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Sympathisch und kompetent kommt Bernd Wahler bislang rüber. Am Montag will er zum Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt werden.
Sympathisch und kompetent kommt Bernd Wahler bislang rüber. Am Montag will er zum Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt werden. © dpa
17.07.2013

VfB Stuttgart wählt neuen Präsident - Bernd Wahler: "Ich will das machen"

Er soll nichts Geringeres schaffen, als den Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu führen und gleichzeitig mit dafür zu sorgen, dass die Mannschaft erfolgreich spielt. Bernd Wahler will am kommenden Montag auf der Mitgliederversammlung als Nachfolger des nach heftigen Protesten zurückgetretenen Gerd Mäuser zum Präsidenten des VfB gewählt werden. „Von der Rückmeldung, die es bislang gab, wäre ich schon brutal enttäuscht, wenn ich nicht gewählt werden würde“, sagt der 55-jährige Adidas-Manager im Gespräch mit Hannes Kern, Sigor Paesler und Frank Hagenauer.

PZ-news: Die Reaktionen auf Ihre Kandidatur waren fast durchweg positiv, überrascht Sie das?

Bernd Wahler: Es freut mich natürlich sehr. Auch dass der Aufsichtsrat um Joachim Schmidt der Meinung war, dass ich in das Anforderungsprofil passe. Nach all den bisherigen Begegnungen, die ich hatte, habe ich das Gefühl, dass das passt. Ich musste mich nicht verstellen, ich kann so sein, wie ich bin – und das ist immer ein tolles Zeichen. Ich kann es kaum erwarten, bis der kommende Montag rum ist und ich dann hoffentlich der Präsident des VfB bin. Ich will das machen.

PZ-news: Was passiert in dieser Woche noch in Sachen Wahlkampf?

Wahler: Es gibt Pressetermine wie diesen, wir haben ein Treffen mit dem Fanausschuss, ich treffe den Ehrenrat, ich treffe mich mit Fanclubs, gegen Ende der Woche geht es dann um die konkrete Vorbereitung der Mitgliederversammlung – aber nebenbei bin ich natürlich auch noch in meinem jetzigen Job für Adidas unterwegs, den ich bis zum Schluss mit vollem Einsatz machen werde.

PZ-news: Ist es nicht eine Situation wie bei einem Trainerwechsel, in der der Neue zunächst einmal nur gewinnen kann, wenn er nicht allzu viel falsch macht?

Wahler: Ich denke, bei der ganzen jüngsten Diskussion um Personen muss man mal festhalten, dass auch Dinge gemacht wurden, die nicht so falsch sind, wenn ich etwa an das entstehende Jugendzentrum denke. Auch der zurückgetretene Aufsichtsratschef Dieter Hundt hat sich über viele Jahre Verdienste für den Verein erarbeitet. Diese jetzt einfach beiseite zu reden, liegt mir fern. Es wurde ja auch im Zusammenhang mit mir von Vetternwirtschaft geredet – ich habe in meiner Familie Vettern, nette Vettern, aber keine im Aufsichtsrat.

PZ-news: Hatten Sie Kontakt mit Gerd Mäuser?

Wahler: Nein. Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal getroffen, als er noch bei Porsche war. Aber nicht in dem jetzigen Zusammenhang.

PZ-news: Als VfB-Präsident würden Sie vermehrt im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, schreckt Sie das gar nicht?

Wahler: Davor habe ich schon Respekt. Ich war bisher schon bei großen Events dabei und habe da keine Berührungsängste, aber da stand ein Lionel Messi oder ein Vorstandsvorsitzender in der Nähe und ich war nicht die Hauptperson. Das wird sich jetzt vielleicht ein bisschen ändern, aber ich hoffe, dass es dann auch wieder weniger wird, denn wir sind hier ein Team. Ich muss nicht im Rampenlicht stehen. Aber ich bin Fußballer, ich bin VfB-Fan – von daher ist dieser Job ein Traum.

PZ-news: Sie haben im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger kein Zehn-Punkte-Programm präsentiert. Wo muss man Ihrer Meinung nach trotzdem den Hebel ansetzen muss?

