Wenigstens vor dem Spiel noch eine Einheit: Die Spieler gedenken der Terror-Opfer von Paris.
Wenigstens vor dem Spiel noch eine Einheit: Die Spieler gedenken der Terror-Opfer von Paris.
22.11.2015

VfB Stuttgart stürzt in die Katastrophe - Zorniger weiter fest im Sattel

Es war eine gespenstische Szenerie. Mitte der zweiten Hälfte begannen sich die Ränge des Mercedes-Benz-Arena mehr und mehr zu leeren. Die meisten wollten nur noch schnell weg vom Ort des sportlichen Grauens. Die verbliebenen Zuschauer reagierten auf die klägliche Darbietung des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart beim 0:4 (0:3)-Debakel gegen den FC Augsburg mit Hohn und Spott.

Die „La-Ola“ kreiste durch das Stadion, und die frustrierten und leidgeprüften Fans sangen sarkastisch „Oh, wie ist das schön“. Es war für die Spieler mit dem Brustring eine doppelte Demütigung. Erst der sportliche Offenbarungseid, und dann wendeten sich auch noch die Fans von der Mannschaft ab. Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen.

Die Lage ist ernst, sehr ernst. Nach der Partie herrschte bei Spielern, Trainer und Sportvorstand Robin Dutt die pure Ratlosigkeit. Kapitän Christian Gentner sprach von einer „Katastrophe“ und dass der VfB zu Recht unten in der Tabelle stünde. Florian Klein hatte zum ersten Mal in dieser Saison „das Empfinden, dass wir versagt haben“. Dutt stellte sich in der Mixed-Zone tapfer den Fragen der Journalisten, forderte eine schonungslose Analyse und fügte hinzu: „Wir können nach so einem Spiel nicht sagen: Mund abwischen und weitermachen.“

Wie es weitergeht, wusste keiner zu sagen. Trainer Alexander Zorniger war sichtlich angeschlagen und erklärte: „Wir werden ein paar Tage brauchen, bis wir das aufgearbeitet haben.“ Der 48-Jährige nahm die Hauptschuld auf sich. „Es muss im Vorfeld etwas passiert sein, was ich übersehen habe.“ Die bittere Niederlage hat seiner Ansicht nach „alles andere als zur Verbesserung der Lage beigetragen. In der Tabelle und auch abseits des Platzes.“ Der VfB steckt wieder einmal im Abstiegskampf. „Eine beschissene Situation“, sagte Abwehrspieler Daniel Schwaab.

Die Trainerfrage scheint bei Dutts angekündigter schonungslosen Analyse vorerst nicht gestellt zu werden. „Der Weg mit Zorniger geht weiter“, sagte der Sportvorstand. Kein Wunder, schließlich war Dutt selbst maßgeblich an der Verpflichtung des Bundesliga-Novizen Zorniger beteiligt.

Wer die Partie gegen Augsburg verfolgte, stellte sich allerdings die Frage, ob Zornigers Spielphilosophie von der Mannschaft überhaupt umgesetzt werden kann. In der Länderspielpause hat er sein Hauptaugenmerk in den Trainingsinhalten auf die „Balance zwischen aggressivem Verteidigen und hinten gut stehen“ gelegt und dies in der Anfangsphase des Spiels gestenreich eingefordert. Spätestens nach dem dritten Gegentor aber wirkte Zorniger nur noch wie versteinert. „Jeder hat gesehen, was auf dem Platz passiert ist. Ich auch.“

Es funktionierte so gut wie nichts. Es war beängstigend, wie leicht die Augsburger zu ihren Toren kamen: Schnelles Umschalten, ein Pass in die Schnittstelle der Stuttgarter Abwehr, und schon war es nach elf Minuten zum ersten Mal passiert. Gegentor Nummer zwei war ein Eigentor, Nummer drei erfolgte nach einer Ecke. „Wir bekommen die Kompaktheit einfach nicht hin“, meinte Zorniger. Was tun? „Wir müssen punkten, um nicht den Anschluss zu verlieren“, sagte Zorniger vor der nächsten Partie am Sonntag in Dortmund.