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Auf der Suche nach guten Aussichten: Jochen Röttgermann (links), VfB-Vorstand für Marketing und Vertrieb, mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser bei der Mitgliederversammlung im Stuttgarter Stadion. Foto: Schmidt
Auf der Suche nach guten Aussichten: Jochen Röttgermann (links), VfB-Vorstand für Marketing und Vertrieb, mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser bei der Mitgliederversammlung im Stuttgarter Stadion. Foto: Schmidt
02.06.2017

VfB Stuttgart und die Ausgliederung: Neues Geld, neue Qualität?

Vier Stunden lang dauerte der Abstimmungsmarathon bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Dann stand das Ergebnis fest: 84,2 Prozent der 9099 abgegebenen Stimmen sprachen sich für die Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG aus. Ein eindeutiges Votum, das gleichzeitig einen Auftrag für die Vereinsführung bedeutet. „Wir wissen, welche Verantwortung wir übernommen haben“, sagte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich. „Wir wissen auch, dass wir damit noch lange nicht unsere Ziele erreicht haben. Aber diese Entscheidung gibt dem VfB einen neuen Impuls.“

In den kommenden Wochen wird Autobauer Daimler die verhandelten 41,5 Millionen Euro für 11,75 Prozent der Anteile überweisen. Wilfried Porth, Vorstandsmitglied bei Daimler und gleichzeitig VfB-Aufsichtsratsmitglied, versicherte: „Wir sind nicht diejenigen, die den Verein dominieren wollen. Auf gar keinen Fall“, versuchte er die Bedenken der Mitglieder zu zerstreuen, die dem Investor misstrauisch gegenüberstehen.

Daimler hat den Anfang gemacht, weitere Investoren sollen folgen. Insgesamt kann der VfB 24,9 Prozent der Anteile veräußern. Dadurch erhofft sich der VfB insgesamt 100 Millionen Euro als „Anschubfinanzierung“.

Das soll jedoch noch nicht alles gewesen sein. Sollte sich der sportliche Erfolg einstellen – Dietrich hat das ehrgeizige Ziel ausgegeben, dass der VfB in spätestens fünf Jahren wieder international vertreten sein soll –, rechnen die Verantwortlichen mit höheren Erträgen aus Fernsehgeldern und Sponsoring in Höhe von 250 Millionen Euro. „Wir haben keine Angst, ehrgeizige Ziele zu formulieren. Wir wollen nach vorne“, erklärte VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser.

Die Frage ist, wie der VfB die 41,5 Millionen Euro von Daimler verwendet. Fest steht, dass nicht die gesamte Summe in neue Spieler investiert wird. Ein großer Batzen soll in die Sanierung der Trainingsplätze und die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt werden. „Die Infrastruktur ist einfach nicht zeitgemäß, sie ist nicht auf einem Top-Level. Die Ansprüche rund um den VfB sind aber riesig – und passen derzeit nicht zu den Rahmenbedingungen“, sagte Trainer Hannes Wolf.

Mehr Geld für Transfers

Dietrich betonte, dass der VfB durch den Abstieg 50 Millionen Euro verloren habe und auch in Bezug auf die Fernsehgelder ins Hintertreffen geraten sei. Der VfB bekommt 32 Millionen Euro an TV-Geldern, der FC Augsburg beispielsweise 50 und der SC Freiburg 42 Millionen. Gleichwohl wird der VfB sportlich aufrüsten müssen, um in der Bundesliga bestehen zu können. Angeblich soll Schindelmeiser künftig über einen Personaletat in Höhe von 50 statt bisher 40 Millionen Euro verfügen. Dietrich sieht durch die Ausgliederung in der Transferpolitik enorme Vorteile. „Jetzt können wir ganz anders mit den Spielern sprechen. Die wollen wissen, wo es hingeht. Diese Handlungsfähigkeit ist unglaublich wichtig.“

Erste Spekulationen über mögliche Neuverpflichtungen gibt es bereits. Der VfB sucht einen Torwart und soll an Ron-Robert Zieler (Leicester City), Marwin Hitz (FC Augsburg) und Julian Pollersbeck (1. FC Kaiserslautern) Interesse bekundet haben.

Noch nicht klar ist, ob Alexandru Maxim bleibt. Bisher hat sich der Rumäne, dessen Vertrag bis 2019 läuft, noch nicht geäußert. „Ich kann nichts sagen“, erklärte der Mittelfeldspieler im „kicker“.

In den kommenden Wochen wird Schindelmeiser die Arbeit nicht ausgehen. Auch von seinem Geschick wird es abhängen, ob der VfB das hinzugewonnene Kapital in sportliche Qualität umsetzen kann. Garantien dafür gibt es nicht.