Wahler: Klar, ich habe Ideen. Aber die muss man zuerst im Team diskutieren. Der VfB ist eine tolle Marke, die gilt es zu präzisieren und ihr vielleicht noch eins schärferes Profil zu verpassen. Ein festes Programm habe ich in der Tat nicht. Es gibt hier Experten, die sich Tag und Nacht mit dem VfB beschäftigen, die respektiere ich und die möchte ich genau anhören. Man spricht ja immer von hundert Tagen, die man Zeit bekommt, sich alles anzuschauen – das möchte ich auch so machen. Es wäre respektlos, hier anzukommen und zu sagen: Ich weiß alles besser. Ich habe auch noch ein paar Botschaften, die ich aber gerne erst am Montag vorstellen möchte. Ich will die Mitglieder überzeugen, mich zu wählen, dass sie Vertrauen haben, dass hier jemand kommt, der im Sinne des VfB etwas bewegen will.

PZ-news: Wo sollte der VfB in drei bis fünf Jahren stehen?

Wahler: Sportlich wollen wir ganz klar aus dem Mittelfeld raus und uns weiter oben im internationalen Bereich platzieren. Um den Erfolg nachhaltig zu gewährleisten, müssen wir eine wirtschaftliche Basis schaffen. Als Schwaben haushalten wir clever, aber es gibt die Bereitschaft, ein bisschen mehr zu riskieren, mit einem kalkulierten Risiko in Vorleistung zu gehen, ohne Harakiri zu begehen.

PZ-news: Wirtschaftlich steht der VfB gut da, aber es gibt auch hier einige Baustellen, etwa durch den angekündigten Rückzug der Sponsoren EnBW und Imtech. Wie wollen Sie konkret mithelfen, diese Lücken zu schließen?

Wahler: Man muss mit Offenheit die Kontakte und Gespräche suchen, die bestehenden Netzwerke weiterentwickeln, um so neue Geldgeber zu finden, für die man die Marke VfB interessant macht. Da gibt es noch einiges an Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt. Auch ich habe ein Netzwerk und viele Kontakte, die ich in den vergangenen Jahren geknüpft habe und die ich nutzen werde. Aber auch das wird im Team passieren.

PZ-news: Sie betonen den Teamgedanken immer wieder. Ist das der Führungsstil auf den sich Fans und Mitarbeiter des VfB einstellen können, wenn Sie gewählt werden?

Wahler: Ich bin so. Leute, die mit mir gearbeitet haben, würden bestätigen, dass ich ein Teamplayer bin. Nicht, weil man das in irgendwelchen Managementschulen lernt, sondern weil ich so groß geworden bin und daran glaube. Wenn einer diktatorisch versucht, Dinge durchzusetzen, ist er in der Umsetzung alleine. Konstruktive Konflikte und eine gesunde Streitkultur kenne ich – und ich bin sicher, dass wir die dann auch hier haben werden (lacht).

PZ-news: Der FC Schalke 04 hat vor wenigen Tagen den Vertrag mit dem umstrittenen Ticketvermittler Viagogo gekündigt, mit dem ja auch der VfB zusammenarbeitet. Wie stehen Sie dazu?

Wahler: Ich bin mit der Thematik vertraut. Zunächst einmal hat der VfB einen Vertrag mit Viagogo bis 2014 und es ist Teil der Kultur des VfB, dass man Verträge respektiert, es sei denn, sie werden nicht eingehalten. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir uns im Falle meiner Wahl dieses Themas annehmen.

PZ-news: Das werden viele Fans gerne hören. Die Erfahrungen in den vergangenen Tagen nährt schon Ihren Optimismus, dass das am Montag klappt.

Wahler: Ja, von der Rückmeldung, die es bislang in der Presse, in den Foren und in Gesprächen gab, wäre ich schon brutal enttäuscht, wenn ich nicht gewählt werden würde. Aber am Montag zählt’s, dann entscheiden die Mitglieder.

PZ-news: Würden Sie im Falle ihrer Wahl auch wieder nach Schnait im Remstal ziehen, wo Sie aufgewachsen sind?

Wahler: Meine Mutter hat da ein Haus, da gibt es Platz für meine Frau und mich – die Kinder sind ohnehin aus dem Haus. Ich freue mich drauf, mehr Zeit mit meiner Mama zu verbringen oder auch mit meinem Bruder oder Freunden, die ich bislang eher nur zwei Mal im Jahr gesehen habe.