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Das VfB-Team ist in schöner Regelmäßigkeit niedergeschlagen – hier von links Florian Klein, Toni Sunjic, Daniel Ginczek und Martin Harnik.  Baumann, Maurer, Jaspersen
Das VfB-Team ist in schöner Regelmäßigkeit niedergeschlagen – hier von links Florian Klein, Toni Sunjic, Daniel Ginczek und Martin Harnik. Baumann, Maurer, Jaspersen
A. Zorniger
A. Zorniger
Robin Dutt
Robin Dutt
29.09.2015

VfB-Frust zur Volksfest-Zeit

Wenn vor der eigenen Haustüre gefeiert wird, ist auch der VfB dabei. Während des Stuttgarter Volksfests gibt es zwei VfB-Wasentage. Doch nach sechs Niederlagen in sieben Spielen wird das Volksfestbier für VfB-Sympathisanten zur Frustmaß. Ein Überblick nach gut einem Fünftel der Saison.

Trainer: Alten Weggefährten aus Großaspacher Zeit ist eines in Erinnerung: Alexander Zornigers größte Stärke ist, absolut von sich selbst überzeugt zu sein. Seine größte Schwäche? Dasselbe. Erfrischend selbstbewusst ist der Trainer in Stuttgart angetreten. „Nur so wird’s gemacht“, sagt er seither immer wieder in Bezug auf sein offensives Spielsystem. Doch das Problem im Bundesligafußball ist: Wer im Erfolg als Charakterkopf gefeiert wird, ist im Misserfolg ein beratungsresistenter Sturkopf. Zorniger ist dünnhäutiger geworden. Nach dem 3:1 in Hannover polterte er gegen den Reporter des „Kicker“-Sportmagazins – die Benotung für Daniel Ginczek passte ihm nicht.

Mannschaft: Mehr als einmal hat Trainer Zorniger auf ein gravierendes Defizit hingewiesen: die latente Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit der Spieler. „Das ist eine VfB-Krankheit, schon seit Jahren“, meint er. In Hannover zeigte der VfB unter der Woche nach dem 0:1-Rückstand eine schnelle Reaktion. Vier Minuten später führten die Stuttgarter mit 2:1 und waren auf der Siegerstraße. Eine ähnliche Reaktion vermisste der Trainer am Samstag, als er in der Journalistenrunde nach dem 1:3 gegen Gladbach die Körpersprache seiner Spieler angesichts des frühen 0:2-Rückstand bemängelte. Zorniger beklagte nach dem 2:3 beim Hamburger SV, dass die Bankdrücker dem Stammpersonal zu wenig Druck machen. Und Woche für Woche schickt er beinahe die gleiche Elf auf den Rasen. Spieler wie Georg Niedermeier oder Carlos Gruezo spielen keine Rolle. Dabei hatte Zorniger Niedermeier vor seinem Amtsantritt öffentlich gelobt – nun steht dessen Abschied in der Winterpause bevor.

Grundsätzlich Defizite gibt es bei den Innenverteidigern Timo Baumgartl/Toni Sunjic, die gegen Gladbach zu viele Abspielfehler produzierten und die die entscheidenden Zweikämpfe verlieren. Torwart Przemyslaw Tyton wirkt unsicher, Filip Kostic hat seinen Platz in Zornigers System noch nicht gefunden. Ballverluste, etwa nach eigenen Eckbällen, stürzen den VfB defensiv in arge Verlegenheit.

Manager: Vor einem Jahr wurde Fredi Bobic entlassen. Sein Nachfolger Robin Dutt ist in seiner Funktion als Sportvorstand Berufsneuling. „Bei den Fehlern, die wir im Spiel machen, müssen wir die einzelnen Spieler hinterfragen – und nicht den Trainer“, sagt Dutt. Dass er in der aktuellen Situation keinen Zentimeter von Zorniger abrückt, ist nachvollziehbar. Ein Scheitern Zornigers wäre auch Dutts Scheitern. Er hat zahlreiche Positionen im Verein – vom Teampsychologen bis zu den Scouts – neu besetzt. Bislang ohne Erfolg. Das zweite Team des VfB (3. Liga) ist ebenfalls Vorletzter.