nach oben
Der VfB am Boden: Das Team um Kapitän Christian Gentner sollte schleunigst wieder aufstehen und in die Erfolgsspur zurückfinden, hoffen die Fans aus der Region. Foto: Gollnow
Der VfB am Boden: Das Team um Kapitän Christian Gentner sollte schleunigst wieder aufstehen und in die Erfolgsspur zurückfinden, hoffen die Fans aus der Region. Foto: Gollnow
07.11.2018

VfB-Fans zwischen Wut und Enttäuschung: Leistung der Stuttgarter sorgt für Diskussionen

Pforzheim. Es rumort an der Basis. Die Geduld vieler Fans des VfB Stuttgart ist erschöpft. Bei der jüngsten 0:3-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt wandten sich die Anhänger in der Cannstatter Kurve in der zweiten Hälfte vom Spielfeld ab. Sie konnten nicht mehr mit ansehen, wie ihre Mannschaft, die mit so viel Vorschusslorbeeren in die neue Bundesliga-Saison gestartet war, auf dem Platz vorgeführt wird.

Die PZ hat sich bei Fans und Fanclubs des VfB Stuttgart umgehört. Wie beurteilen die hart gesottenen Anhänger der „Roten“ das augenblickliche Krisenszenario? Wer trägt die Schuld daran, dass es nicht läuft? Ist Markus Weinzierl der richtige neue Trainer? Und wäre Jürgen Klinsmann als Sporchef eine gute Wahl?

Scharfe Kritik an Korkut

Lukas Hutter, beim VfB-Fanclub Invasion 1893 Straubenhardt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, glaubt fest, dass man die aktuelle Misere beim VfB nicht nur an einer Person festmachen könne, etwa beim Sportchef Michael Reschke, auch wenn der Fehler gemacht habe. Ihn durch Jürgen Klinsmann zu ersetzten, wie es gerade heiß diskutiert wird, fände er schade.

Warum? „Klinsmann hat keine Erfahrung in diesem Job. Zudem schafft es der VfB immer wieder, ehemalige Helden zu verbrennen,“, fürchtet Hutter. Er nennt als Beispiel Fredi Bobic, der bei seinem Herzensverein in Stuttgart als Manager entlassen wurde, aber jetzt in Frankfurt sehr erfolgreich arbeitet.

Hart fällt die Kritik Hutters am entlassenen Trainer Tayfun Korkut aus: „Er hatte von Hannes Wolf eine fitte Mannschaft übernommen, die jetzt physisch total im Rückstand ist gegenüber der Konkurrenz in der Bundesliga.“ Jetzt habe man ein halbes Jahr verschenkt und müsse in der Winterpause eine neue Basis schaffen, auch im konditionellen Bereich.

Timo Brenk, Wirtschaftsleiter beim VfB-Fanclub Cannstatter Zuckerle Ersingen, glaubt nicht, dass die VfB-Profis konditionelle Probleme haben. „Die geben Gas bis zum Schluss. Es stimmt nicht, dass ab der 80. Minute nichts mehr geht“, so Brenk. Der Ersinger VfB-Fan gibt zu bedenken, dass sein Verein auch von großem Verletzungspech gebeutelt sei.

Bei der Personalie Weinzierl ist er „hin- und hergerissen. Ralph Hasenhüttl wäre mir lieber gewesen“, so Brenk. Kritisch äußert er sich zur Diskussion um Jürgen Klinsmann als Sportchef. „Ich finde es grundsätzlich einmal unverschämt, sich hintenrum ins Gespräch zu bringen. Ob er ein guter Sportchef wäre, weiß ich nicht. Ihm fehlt aber auf alle Fälle die Erfahrung für so einen Job.“

Mit VfB-Profis und Funktionären konnte sich Wolfgang Bossert (71) dieser Tage bereits unterhalten. Als langjähriger VfB-Fan und -Mitglied war er zu Gast bei der Kabinenfeier, die der Bundesligist alljährlich für ausgewählte Interessenten abhält. „Man merkt den Spielern schon eine gewisse Betroffenheit an“, sagt Bossert, der früher für 08 Mühlacker Fußball spielte. Ausführlich unterhielt sich Bossert mit Denis Aogo. Der Ex-Nationalspieler versicherte dem Gast, dass die VfB-Spieler keine konditionellen Defizite hätten. „Diese Behauptung ist grottenfalsch. Wir sind fit“, sagte Aogo zu seinem Gast aus Eutingen.

Die Idee, Jürgen Klinsmann als Sportchef zu installieren, hält Bossert „grundsätzlich nicht für schlecht.“ Man sollte aber den aktuell Verantwortliche jetzt noch mindestens bis zur Winterpause eine Chance geben.

Wegen Klinsmann VfB-Fan

Simon Morsch, Vorsitzender des VfB-Fanclubs Fauststadt Crocodiles, kann sich dagegen nicht vorstellen, dass Klinsmann als Sporchef eine gute Wahl wäre, zumal dies auch einen Machtkampf innerhalb des VfB auslösen könnte. „Obwohl er vom Namen her mega wäre: Wegen Klinsmann wurde ich einst VfB-Fan“, betont Morsch.

Markus Weinzierl als neuen Trainer zu installieren hält Morsch hingegen für eine gute Entscheidung. „Von allen Optionen war das die Beste . Aber in meinen Augen ist er aktuell die ärmste Sau.“