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Der Präsident des VfB Stuttgart, Bernd Wahler, hält während der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Porsche Arena in Stuttgart seine Rede.
Der Präsident des VfB Stuttgart, Bernd Wahler, hält während der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Porsche Arena in Stuttgart seine Rede. © dpa
19.01.2016

VfB Stuttgart zahlt trotz Abstiegsgefahr keine «Mondpreise» - Wahler will AG

Trotz der Abstiegsgefahr für den VfB Stuttgart lehnt es Sportvorstand Dutt ab, überhöhte Preise für Neuzugänge zu zahlen. Um in der Bundesliga mittelfristig mithalten zu können, warb Präsident Bernd Wahler beim Neujahrsempfang für die Ausgliederung der Profis.

Wahler will dem abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart mit der geplanten Ausgliederung der Profiabteilung mittelfristig neue Geldquellen erschließen. Dennoch muss Trainer Jürgen Kramny wegen der aktuell noch begrenzten Mittel auf eine Verstärkung der anfälligen Innenverteidigung möglicherweise verzichten.

Sportvorstand Robin Dutt erklärte am Dienstag, wegen des aufgeheizten Transfermarkts die Rückrunde trotz des Abstiegskampfs notfalls ohne weiteren Neuzugang nach Weltmeister Kevin Großkreutz und dem ukrainischen Stürmer Artem Krawets zu bestreiten.

«Wir beobachten den Markt, aber wir sind nicht bereit, Mondpreise für durchschnittliche Spieler zu zahlen. Das ist Wahnsinn, was da am Markt los ist», sagte Dutt auch mit Blick auf finanzkräftige englische Clubs. Als Beispiel steigender Ablösesummen nannte er den Wechsel des Wolfsburgers Timm Klose zum Premier-League-Aufsteiger Norwich City. Der Tabellen-16. soll für den Schweizer rund zwölf Millionen Euro gezahlt haben. «Preise in dieser Kategorie sind für zwölf der 18 Bundesligaclubs nicht möglich», erklärte Dutt.

Der Tabellen-15. VfB werde nur dann einen weiteren Neuzugang verpflichten, wenn er die Mannschaft verstärke und gleichzeitig finanzierbar sei, betonte Dutt vor dem Rückrundenauftakt am Samstag beim 1. FC Köln. Eventuell werde es daher keinen weiteren Transfer geben, denn: «Wir haben auch so Qualität im Kader, das hat man gegen Wolfsburg gesehen.»

Die Stuttgarter stellen zwar mit 37 Gegentreffern die schlechteste Defensive der Liga. Zum Ende der Hinrunde waren es unter dem neuen Trainer Kramny gegen Bremen (1:1), in Mainz (0:0) und gegen Wolfsburg (3:1) aber nur noch zwei Gegentore in drei Partien.

Zwar gehen die Schwaben nach der kleinen Erfolgsserie verhalten optimistisch in die zweite Saisonhälfte. Nach mehreren Jahren im Abstiegskampf beschrieb Clubchef Wahler beim VfB-Neujahresempfang am Montagabend aber auch, wie schwer es ist, die Talfahrt zu beenden. Der Weg zum sportlichen Erfolg sei weder kurz noch einfach, wenn der strukturelle Rahmen des Vereins erneuert werden müsse, betonte er. Eine langjährige Abwärtsspirale zu stoppen, sei schwer. «Sie in einen stabilen Aufwärtstrend zu verwandeln, ist noch schwerer.»

Wahler warb vor den 1200 Gästen daher erneut für die Ausgliederung der Profis in eine Aktiengesellschaft. Für Erfolg brauche man finanzkräftige strategische Partner, meinte der 57-Jährige. Er werde den Veränderungsdruck im Verein deshalb «unverändert hoch halten». Knapp 25 Prozent der Anteile sollen an Investoren verkauft werden, der Autohersteller Daimler steht für einen Einstieg schon bereit.

Der VfB erhofft sich davon Einnahmen von mindestens 50 Millionen Euro. Bei der Hauptversammlung am 17. Juli soll über diesen Schritt entschieden werden. Dafür braucht Wahler allerdings eine Dreiviertel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder.